Historische Postkarten aus dem Altkreis Klötze (56)

Die Schulstraße in Klötze: Einst „die schönste Straße der Stadt“

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Die Postkarte aus der Sammlung von Frank Bandelier zeigt den östlichen Teil der Schulstraße, so wie sich diese ab dem Jahr 1905 präsentierte. Das neue Pflaster liegt und die Rotdornbäume sind gepflanzt. Typisch für die Straße sind die Giebelhäuser. Der „Ratskeller“, eine Gastwirtschaft (rechts im Bild), wurde 1985 für ein Mehrfamilienhaus abgerissen.

Klötze. Mehrfarbige Kleinmosaikpflaster, alte Walnussbäume, schmucke Fachwerk-Giebelhäuser sowie Wohn- und Arbeitsstätte vieler Handwerker – das war einst die Schulstraße in Klötze.

Angelegt wurde die Schulstraße, ebenso wie die Mittel- und die Grünstraße, im Zuge der Besiedelung des Wolfsberges zwischen 1766 und 1786. Davor war das als Neu-Klötze bezeichnete Siedlungsgebiet (heute der Stadtteil rund um den Schulplatz) größtenteils mit Wald und Heide bestanden. Laut braunschweig-lüneburgischer Bauordnung – das Amt Klötze war bis 1815 dem Königreich Hannover unterstellt – erfolgte die Bebauung ausschließlich mit Fachwerk-Giebelhäusern. Erst nach der Pflasterung der Poststraße (heute Schützenstraße) 1850, der westlichen Mittelstraße 1856 sowie der Grünstraße 1866 erhielt auch die Schulstraße 1867 eine mit Feldsteinen befestigte Fahrbahn. In deren breiten Gossen floss neben Regen- auch das Schmutzwasser von den Höfen. Laut dem verstorbenen Klötzer Stadtchronisten Heinrich Bettinghausen berichten alte schriftliche Überlieferungen davon, dass beidseitig der Straße Walnussbäume standen.

1905 beschloss die Stadtverordnung, die Schulstraße neuzugestalten. Einheimische Steinmetze setzen Sandsteinwürfel für die Fahrbahn, die Bürgersteige erhielten ein mehrfarbiges Kleinmosaikpflaster, das zum Bordstein und zu den Hauswänden hin mit Klein-Natursteinen eingefasst war. Gegen den Willen vieler Anwohner wurden die alten Nussbäume gefällt und durch Rotdornbäume ersetzt. Die Klötzer Tageszeitung schrieb damals von der „schönsten Straße der Stadt“.

Da bei der Besiedlung der Wolfsberger Siedlung in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts in erster Linie Handwerker gewünscht waren, gab es in der Schulstraße viele verschiedene, heute teilweise nicht mehr bekannte Berufe. Bäcker, Fleischer, Böttcher und Seiler waren genauso darunter wie Tabakspinner, Nadler, Radler (Stellmacher) und ein Nagelschmied. Auf dem Grundstück Nummer 3 der Schulstraße befand sich eine Töpferei, in der Haushaltsgeschirr und Ofenkacheln gebrannt wurden. In der Nummer 4 arbeitete ein Glaser, in der Nummer 5 ein Seilermeister. An der Ecke Schul-/Schützenstraße gab es einst den „Ratskeller“, eine Gastwirtschaft, zu der auch eine Schmiede gehörte.

Bis zum Beginn des 19. Jahrhunderts endeten die Schul-, die Mittel- und die Grünstraße nach Osten hin im nassen Wiesengelände. Das änderte sich erst ab 1903 mit dem Bau der Großen Gartenstraße. In den 1980er Jahren erhielt die Schulstraße eine Bitumendecke. 1999 wurde sie zusammen mit der Salzwedeler Straße grundhaft ausgebaut.

Von Matthias Mittank

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