Große Interesse an Infoabend zur möglichen Erdgasförderung in der Region / Teilnehmer verabschieden Petition

„Eine Existenzfrage für die Altmark“

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Kusey. Mit Erstaunen, zum Teil auch mit Entsetzen haben die Gäste während einer Infoveranstaltung kürzlich im Kuseyer Landjugendzentrum zur Kenntnis genommen, dass in der Region Erdgas gefördert werden könnte.

Kusey. Mit Erstaunen, zum Teil auch mit Entsetzen haben die Gäste während einer Infoveranstaltung kürzlich im Kuseyer Landjugendzentrum zur Kenntnis genommen, dass in der Region Erdgas gefördert werden könnte. Das Landesamt für Geologie und Bergwesen (LAGB) soll schon im August 2013 der Gaz de France Suez E&P Deutschland GmbH die bergrechtliche Erdgas-Aufsuchungserlaubnis für ein Gebiet in der Größe von 328 Quadratkilometern erteilt haben. Diese erst vor kurzem bekannt gewordene Information ließ die Bürgerinitiative „Kein CO2-Endlager Altmark“ aufhorchen. Wie die BI am Mittwochabend erklärte, seien weder die Stadt Klötze noch der Altmarkkreis Salzwedel darüber informiert gewesen. Neben Interessierten aus der Region fanden sich zum Infoabend auch Kreistagsabgeordnete wie Horst Wienecke und Ute Feisel ein. Christfried Lenz von der BI leitete und moderierte den Abend.

Im ersten Teil informierten Rechtsanwalt Gero Landzettel und sein Sohn Gerd über die Auswirkungen der „normalen Erdgasförderung“. Beide sind Mitglied der BI „No Fracking“ in Völkersen im niedersächsischen Landkreis Verden. Dort werde viel Erdgas gefördert. Das dabei anfallende Lagerstättenwasser sei stark belastet, so Landzettel, zum Beispiel mit Quecksilber und Benzol. Da die zum Abtransport verwendeten Kunststoffrohre dafür nicht geeignet seien, konnten Gifte durch die Wand der Rohre in das Erdreich entweichen und dieses vergiften.

Ein weiteres Problem sehen die von der Erdgasförderung Betroffenen in dem Abfackeln von Rohgas. Im Gas enthaltene Giftstoffe könnten weiträumig verteilt werden. Zudem sieht die BI die Erdgasförderung verantwortlich für Erdbeben in der Region, bei denen viele Gebäude beschädigt wurden.

Aus Korbach in Nordhessen reiste Andy Gheorghiu an. Er berichtete, wie es erfolgreich möglich ist, Erdgasvorhaben zu verhindern. Der Nordhesse zeigte hauptsächlich rechtliche Wege auf. So gibt es ein Urteil des Bundesverwaltungsgerichts von 1998, das besagt, dass Kommunen bereits bei der Planung und vor der Erteilung der Aufsuchungserlaubnis beteiligt werden müssen.

Im Anschluss an die Ausführungen gab es reichlich Zeit für Diskussionen. Ein Befürworter der Erdgasförderung hielt das Ganze „für völligen Quatsch, die Erdgasförderung hierzulande ist sicher und nicht umweltschädlich“.

Wienhold Weber aus Salzwedel hat zu DDR-Zeiten in der Erdgasförderung in der Altmark gearbeitet. Er schilderte seine Erfahrungen und die damit verbundenen negativen Auswirkungen auf die Mitarbeiter und die Natur. Von seinen einstigen Kollegen seien schon etwa 130 gestorben. Seit vielen Jahren ist Wienhold Weber in der „Selbsthilfegruppe Metallvergiftung“ aktiv. Durch Quecksilber und andere Stoffe sei er hochgradig vergiftet worden.

Für Christfried Lenz ist das Thema Erdgasförderung eine grundsätzliche Existenzfrage für die Altmark. Derzeit seien Landwirtschaft und die Veredelung der erzeugten Produkte eine Zukunftsoption. Hinzu komme der sanfte Tourismus. Die Altmark ist zudem seit kurzem eine von der EU geförderte „Energetische Modellregion“. Kalbe will „Pionierregion“ für erneuerbare Energien werden und sich zu 100 Prozent aus erneuerbaren Energien versorgen. Hinzu komme, dass der Naturpark Drömling ebenfalls in das Gebiet der möglichen Erdgasförderung falle. Doch dieser genieße eigentlich einen weitreichenden Schutzstatus.

Die Organisatoren stellten die Frage in den Raum, ob eine teure, mit großen Risiken für Mensch und Umwelt behaftete Erdgasförderung in Anbetracht der von der Bundesregierung anvisierten Energiewende noch zeitgemäß sei. Viele der Anwesenden stimmten einer Petition zu, die an die zuständigen Behörden verschickt werden soll. Unklar sei bisher auch, ob und inwiefern die betroffenen Kommunen, Landkreise und Wasserverbände informiert werden und diese an den Entscheidungen mitwirken können.

Kontakt zur BI „Kein CO2-Endlager Altmark“: lenz@kein-co2-endlager-altmark.de.

Von Wolfram Weber

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