Erst angucken, dann entscheiden

Der ursprüngliche Weg führt mitten durch das Verbandsgelände. Vor Ort sollen die Stadträte nun entscheiden, ob sich für eine Öffnung der Verbindung zwischen Klötze und Kusey eingesetzt werden soll.

Klötze - Von Monika Schmidt und Peter Lieske. Umstellen müssen sich die Mitglieder des neuen Klötzer Stadtrates. Während sie sich als Vertreter ihres Ortes bei früheren Ratssitzungen gut auskannten, müssen sie nun für das gesamte Gebiet der Einheitsgemeinde entscheiden. Dass nicht jeder jede Straße kennt, ist verständlich. Deutlich wurde dies beispielsweise bei der Diskussion um die Öffnung des Köbbelitzer Weges am Wasserwerk in Klötze.

Auslöser für das Aufkommen der Diskussion war Gerhard Gottschlich. Der Kuseyer hatte angeregt, nach dem Ausbau des Alt-Klötzer Weges von Immekath bis zum Wasserverbandssitz in Klötze auch das letzte Stück der Verbindung bis zur Kreuzung am Kapellenberg freizugeben. Bislang führt nur ein Geh- und Radweg um das Gelände des Wasserwerks herum zum Köbbelitzer Weg in Klötze. Die eigentliche Verlängerung des Alt-Klötzer Weges läuft mitten über das Verbandsgelände und ist von beiden Seiten mit einem Tor versperrt (wir berichteten).

In verschiedenen Gremien wurde über das Thema diskutiert, zum Beispiel im Klötzer Ortschaftsrat. „Der Ortschaftsrat stimmt einer Öffnung des Weges nicht zu“, informierte Bürgermeister Matthias Mann im Stadtrat. Bevor sich die Stadt um die wasserrechtliche Problematik kümmere, müsse sichergestellt sein, dass diese Initiative auch gewollt sei, machte Matthias Mann deutlich. „Der Stadtrat soll sagen, ob wir uns weiter mit dem Thema beschäftigen wollen.“ Doch das ist gar nicht so einfach, da die Meinungen auseinander gehen, wie sich bei der anschließenden Diskussion zeigte. Deshalb sollte nicht einfach abgestimmt werden. „Viele wissen gar nicht, um was es sich dreht“, vermutete Gerhard Gottschlich. Er erinnerte an die Diskussion um die Hegeholzbrücke in Jahrstedt, die sich der Hauptausschuss vor der Entscheidungsfindung auch erst vor Ort angesehen hat. Gleiches wäre für den Köbbelitzer Weg „nicht verkehrt“, meinte Gerhard Gottschlich und fand dafür breite Unterstützung. Auch Raimund Punke stimmte einem Ortstermin zu, auch wenn er von der Notwendigkeit des Ausbaus des Weges nicht überzeugt ist. „Die Frage steht, wofür wir den Weg ausbauen wollen“, betonte er. So könnten Radfahrer und Fußgänger bequem auf dem vorhandenen Weg um das Wasserwerk fahren. Für den Landwirtschaftsverkehr sei ein Ausbau sinnlos. „Am Kapellenberg kommt keiner rum mit seinem Trecker“, war sich Raimund Punke sicher. Der Aufwand für den Ausbau sei gegenüber dem Nutzen viel zu hoch. „Wir brauchen das Geld für etwas anderes“, schätzte der Klötzer ein. „Der Weg bringt uns nichts, die Lage am Kapellenberg würde sich nur durch ein Parkverbot ändern“, sagte Raimund Punke. Ansonsten wäre der Ausbau des Weges für die Landwirte vergebene Liebesmüh. Bei einer Gegenstimme und drei Enthaltungen verständigte sich der Stadtrat darauf, zunächst einen Ortstermin zu machen. Dieser soll vor der nächsten Hauptausschusssitzung stattfinden, kündigte Bürgermeister Matthias Mann an.

Zu der Problematik Köbbelitzer Weg äußerte sich die Wasserverbands-Geschäftsführerin Birgit Tüngler während der Verbandsversammlung. Dass der Weg öffentlich gewidmet ist, bestätigte die Geschäftsführerin. Bereits 1995 gab es Versuche der Stadt, den Weg wieder zu öffnen. Doch die untere Umweltbehörde habe sich damals dagegen ausgesprochen, weil sich das Verbandsgelände im Trinkwassereinzugsgebiet befindet. Diese Begründung sei gut nachvollziehbar, weshalb der Zustand nicht geändert werden sollte.

Nichtsdestotrotz sprach sich die Geschäftsführerin dafür aus, das Grundstücksproblem zu klären. Und zwar könne sie sich ein Flurneuordnungsverfahren vorstellen.

So konkret wollte Matthias Mann noch nicht werden. Als Klötzer Bürgermeister und Vorsitzender des Wasserverbandes vertritt er in diesem Fall beide Seiten. Sogar Bundesstraßen führten an Trinkwassereinzugsgebieten vorbei, die deshalb nicht gesperrt würden, stellte er fest. Er räumte aber auch ein, dass eine Dauerlösung gefunden werden muss, zumal immer noch die Situation bestehe, dass die Zufahrtsstraße von der Oebisfelder Straße als Privatstraße deklariert ist.

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