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Klötze kann mit dem Entwicklungskonzept beim Land anklopfen

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Von: Monika Schmidt

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Harald Geißler vom beauftragten Planungsbüro im Hauptausschuss
Harald Geißler vom beauftragten Planungsbüro (r.) erklärte im Hauptausschuss, wie wichtig das Entwicklungskonzept für die Zukunft der Einheitsgemeinde Klötze ist. © Monika Schmidt

Klötze – „Der Stadtrat beschließt die Annahme des Konzeptbausteins IGEK Klötze als informelle städtebauliche Planung mit Selbstbindungswirkung für die Kommune.“ Mit diesem Satz wird ein Schlussstrich unter eine lange Planungsphase gezogen. Denn das Integrierte Entwicklungskonzept (IGEK) für Klötze hat die Stadt- und Ortschaftsräte nun schon einige Jahre beschäftigt, 2016 gab es die ersten Gespräche, 2017 den ersten Workshop.

„Es hat etwas länger gedauert als geplant“, gab dann auch im Hauptausschuss Harald Geißler vom begleitenden Planungsbüro zu. Er stellte das fertige Konzept vor. 2016 hatte seine Firma das erste Angebot unterbreitet, ein bis eineinhalb Jahre sollte das Erstellen des Konzeptes dauern. „Der Roh-Entwurf lag lange im Rathaus. Erst als eine neue Mitarbeiterin eingestellt wurde, hat das IGEK wieder Fahrt aufgenommen“, erinnerte Geißler. „Heute sind wir froh, dass wir das alles glücklich durchgekriegt haben“, freute er sich.

Das Konzept wurde zunächst auf Ebene der gesamten Einheitsgemeinde erarbeitet, dann folgten die Ortsteile. Die Gliederung des 131 Seiten starken Papiers ist vom Land vorgegeben. Nach dem Beschluss können die Klötze Stadträte sagen: „Die Zukunft liegt vor uns, wir wollen jetzt richtige Entscheidungen treffen“, kündigte Harald Geißler an.

Er erinnerte, dass ein solches Konzept die Grundlage sei, „um beim Land anzuklopfen und zu sagen: Ich möchte Fördermittel haben“. Deshalb sei es zum Beispiel wichtig, die Dorfgemeinschaftshäuser aufzunehmen, damit für diese eine Förderung beantragt werden kann. Grundsätzlich sollten die Punkte im IGEK so allgemein wie möglich gehalten werden, um sich keine Förderchancen zu verbauen. Denn das Konzept ist eine Art „Botschaft an die übergeordneten Stellen“, wie sich die Einheitsgemeinde in Zukunft entwickeln möchte.

Dennoch müsse einiges beachtet werden, erklärte Harald Geißler den Stadträten am Beispiel der touristischen Entwicklung. Die Stadt könne in ihrem Konzept zwar sagen, dass sie einen Radweg von A nach B für den Tourismus bauen möchte. Dann gibt es Fördermittel. Wenn sie den Bau der Verbindung aber damit begründet, dass sie den Radweg für Schüler bauen möchte, bekommt sie keine Fördermittel, weil sie für den Schülerverkehr nicht zuständig ist. Deshalb war es wichtig, das IGEK so vorzubereiten, dass damit später Fördermittel beantragt werden können, betonte der Planer.

Als Leitbild für das Konzept wurde „Lebenswerte Heimat“ gewählt. „Das war das Grundgefühl, das uns bei den Sitzungen entgegengebracht wurde“, erklärte Harald Geißler. Dieses Gefühl zu bewahren, sei die Zielsetzung des Konzeptes. Daraus wurden sechs Entwicklungsziele für die Einheitsgemeinde formuliert. Dabei war ein „Spagat“ nötig zwischen den Wünschen des Ortsteils Klötze, der mit seinen knapp 5000 Einwohnern genauso groß ist wie die anderen Ortsteile zusammen. „Das ist nicht immer die pure Harmonie“, war dem Planer bei den Beratungen ein Unterschied zwischen den Wünschen der Stadtvertreter und der Dorfvertreter aufgefallen. „Schnell war klar: Es darf nicht alles nach Klötze gehen, es muss auch in den Orten Angebote für bedarfsgerechtes Wohnen und Arbeiten geben.“

Als letzter und aktuellster Punkt auf der Liste wurde die Verhinderung eines Atommüllendlagers in der Einheitsgemeinde aufgenommen. Harald Geißler warnte die Stadträte gleich mehrfach: „Das ist keine Wünsch-dir-was-Liste. Das IGEK kann keine Lösungen für viele Probleme bringen.“ So könne zum Beispiel der Ärztemangel damit nicht gelöst werden: „Warum sollte ein Arzt herziehen, wenn seine Frau sagt, sie findet hier keine Arbeit und für das Kind ist der Weg zum Gymnasium zu weit?“, argumentierte der Planer.

Diesen Punkt griff im Hauptausschuss der SPD-Fraktionsvorsitzende Alexander Kleine auf. Er teile die Meinung, dass ein Ausbluten der Ortschaften verhindert werden müsse. Aber mit dem Satz „Keinesfalls soll es zu einer weiteren Konzentration in Klötze kommen“ hatte er so seine Probleme. „Denn dann dürfte es ja auch kein Ärztezentrum in Klötze geben können und das wäre schade“, erklärte Kleine. Harald Geißler informierte, dass das Wort „keinesfalls“ nicht von den Planern, sondern von der Lenkungsgruppe eingefügt wurde. „Das ist für mich nachvollziehbar, um die Dörfer zu schützen“, erklärte der Planer.

„Vielleicht ist das einfach nur pingelig, aber für mich suggeriert das, dass es in Klötze keine Weiterentwicklung geben soll“, erwiderte Alexander Kleine. Er schlug vor, den Satz in „Keinesfalls soll es zu einer ausschließlichen Konzentration in der Kernstadt Klötze kommen“ zu ändern.

Mit dieser Änderung, sowie einer Fußnote zur Bevölkerungsentwicklung, die sich anders als in den alten Prognosen verändert hat, stimmten Hauptausschuss dem IGEK zu.

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