EPS-Bekämpfung mit innovativen Methoden

Eichenprozessionsspinner im Drömling soll nachhaltig eingedämmt werden

Eine Kohlmeise sitzt in einer Vogeltränke
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Der Kohlmeise könnte in der Bekämpfung des Eichenprozessionsspinners eine besondere Bedeutung zukommen.
  • Birgit Stephani
    vonBirgit Stephani
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Drömling – Trotz seines unscheinbaren Erscheinungsbildes hat der Eichenprozessionsspinner (EPS) in den vergangenen Jahren zunehmende Bekanntheit erlangt. Das liegt zum einen daran, dass seine Raupen in Eichenwäldern forstliche Schäden anrichten können. Besondere Aufmerksamkeit wird dem EPS aber zuteil, weil sich die Raupen gegen ihre Feinde mit unzähligen, feinen Brennhaaren schützen, die eine Gesundheitsgefahr für den Menschen darstellen können.

Grund genug für ein zweijähriges Forschungsprojekt im Biosphärenreservat Drömling, bei dem herausgefunden werden soll, wie der Schädling nachhaltig bekämpft werden kann.

Im Drömling ist der Schädling seit Jahren ein Problem. Die Brennhaare des Eichenprozessionsspinners gefährden die Gesundheit, weil sie allergische Reaktionen bei Menschen auslösen können. Deshalb kommt häufig ein Biozid zur Bekämpfung dort zum Einsatz, wo sich Menschen in der Nähe von befallenen Bäumen aufhalten. Allerdings kann das Mittel im Drömling nicht überall angewendet werden, da ein Mindestabstand von 25 Metern zu Oberflächengewässern eingehalten werden muss.

Federführend verantwortlich für das Projekt wird das Ministerium für Umwelt, Landwirtschaft und Energie des Landes Sachsen-Anhalt in Zusammenarbeit mit der Hochschule Anhalt sein. „Wir wollen die Menschen, die im Drömling leben oder dort die einzigartige Natur genießen wollen, schützen“, erklärt Umweltministerin Claudia Dalbert zu dem Projekt. „Gleichzeitig wollen wir die Artenvielfalt im Drömling, dem Land der tausend Gräben, erhalten.

Gerade an und um Eichen leben rund 500 Tierarten, so viele wie an keiner anderen Baumart. Wir benötigen andere Methoden als den Einsatz eines Biozids, um den Eichenprozessionsspinner nachhaltig einzudämmen. Ich freue mich, dass die Hochschule Anhalt im Biosphärenreservat Drömling ein Forschungsprojekt begonnen hat, das auch nachhaltige Alternativen zur Biozid-Bekämpfung untersuchen wird.“

Das Forschungsvorhaben startete bereits Mitte Februar im Biosphärenreservat Drömling. Es sollen innovative, nachhaltige Alternativen wie beispielsweise das Heißwasserinfiltrationsverfahren oder Nematoden – auch Fadenwürmer genannt – und nachhaltige Präventivmaßnahmen wie ein höheres Angebot an Nistkästen untersucht werden. Im Mittelpunkt steht dabei, wie wirksam die Maßnahmen gegen den Eichenprozessionsspinner sind und wie sie sich auf die Biodiversität auswirken. „Wenn wir die natürlichen Fraßfeinde der Raupe fördern, dann verschiebt sich hoffentlich das Räuber-Beute-Verhältnis zu Ungunsten des Eichenprozessionsspinners“, sagt Claudia Dalbert. Dabei könnte die Kohlmeise eine Rolle spielen, welche nach bisherigen Erkenntnissen auch Eichenprozessionsspinnerraupen frisst. Durch Nistkästen soll die Kohlmeisenpopulation unterstützt werden.

Lösungen aus Forschung und Praxis

Biologische Methoden, wie die Förderung von Fraßfeinden, wurden bisher in der Bekämpfung des Eichenprozessionsspinners nur wenig untersucht. Es gibt erste erfolgversprechende Erfahrungen aus den Niederlanden. Außerdem wurde in Niedersachsen der Einsatz innovativer Bekämpfungsmethoden wie beispielsweise die Verwendung von Nematoden oder das thermische Heißwasserinfiltrationsverfahren EPS-SOLVE erfolgreich in der Fläche angewendet. Für das Forschungsprojekt findet ein fachlicher Austausch mit der Hochschule für angewandte Wissenschaft und Kunst Hildesheim/Holzminden/Göttingen und weiteren Praxispartnern statt.

Weiterhin sollen Empfehlungen und Strategien für ein nachhaltiges Bekämpfungskonzept für die Region erarbeitet werden. Eine Übertragung der Ergebnisse auf weitere Regionen in Sachsen-Anhalt soll erfolgen.

Das Forschungsprojekt läuft bis zum Ende 2022. Das Biosphärenreservat Drömling und die Drömlings-Gemeinden sind eingebunden. So wird gemeinsam mit den Akteuren vor Ort nach Lösungen gesucht, die für die Menschen und die Natur in der Region einen Mehrwert haben. Das Ministerium fördert das Projekt mit rund 150 000 Euro.

Informationen zu den Maßnahmen im Bereich des Gesundheitsschutzes sind auf den Seiten des Landesamtes für Verbraucherschutz unter https://verbraucherschutz.sachsen-anhalt.de/eichenprozessionsspinner-eps/ zu finden.

Das Projekt im Drömling wird in Kürze auf den Seiten des Biosphärenreservates unter www.biosphaerenreservat-droemling.de dargestellt.

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