„Ein optimaler Bauplatz“

Stellten sich gestern beim Bürgermeister vor (v.l.) Die Ferkelerzeuger Horst Wieking, Johann und Holger Koelmann sowie Everhard Horstjann. Mit von der Partie war auch Tilmann Schwartzkopff (r.), der ein Großteil der Gülle abnehmen wird.

Kunrau - Von Matthias Mittank. Die Planungen zur Schweinemastanlage bei Kunrau werden immer konkreter. Die künftigen Betreiber, drei Ferkelerzeuger aus dem niedersächsischen Bad Bentheim, stellten sich und das Konzept gestern beim Klötzer Bürgermeister Matthias Mann vor. Die Landwirte wollen mit offenen Karten spielen und auch noch mit den Kunrauern selbst ins Gespräch kommen.

Im Dreieck zwischen Kunrau, Rappin und Neuferchau sollen einmal 8 500 Schweine gemästet werden. Derzeit läuft hierzu ein Genehmigungsverfahren nach dem Bundesimmissionsschutzgesetz. Zudem sind die Träger öffentlicher Belage dazu angehalten, Stellungnahmen zu der geplanten Anlage abzugeben. Klötzes Bürgermeister Matthias Mann hatte unlängst angekündigt, auf den von der früheren Gemeinde Kunrau angestrebten Klageweg zu verzichten, wenn die Anlage die gesetzlichen Voraussetzungen erfüllt (wir berichteten).

Dass dies der Fall ist, davon sind Johann und Holger Koelmann, die in Bad Bentheim einen gemeinsamen Ferkelerzeugerbetrieb führen, sowie ihre Berufskollegen Horst Wieking und Everhard Horstjann überzeugt. Die Landwirte bewirtschaften jeweils rund 50 Hektar Land und halten zusammen rund 1000 Zuchtsauen. Doch für eine Expansion in den Sektor der Schweinemast ist es in der von Viehhaltung geprägten Landwirtschaft rund um Bad Bentheim mittlerweile zu eng. „Es wird immer schwieriger, die Gülle zu verwerten, weshalb wir in eine Region gehen wollen, in der weniger Vieh gehalten wird“, erklärte Holger Koelmann. Über die Landgesellschaft Sachsen-Anhalt wurden sie schließlich auf einen „optimalen Bauplatz“ bei Kunrau aufmerksam.

Dass die geplante Schweinemastanlage künftig nach und nach ausgeweitet wird, wie es beispielsweise im Arendseer Ortsteil Binde der Fall ist, sei nicht zu befürchten, so Johann Koelmann. So handele es sich bei den drei Betrieben in Bad Bentheim um gewachsene, kleinstrukturierte Unternehmen, die ihre Kapazitäten auch aufgrund der räumlichen Lage vor Ort nicht einfach erweitern könnten. „Wir wollen nur Tiere aufziehen, die wir selbst erzeugt haben“, stellte auch Horst Wieking klar. Allein schon aus Sicht der Tiergesundheit soll kein vierter oder fünfter Partner mit ins Boot geholt werden.

Auch der Kunrauer Landwirt Tilmann Schwartzkopff ist davon überzeugt, dass es sich um ein gut durchdachtes Vorhaben und nicht um einen Schnellschuss handelt. „Das Projekt ist langfristig und nachhaltig ausgerichtet“, so Tilmann Schwartzkopff, der einer von drei Landwirten aus der Region ist, die mit den künftigen Betreibern Gülleabnahmeverträge abgeschlossen haben. Die Fäkalien sollen nicht nur rund um Kunrau, sondern auch in anderen Gemarkungen ausgefahren werden. Dass es dabei zu einer übermäßigen Geruchsbelästigung kommt, wie von vielen Kunrauern befürchtet, glaubt der Landwirt nicht. Über so genannte Schleppschläuche könne die Gülle bodennah ausgebracht werden, sodass sich der Geruch nur wenig mit der Luft vermengt. Bei bestimmten Kulturen könne die Gülle zudem über Scharen sofort in den Boden eingearbeitet werden. Außerdem werde auch nicht das gesamte Jahr über Gülle ausgefahren, wie Holger Koelmann erklärte. „Es wird zwei Stoßzeiten im Jahr geben, die sich auf wenige Tage beschränken. An 360 Tagen wird es keine Beeinträchtigungen geben“, blickte der Bad Bentheimer Landwirt voraus. Die Transporte zu der Schweinemastanlage werden sich zudem auf zwei Lkw pro Werktag beschränken.

Mit der Anlage verbunden seien zwei Festangestellte und einige Teilzeitkräfte, die vor allem zu Stoßzeiten aushelfen sollen. „Es wäre wünschenswert, wenn wir vor Ort qualifizierte Arbeitskräfte finden würden“, erklärte Johann

Koelmann, der zudem ankündigte, dass die Gewerbesteuern in Klötze bleiben.

Das Thema Schweinemastanlage wird auch beim heutigen Hauptausschuss des Klötzer Stadtrates und während der Ortschaftsratssitzung in Kunrau morgen Abend eine Rolle spielen.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare