1. az-online.de
  2. Altmark
  3. Klötze

„Eine Anpassung an die Realität“

Erstellt:

Von: Monika Schmidt

Kommentare

Geschlossen am Mittwoch bedeutet beim Klötzer Rathaus auch tatsächlich, dass die Türen zu sind. Auch Brückentage führte Matthias Mann in seiner Amtszeit relativ schnell wieder ein. Foto: Schulz
Geschlossen am Mittwoch bedeutet beim Klötzer Rathaus auch tatsächlich, dass die Türen zu sind. Auch Brückentage führte Matthias Mann in seiner Amtszeit relativ schnell wieder ein. © Schulz

Klötze. Anders als in anderen Jahren sind die Verwaltungen in diesem Jahr zwischen dem Jahreswechsel geöffnet. Bei vier vollen Arbeitstagen gibt es keinen Brückentag.

Bei kürzeren Abschnitten zwischen Weihnachten und Neujahr, vor allem aber bei einzelnen Brückentagen, zum Beispiel zwischen dem Himmelfahrtstag und dem Wochenende bleibt das Rathaus in Klötze, so wie viele andere Behörden auch, geschlossen.

Dabei war Matthias Mann vor sieben Jahren als Bürgermeister der Einheitsgemeinde mit der Maxime angetreten, für mehr Bürgerfreundlichkeit zu sorgen. Das Rathaus wurde zum offenen Haus, in dem jeder seine Anliegen vortragen konnte. Die Sprechzeiten wurden erweitert, die Brückentage abgeschafft. Doch dieser Vorstoß war nur von kurzer Dauer. Inzwischen gibt es das alles wieder. Mittwochs ist die Verwaltung komplett geschlossen, damit in Ruhe gearbeitet werden kann. Die Türen sind zu, die Jalousien heruntergelassen. Nur wer einen Termin hat, wird überhaupt ins Gebäude hereingelassen. Und auch Brückentage werden in der Klötzer Verwaltung längst wieder genutzt. Ist Matthias Mann mit seinem Vorstoß vor sieben Jahren also gescheitert?

„Nein, das ist eine Anpassung an die Realität“, betont der Noch-Bürgermeister im AZ-Gespräch. „Ich habe mir Zahlen geben lassen, wie die Frequenz bei den erweiterten Öffnungszeiten und Sprechtagen ist. Es ist jedem zumutbar – und das Angebot stand ja auch – dass bei Sonderfällen, wenn jemand von weiter her kommt und nur an einem bestimmten Tag kann, dass man extra Vereinbarungen macht. Aber wir merken es selbst, dass der Publikumskontakt sehr zeitintensiv ist und so Zeit für andere Verwaltungsarbeiten dann nicht mehr da ist“, begründet er die Entscheidung, außerhalb der Sprechzeiten die Türen komplett zu verschließen. Ein weiteres Argument: „Vieles ist in den letzten Jahren sehr aggressiv von außen an die Verwaltung herangetragen worden. Der Ton insgesamt ist aggressiver, das Verständnis ist geringer geworden.“ Zudem habe die Wiedereinführung der Brückentage keine Konsequenzen gehabt. „Es ist nichts weggebrochen. Wer gelbe Säcke holen will, muss das nicht am Brückentag tun. Der Rentner muss nicht am Mittwoch kommen, der kann auch am Donnerstag kommen. Andere Verwaltungen haben das immer so gemacht“, erklärt Matthias Mann seine Entscheidung.

Im Gegensatz zu anderen Verwaltungen wird in Klötze in einer Zwei-Ämter-Struktur gearbeitet. Christian Hinze-Riechers leitet sowohl das Haupt- als auch das Kämmereiamt, Ulf Dittfach ist sowohl Bau- als auch Ordnungsamtsleiter. „Bei uns war es der glückliche Umstand, dass die beiden alten Amtsleiter, Dieter Neuschulz und Bärbel Mücke, in Ruhestand gegangen sind, sonst wäre es vielleicht auch anders gekommen. Die Frage war damals, entweder komplett von außen die Ämter neu zu besetzen oder eine Struktur innerhalb des Hauses zu finden, dass ein Sachgebietsleiter aus der zweiten Reihe aufsteigt und mehr Verantwortung bekommt“, beschreibt Matthias Mann seine Überlegungen. Von Anfang an habe er dabei mit dem Studieninstitut in Sachen Personalentwicklung gut zusammengearbeitet. Nicht nur wegen der geringeren Personalkosten, sondern auch wegen der Effektivität habe sich der Schritt zum Schluss als richtig erwiesen. „Wir liegen bei 2,4 Mitarbeitern pro 1000 Einwohner. Wenn man das mit Oebisfelde vergleicht, die sind bei über 4. Das wirkt sich auch auf die Personalkosten aus“, begründet der Noch-Bürgermeister. „Über zwei Jahre habe ich ja das Bauamt in Personalunion mitgemacht, um keine Überbelastung der Mitarbeiter zu haben. Das habe ich erst abgegeben, als Ulf Dittfach zu uns gekommen ist. Die Entscheidung bereue ich nicht, sie war vernünftig und hat sich auf die wirtschaftliche Situation von Klötze auch positiv ausgewirkt. Im Vergleich zu anderen haben wir ja trotz wenig Personal auch sehr viele Investitionen und Fördermittel umgesetzt. Das kann eine Kommune, die in Konsolidierung ist und sich nur aus Kassenkrediten finanziert, nicht. Wenn ich nicht baue, dann brauche ich im Bauamt auch keine Leute mehr, um es mal überspitzt zu sagen“, zieht Mann den Vergleich.

Von Monika Schmidt

Auch interessant

Kommentare