Erst die Eigenheime, dann die Straße

Erst wenn ein Großteil der Grundstücke bebaut ist, wird die Straße befestigt: Bauamtsleiter Dieter Neuschulz (l.) vertrat im Jahrstedter Ortschaftsrat einen klaren Standpunkt.

Jahrstedt - Von Monika Schmidt. „Das ist alles ein bisschen gegen den Baum gelaufen.“ So eröffnete der Jahrstedter Ortsbürgermeister Uwe Bartels den Tagesordnungspunkt Maschenweg bei der Zusammenkunft des Ortschaftsrates. Dazu hatte er den Klötzer Bauamtsleiter Dieter Neuschulz eingeladen.

„Der Ortschaftsrat ist verärgert, dass das Projekt nicht so umgesetzt wurde, wie wir uns das gedacht haben“, erläuterte Uwe Bartels den Grund für die Diskussion. Denn noch als selbstständige Gemeinde hatte der Jahrstedter Rat den Beschluss gefasst, den Maschenweg zu befestigen. Gleichzeitig sollte ein Baugebiet neu erschlossen werden. Die entsprechenden Satzungen dazu wurden dann bereits vom neuen Einheitsgemeinderat beschlossen. Die Mittel für den Ausbau, 150 000 Euro, hatte Jahrstedt als Haushaltsrest in die Einheitsgemeinde mitgebracht.

„Wir wollten dem Weg eine vernünftige Oberfläche geben“, informierte der Ortsbürgermeister weiter. Fünf Bauplätze könnten am Maschenweg entstehen, Bauwillige seien da. „Es liegt aber noch keine einzige Bauvoranfrage bei uns vor“, erwiderte der Bauamtsleiter. Deshalb sehe die Stadt keinen Handlungsbedarf für einen Ausbau. Zumal der übliche Weg wäre, zunächst die Grundstücke zu bebauen und anschließend die Straße zu befestigen. Ansonsten müsste jedes Mal die Straße aufgerissen werden, wenn die Versorgungsleitungen gelegt werden, begründete Dieter Neuschulz.

Vor allem Kerstin Lohr, als Anliegerin direkt betroffen, war mit dieser Begründung nicht einverstanden. Denn sie wohnt bereits seit Jahren am Maschenweg und muss jeden Tag über eine wahre Holperpiste fahren. Die Ortschaftsrätin kritisierte zudem das Verfahren, mit dem die Stadt die Anlieger beteiligt hatte. Per Hauswurfzettel seien Fragen gestellt worden, ob die Anlieger an einem Ausbau der Straße interessiert sind und ob sie die Kosten dafür tragen würden. Kerstin Lohr hatte auf der Rückseite des Zettels ebenfalls Fragen an die Stadt gestellt. „Aber die wurden bislang noch nicht beantwortet“, beschwerte sie sich. Über die Verfahrensweise „bin ich richtig stinkig“, ärgerte sich Kerstin Lohr. Alle Straßen im Ort seien inzwischen befestigt worden, nur der Maschenweg nicht. Bei einem Anliegerbeitrag von 70 bis 80 Prozent könnten die Anlieger die Straße gleich komplett finanzieren und sie mit einem Schlagbaum absperren.

Bauamtsleiter Dieter Neuschulz ließ sich nicht auf eine unsachliche Diskussion ein. Er räumte ein, dass „es im Vorfeld etwas anders hätte laufen können“. Aber es sei stets von verkehrten Voraussetzungen ausgegangen worden. Nunmehr sei Baurecht vorhanden, nur die Bauwilligen hätten sich noch nicht gemeldet. „Wir werden die Straße nicht bauen, bevor nicht eine gewisse Anzahl der Grundstücke bebaut ist“, wiederholte er.

Dass für die Versorgungsleitungen die neue Straße aufgerissen werden müsste, wollten die Jahrstedter als Grund nicht gelten lassen. Der Maschenweg sei breit genug, um die Leitungen auf einer Seite neben der Straße zu verlegen. Dem Ausbau stünde nichts entgegen, beharrten die Ortschaftsräte. „Ich würde mich über den ersten Bauantrag freuen, denn dann hätten wir etwas in der Hand, um mit den Versorgern zu verhandeln“, sagte Dieter Neuschulz.

Das Geld, das die Gemeinde Jahrstedt für den Maschenweg eingestellt hatte, „ist weg“, machte der Bauamtsleiter deutlich. Denn das Bauamt hatte andere Prioritäten bei Baumaßnahmen in Jahrstedt gesetzt: Dem Ausbau des Germenauer Winkels wurde der Vorrang gegeben und dafür ein Antrag auf Dorferneuerung gestellt. „Hätte man da nicht erst den Ortschaftsrat fragen sollen?“, wunderte sich Ronny Bratke. Denn als die Gemeinde vor einigen Jahren den Winkel ausbauen wollte, war dies von den Anliegern grundweg abgelehnt worden.

Dieter Neuschulz zog für den Maschenweg das Fazit: „Wer will, kann bauen und über die Straße unterhalten wir uns später.“

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare