Einmalig in der Geschichte

+
Landesbischöfin Ilse Junkermann besuchte gestern den ökologischen Landwirtschaftsbetrieb in Kusey. Dabei konnte sie eines der Kälber im Stall streicheln.

Kusey - von Peter Lieske. Viel Lob bekam gestern der Geschäftsführer des Landwirtschaftsbetriebes Könnig/Zerneke, Andreas Zerneke, von Ilse Junkermann, Landesbischöfin der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland (EKM). Er hatte dem Gast in einem Vortrag nicht nur den ökologisch wirtschaftenden Betrieb in Kusey vorgestellt, sondern auch eine Zeitreise bis zurück zur Eiszeit unternommen. Die Landesbischöfin hatte nicht Kirchen, sondern drei Betriebe besucht, um, wie sie sagte, die Altmark kennen zu lernen.

Andreas Zerneke, einer der beiden Geschäftsführer des Unternehmens, begann seinen kleinen Geschichtskursus mit dem Warthe-Stadium der Saale-Eiszeit. Diese ist verantwortlich für die Landschaft rund um Klötze mit den Hellbergen, der Endmoräne im Osten der Stadt, und dem Drömling, dem Urstromtal im Südwesten. Dazwischen liegt der Sander, der die Bodenbeschaffenheit in Kusey prägt, eben viel Sand. Ein Boden mit wenigen wasserhaltenden Lehmbändern. „Wenn es mal im Sommer zehn Tage lang nicht regnet, haben wir ein Problem.“ Umso mehr hat der Drömling mit Wasser zu tun. Dank der Rimpauschen Moordammkultur sind die Erträge dort weitaus besser.

Weshalb der Betrieb erst 1999 gegründet wurde, erläuterte der Geschäftsführer mit einem längeren Rückblick in die DDR-Vergangenheit. Er berichtete der Landesbischöfin von der „unlogischen“ Trennung von Pflanzen- und Tierproduktion.

Dann kam die besondere Situation in der Geschichte der Landwirtschaft, der Wandel von der sozialistischen in die kapitalistische Produktion. „Sozialistisch geschaffene Werte mussten kapitalistisch bewertet werden.“ Da die LPG Tierproduktion Kusey besonders stark war, fiel entsprechend die Bewertung aus. Die Vermögensauseinandersetzung gemäß Landwirtschaftsanpassungsgesetz kam die damals nach der Auflösung der LPGen zum 31. Dezember 1991 gebildeten Betriebsform GmbH teuer zu stehen, berichtete er weiter. Dann stiegen sechs der 29 Gesellschafter aus. Und nochmals musste der damalige Betrieb tief in die Tasche greifen, um die Entschädigung zu bezahlen. Tiefstpreise in der Schweineproduktion 1998 und in der Milchproduktion taten ihr Übriges, sodass der Betrieb nicht mehr zu halten war.

Und so kam es 1999 zur Neugründung. Das Unternehmen begann mit der Mastochsenhaltung. „Dem guten Start folgte die BSE-Krise“, berichtete Andreas Zerneke weiter. Später, 2003, gab es noch eine „katastrophale Frühsommerdürre“. Schließlich suchte und fand der Betrieb die „einzige Chance“, und zwar den ökologischen Anbau. Dieser sei typisch für Sander-Flächen. Ähnliche Beispiele gebe es im Fläming und in Mecklenburg-Vorpommern

Nach zweijähriger Übergangszeit produziert der Betrieb „nach höchsten Zertifizierungskriterien“. Ein Mutterkuhbestand mit 350 reinrassigen Tieren wurde aufgebaut. Alle Tiere sind im Herdbuch eingetragen. Das Unternehmen habe mittlerweile gute Aussichten, Zuchtmaterial nach Litauen und Halbwüchsige zur Weitermast nach Mecklenburg-Vorpommern zu verkaufen.

Das Striegeln der Ackerflächen biete beste Chancen für das Getreide, „wenn es richtig gemacht wird“, berichtete der Geschäftsführer weiter. Die Silage wird selbst hergestellt. Das Getreide wird selbst gereinigt.

Die Erfolgsgeschichte des Betriebes habe die These des Gottesgläubigen bestätigt: „Das Gute im Menschen muss siegen.“

Die Landesbischöfin hatte sich besonders für die LPG-Geschichte interessiert, um „den Übergang von der sozialistischen zur kapitalistischen Produktion zu verstehen“. Weltmarkt und Witterung seien zwei Faktoren, die die Landwirte nicht beeinflussen können, stellte sie fest. Vor allem aber die Liebe zu Land und Tieren zeichneten die Landwirte aus, auch in schwierigen Situationen durchzuhalten.

Ein Landwirt müsse sich stets auf neue Situationen einstellen, meinte Andreas Zerneke abschließend. Einen Vorteil habe dieser aber gegenüber einem Handwerker: Die Periode einer Agrarreform dauert über einen relativ langen Zeitraum. Diese gebe ihm eine gewisse Planungssicherheit, mit der der Landwirt recht gut leben könne.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare