Dornröschen-Objekte wachküssen

René Schernikau stellt Initiative „Luxus der Leere“ im Klötzer Stadtrat vor

René Schernikau zu Gast im Klötzer Stadtrat .
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René Schernikau warb im Klötzer Stadtrat für die Initiative Luxus der Leere.
  • Monika Schmidt
    VonMonika Schmidt
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Klötze / Neuferchau – „Ich habe um den Vortrag hier im Stadtrat gebeten“, begann René Schernikau, Verbandsgemeindebürgermeister von Arneburg-Goldbeck, seine Ausführungen im Neuferchauer Saal. Er stellte die Initiative Luxus der Leere vor. Damit wollen bislang sieben Kommunen aus der Altmark leer stehende Immobilien vermarkten und an neue Besitzer vermitteln.

Interessenten würden meist nur in den großen Städten suchen, „wir kleineren gehen unter und werden nicht gesehen“, erklärte René Schernikau. Dabei gebe es auch im ländlichen Raum der Altmark viele Häuser und Grundstücke, die für künftige Eigenheimbesitzer aus Hamburg, Berlin oder Wolfsburg in Betracht kommen. „Wir haben viele Dornröschen-Objekte zum Wachküssen. Und über unseren Zusammenschluss finden wir dafür auch einen „Verrückten“, der es haben möchte“, berichtete Schernikau.

Das Projekt soll altmarkweit laufen, deswegen wirbt er nun in Gardelegen, Klötze und Salzwedel für die Mitwirkung. Die Stadt Kalbe ist bereits Mitglied des Zusammenschlusses. Zwei Schwerpunkte hat die Initiative: Es gibt ein Brachflächenkataster mit einem Brachflächenmanagement und die Erfassung leer stehender Gebäude, die vermarktet werden sollen. Die Kommunen können entscheiden, ob sie das komplette Angebot nutzen wollen oder nur Teile davon. So können unter anderem Bebauungspläne digital eingestellt werden.

In der Stendaler Region wurde 2015/16 begonnen, Brachflächen und leer stehende Gebäude zu erfassen. Dabei ist es egal, ob die Gebäude der Kommune gehören oder im privaten Besitz sind. Wie der Gast weiter berichtete, habe zum Beispiel die Stadt Havelberg erst durch die Erfassung bemerkt, dass ein großer Leerstand in der Innenstadt droht. „Luxus der Leere“ ist ein eingetragenes Markenzeichen und es gibt ein gleichnamiges Online-Portal, auf dem die Grundstücke beworben werden. Online ließen sich besser Interessenten von außerhalb finden. Auch Objekte, die schon seit 30 Jahren oder länger leer stehen, hätten so schon neue Besitzer gefunden, berichtete René Schernikau.

Eine Erfolgsquote zur Vermittlung hatte er den Klötzer Stadträten aber nicht mitgebracht, denn sie würde nur in die Irre führen, erklärte er. Denn häufig entwickeln sich aus einem ersten Kontakt auch Anfragen und Vermittlungen von Gebäuden, die gar nicht auf der Liste aufgeführt sind.

Wenn sich die Kommune zum Mitmachen entschließt, können auch private Eigentümer, die in der Kommune wohnen, ihre Objekte kostenlos auf der Homepage einstellen. Derzeit sei die Initiative in Gespräche mit Maklern, wie diese ihre Objekte einstellen können. Wie René Schernikau informierte, würden inzwischen auch vermehrt Gewerbeflächen in das Portal eingestellt, die bislang leer stehen. Die Kosten für die Teilnahme liegen bei „knapp unter 5000 Euro im Jahr“, so René Schernikau weiter. Je mehr Kommunen mitmachen, desto günstiger wird es. Die Kosten seien damit für die Kommune überschaubar. „Vielleicht ist Ihnen ein schwer zu vermittelndes Objekt das wert“, hoffte er auf eine positive Entscheidung des Klötzer Stadtrates.

Wo bereits saniert wird, so berichtete er aus Erfahrung, würden sich auch schnell Nachahmer finden. „Das ist für die Entwicklung der Städte wichtig“, fasste er zusammen. „Wir kommen in der Attraktivität gegen die größeren Städte nicht an“, das ist dem Verbandsgemeindebürgermeister von Arneburg-Goldbeck bewusst. Aber wichtig sei es, dass die Interessenten die kleinen Orte in der Altmark erst einmal sehen und auf sie aufmerksam werden. Gelungen sei bereits, dass die Region nun auch in Magdeburg stärker wahrgenommen werden, verwies Schernikau auf einen weiteren Erfolg des Zusammenschlusses. „Jetzt haben wir in Magdeburg Gehör und werden von den Ministerien gefragt“, ist ihm aufgefallen.

Derzeit geht es auf dem Portal vor allem um den Verkauf, Mietobjekte sind dort nicht vorgesehen. „Unser Kernziel ist es, Immobilien an neue Eigentümer zu überführen“, erklärte René Schernikau.

Klötzes Stadtratsvorsitzender Klaus Ewertowski bat die Fraktionen, sich mit dem Thema zu beschäftigen. Auch die Verwaltung soll einbezogen und dann eine Entscheidung des Stadtrates zur Mitgliedschaft getroffen werden.

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