Mindestens vier Betriebe im Kreis verabschiedeten sich zuletzt von Rinderhaltung

Erste Milchbauern geben auf

Klötze. Die Milchbauern in der westlichen Altmark geraten angesichts des anhaltend niedrigen Milchpreises zunehmend in Existenznot.

„Von rund 135 Betrieben im Kreis haben zuletzt mindestens vier aufgegeben“, erklärt Annegret Jacobs, Geschäftsführerin des Bauernverbandes Altmarkkreis Salzwedel, auf Nachfrage der AZ. Die derzeitige Lage sei sehr bedrohlich.

Auch Raimund Punke, Geschäftsführer der Klötzer Milcherzeugergenossenschaft, ist nur aufgrund seines heutigen 60. Geburtstages zum Feiern zumute. „Derzeit gibt es 25 Cent je Kilogramm Milch. 34 bräuchten wir, um kostendeckend wirtschaften zu können und 35, um zumindest einen kleinen Gewinn zu erzielen“, rechnet der Bauernverbandsvorsitzende vor. Im Vorjahr hatte es noch bis zu 40 Cent für die Milch gegeben.

Die neuerliche Talfahrt der Erzeugerpreise kommt dem Betrieb, der in seinen Ställen und auf den Weiden insgesamt 1200 Kühe hält, teuer zu stehen. Ein Verlust von 650 000 Euro für dieses Jahr sei laut Punke absehbar. Mit Sparmaßnahmen – „es gibt keine Investitionen, wir fahren voll auf Verschleiß“ – werde versucht ein klein wenig gegenzusteuern. Da aber auch die Erlöse für Raps, Weizen, Gerste und Roggen im Keller sind, sei die Genossenschaft gezwungen, ihre finanzielle Rücklage anzugreifen.

Einen Hauptgrund für die derzeitige Krise sieht der Bauernverbandsvorsitzende im Embargo Russlands für westliche Lebensmittel.

Während sich die EU an das Export-Verbot halte, habe die USA ihren Export von Milchprodukten nach Russland zuletzt um 50 Prozent steigern können. „Da läuft was schief“, sieht Punke eine Mitschuld in der Politik.

Der Wegfall der Milchquote zum 1. April dieses Jahres sei dagegen nicht das große Problem. „Wir haben momentan nur etwa knapp zwei Prozent mehr Milch auf dem europäischen Markt als vor einem Jahr“, so der Klötzer.

Den Milchbauern mehr zu schaffen mache dagegen der gut organisierte und seit Jahren die Preise drückende Lebensmittel-Einzelhandel. Dass einzelne Discounter – um die Situation der deutschen Milchbauern zu verbessern – ab diesem Monat Preiserhöhungen für Trinkmilch (plus vier Cent) und Butter (plus zehn Cent) vorgenommen haben, sieht Punke „unterm Strich als keine weltbewegende Sache“ an. Zum einen, weil die Milchbauern längerfristige Lieferverträge mit den Molkereien haben („An den höheren Preisen verdient zunächst nur der Handel selbst.“) und zum anderen, weil bei einer Kaufzurückhaltung für die teurer gewordenen Milchprodukte, die Preise wieder rasch gesenkt würden. Das habe der Einzelhandel zumindest bereits bei der Ankündigung der Preiserhöhung so signalisiert.

Was bleibt, ist die Hoffnung auf bessere Zeiten. „China hat sich etwas erholt und möchte mehr Milchprodukte aus Deutschland kaufen“, setzt der Bauernverbandvorsitzende auf die Entwicklung des Außenhandels – das aber auch erst ab dem kommenden Frühjahr. „Es muss sich etwas bewegen. Entweder geht der Milchpreis hoch oder die Kostenschraube, sprich die Futtermittelpreise, nach unten“, sagt Punke.

Ändere sich am Milchmarkt nichts, heiße es, „alle Reserven aufbrauchen und schauen, wer den längsten Atem hat“. Wer sich allerdings einmal von der Milchproduktion verabschiedet, der fange nie wieder an, weiß der Klötzer Genossenschafts-Chef.

Von Matthias Mittank

Rubriklistenbild: © dpa

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