Schlossermeister Kristian Breyding gibt Sascha Richter eine echte Chance

Mit Epilepsie im Handwerk

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„Wo man helfen kann, da versucht man auch zu helfen.“ Kristian Breyding (l.) beschäftigt Sascha Richter (r.) seit 2009, obwohl dieser Epilepsie hat. Bereut hat er seine Entscheidung nicht.

Immekath. Etwa 500 000 Menschen in Deutschland sind an Epilepsie erkrankt. Das bedeutet, es gibt in Deutschland etwa genauso viele Epileptiker, wie Menschen, die an behandlungsbedürftigem Diabetes leiden.

Nur haben Epileptiker viel schlechtere Chancen auf dem Arbeitsmarkt als Diabetiker.

Sascha Richter (29) aus Immekath ist einer von ihnen. Trotz seiner Erkrankung gab ihm Schlossermeister Kristian Breyding (47) aus Immekath eine echte Chance. Seine Entscheidung bereut er nicht.

„Wo man helfen kann, da versucht man auch zu helfen“, erzählte Breyding im Gespräch mit der Altmark-Zeitung. Seit November 2009 ist Sascha bei ihm in der Werkstatt beschäftigt. „Seine Eltern haben mich damals gefragt, ob es möglich sei, und ich habe gesagt, dass wir es probieren können“, erzählte der Schlossermeister. Bevor Sascha bei ihm anfing, habe er sich vorab gründlich informiert, was in einem Ernstfall zu tun sei. Falls Sascha einen epileptischen Anfall bekommt, weiß Breyding, dass Ruhe bewahren wichtig ist. Auch mit Saschas Medikamenten habe er sich auseinandergesetzt, um zu wissen, was er wann braucht. Trotz Krankheit ist Sascha eine große Hilfe in der Schlosserei. 20 Stunden in der Woche steht er an der Säge. „Er erinnert mich auch oft an Dinge, die ich mal wieder vergessen habe“, schmunzelt Breyding. „Ganz alleine kann Sascha in der Werkstatt allerdings nicht arbeiten. Es ist wichtig, dass immer jemand in der Nähe ist, falls etwas passiert.“ Dass Sascha während der Arbeitszeit einen epileptischen Anfall bekommt, kam bis jetzt nur einmal vor. „Das war schon schlimm, aber ich denke wir haben die Situation ganz gut gemeistert“, gestand Breyding.

Sascha selbst ist mit seiner Arbeit in der Schlosserei sehr zufrieden. Bevor er in der Schlosserei Breyding anfing, machte er eine Ausbildung zum Holzbearbeiter in Salzwedel. Nach der Ausbildung war er eine Zeit lang arbeitslos. Warum er bei vielen anderen Firmen keine Chance bekam, sei für ihn schwer zu sagen. „Ich kann mit meiner Krankheit ganz normal leben und bin mit meinen Medikamenten sehr gut eingestellt. Sie behindert mich im Alltag kaum. Ich habe sogar einen Führerschein“, erzählte er. Außerdem merke er vorher, wenn er eventuell einen Anfall bekommen könnte, und könne entsprechend darauf reagieren. Seine Medikamente hat er immer dabei. Die Maschinen in der Schlosserei kommen ihm sehr entgegen. „Hier ist nicht so viel Computerkram dabei.“

Was genau der Auslöser für einen epileptischen Anfall sei, könne er schlecht sagen. Stress könne auf jeden Fall ein Auslöser sein. „Vorsichtshalber sitze ich auch nie länger als eine Stunde vor dem Computer.“ Für seinen Chef, Kristian Breyding, war es selbstverständlich Sascha die Möglichkeit auf einen Arbeitsplatz zu geben.

Von Katharina Schulz

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