„Einen guten Ruf“

Korbinian Schulz hatte gestern eine ganz besondere Banknachbarin: Kultusministerin Birgitta Wolff.

Kusey - Von Peter Lieske. „Ihre Schule genießt einen guten Ruf.“ Mit diesen Worten erwiderte gestern Sachsen-Anhalts Kultusministerin Birgitta Wolff in Kusey die Begrüßung durch die Schulleiterin Claudia Mühl.

Die Lehrerin fühlte sich geehrt, immerhin werde die Grundschule Dr. Schultz-Lupitz zum ersten Mal von einem Kultusminister besucht. Noch vor einem halben Jahr arbeitete Professor Dr. Birgitta Wolff an der Universität Otto-von-Guericke. Im Gespräch mit Fachhochschulkollegen erfuhr sie vom Klassenzimmer der Zukunft, das in Kusey eingerichtet wurde. An dieser Schule lernte Dr. Henry Herper. Der Kuseyer arbeitet im Kompetenz-Labor der Guericke-Universität. Darauf machte der Klötzer Bürgermeister Matthias Mann aufmerksam, der wiederum Henry Herper sehr gut kennt. Auf diese Weise schloss er den Kreis der Beziehungen, die schlussfolgern ließen, weshalb ausgerechnet die kleine Grundschule in der Altmark von diesem Pilotprojekt profitiert. Aber nicht diese Tatsache allein gab den Ausschlag. So betonte der Bürgermeister das große Engagement der Lehrerinnen, die sich für das interaktive Lernwerkzeug begeisterten, Schulungen besuchten und außerhalb ihrer Dienstzeit viele Stunden investierten, um mit dem modernen Unterrichtsmittel arbeiten zu können.

Seit einer Woche können die Kinder der dritten Klasse nun auch mit Notebooks arbeiten. Diese sollen, so hatte Dr. Henry Herper in der Vergangenheit mehrfach betont, ein ganz normales Arbeitsgerät werden.

Die Kuseyer Drittklässler werden zunächst bis Februar von diesem neuartigen Lernmittel profitieren können. So lange läuft das Pilotprojekt, informierte Henry Herper. Damit gab er dem Bürgermeister einen Zeitrahmen, bis wann die Grundlagen für eine Ausstattung aller drei Grundschulen der Einheitsgemeinde geschaffen sein müssen. Denn dann sollte das Pilotprojekt möglichst aus eigener Kraft fortgesetzt werden. Matthias Mann erinnerte daran, dass dafür bereits Fördermittel beantragt wurden.

Und damit eröffnete der Bürgermeister eine kleine Grundsatzdebatte. In die neue Technik müsse der Schulträger viel Geld investieren. Dr. Herper fügte dazu, dass die Stadt bei einer Ausstattung von 120 Arbeitsplätzen in den drei Schulen mindestens einen Administrator einsetzen müsste, der die Technik pflegt.

„Wir brauchen klare Rahmenbedingungen“, machte Matthias Mann deutlich, dass die Politik gefragt ist, die nötigen Voraussetzungen zu schaffen. Diese müssten von Dauer sein. In Sachsen-Anhalt sei das in der Vergangenheit nicht der Fall gewesen. „Rein in die Kartoffeln und raus aus den Kartoffeln. Da wurden Millionen in den Sand gesetzt. Mit einer ordentlichen Struktur hätten wir viel Geld gespart“, erinnerte der Bürgermeister an die ständig wechselnden Strukturen in der Schullandschaft.

„Wir wissen, dass es mit Beständigkeit am besten geht“, reagierte CDU-Landtagsabgeordneter Uwe Harms. Der Klötzer hatte den Besuch der Kultusministerin vermittelt. Gerade aus dieser Erfahrung heraus sei es umso wichtiger, in Pilotprojekten zu sehen, wie es am besten gemacht werden kann. Aus deren Ergebnis könne der Gesetzgeber die Schlüsse ziehen. Einig war sich die Runde, dass es illusorisch sei, die Rahmenrichtlinien sofort zu ändern und das virtuelle Klassenzimmer an den Schulen einzuführen. Einig war sie sich auch, dass die weiterführenden Bildungseinrichtungen, wie Sekundarschule und Gymnasium, ebenfalls mit der modernen Technik ausgestattet werden müssten. Ansonsten würde der interaktive Unterricht in den Grundschulen nur wenig Sinn machen.

Ebenso wenig sinnvoll sei es, die Arbeit am Computer erst in der siebten Klasse einzuführen, betonte Dr. Herper. In diesem Alter hätten die Kinder bereits fünf bis sechs Jahre lang den Computer als Spielzeug kennen gelernt. Vielmehr sollten sie diesen so früh wie möglich als Arbeitsmittel betrachten. „In der siebten Klasse ist der Zug dafür abgefahren“, stellte er fest.

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