Diskussionsrunde zum Thema klimagerechter ÖPNV in Kusey

„Die Zukunft wird spannend“

Am Donnerstagabend kamen einige Bürger in das Kuseyer Ortschaftsbüro, um sich an der Diskussionsrunde „Weiter fahr´n mit Bus und Bahn - Klimagerechter ÖPNV im Altmarkkreis Salzwedel“ zu beteiligen. 		Fotos (4): Wüstenberg
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Am Donnerstagabend kamen einige Bürger in das Kuseyer Ortschaftsbüro, um sich an der Diskussionsrunde „Weiter fahr´n mit Bus und Bahn - Klimagerechter ÖPNV im Altmarkkreis Salzwedel“ zu beteiligen.
  • VonLina Wüstenberg
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Am Donnerstagabend fand im Kusey Ortschaftsbüro die Diskussionsrunde „Weiter fahr´n mit Bus und Bahn - Klimagerechter ÖPNV im Altmarkkreis Salzwedel“ statt. Dazu kamen einige Bürger aus der Einheitsgemeinde.

Kusey – „Es ist schön, dass Sie so zahlreich zu unserer Diskussionsrunde ‘Weiter fahr´n mit Bus und Bahn - Klimagerechter ÖPNV im Altmarkkreis Salzwedel´ erschienen sind“, begrüßte Nadja Lüttich von den Linken die 15 Teilnehmer am Donnerstag im Ortschaftsbüro von Kusey. Für den notwendigen Input sorgten Steffen Kühne von der BAG Klimagerechtigkeit, Ronald Lehnecke, Geschäftsführer der kreiseigenen Personenverkehrsgesellschaft Altmarkkreis Salzwedel (PVGS), und Thorsten Hensel Vorstandsmitglied des Fahrgast-Rates Wendland im Deutschen Bahnkundenverband.

„Für mich ist es ein Ausgangspunkt, wir haben nur sehr wenige Jahre Zeit, um als Menschheit bestimmte Fragen zu klären. Außerdem haben wir einen Wohlstand erreicht, der uns zu einer bestimmten Verantwortung zwingt. Aber wir finde auch, dass die Bundesrepublik längst nicht das, was passieren müsste, macht“, begann Steffen Kühne. Er merkte weiterhin an, dass es in Deutschland einen fünffachen Verbrauch an Ressourcen gibt, als Deutschland eigentlich haben dürfte. „Deswegen muss sich viel ändern. Deutschland diskutiert auch schon sehr lange darum. Es könnte aber mehr sein“, sagte er.

ÖPNV als Alternative

Als Alternative für die individuelle Automobilität nannte Steffen Kühne den ÖPNV. „Die Herausforderung wird sein, was wir im ländlichen Raum machen und wie wir für Menschen, die abseits von Metropolen leben, Mobilität ermöglichen, ohne dass ein eigenes Auto nötig ist. Ich halte es vor alternativlos, weg von einem individuellen Nahverkehr, hinzu einem öffentlichen Nahverkehr zu kommen.“

Krankheitsbedingt konnte Ortschaftsratsmitglied Wolfgang Mosel nicht an der Diskussionsrunde teilnehmen, deswegen las Nadja Lüttich sein Statement vor: „Im Altmarkkreis Salzwedel und der Region Klötze haben wir mit der Einführung der Plusbus-Linie 300 ein sehr gutes Angebot. Niemand möchte mehr darauf verzichten. Dazu kommt noch die neue Plusbuslinie 100 die, seit 1. Mai 2020 in Klötze beginnt. Seit dem 27. August 2020 ist Klötze das Drehkreuz des ÖPNV des Altmarkkreises.“

Ronald Lehnecke merkte an, dass der ÖPNV für Landkreise eine große Herausforderung ist. So wurde der ÖPNV im Altmarkkreis seit 2008 komplett umgestellt: „Heute bedienen wir alle 329 Orte im Altmarkkreis Salzwedel im Zwei-Stunden-Takt. So ist der ÖPNV auf drei Säulen aufgebaut: Hauptlinien im festen Takt, der Schülerverkehr und ergänzend der Rufbusverkehr „Für eine ländliche Region ist es ein sehr guter ÖPNV. Unser Hauptaugenmerk ist der Schülerverkehr“, erklärte Ronald Lehnecke

Reaktivierung der Bahnstrecken

Etwas anders sieht bei der Bahn aus. Thorsten Hensel ist der Meinung, dass es nur über Angebote und nicht über Verbote gehen kann. „Das Busangebot ist hier sehr beispielhaft. Aber dennoch ist der ÖPNV einer der Hauptverlierer der Pandemie, da Fahrgastzahlen deutlich zurückgegangen sind“, erzählte er.

So gibt es in der Altmark einige Bahnstrecken, die nicht mehr befahren werden. „Sowohl die Bahn, als auch das Land haben in Vergangenheit zu wenig Mittel investiert, um die Strecken zu erhalten“, so Thorsten Hensel. Er sieht einen großen Bedarf für die Reaktivierung der Bahnstrecken, weil sie durch das zentrale Gebiet führen. Außerdem steigen die Fahrgastzahlen, wenn von Bus auf Bahn umgestellt wird. Auch fahren die Züge andere Strecken als der Bus.

„Es gibt ein gutes Busangebot. Und am Ende ist es nicht Bus gegen Bahn, sondern eine Verknüpfung der beiden Verkehrssysteme. Sowohl der Bus als auch die Bahn können nicht überall halten“, sagte Thorsten Hensel und ergänzte: „Für mich ist es eine Herzensangelegenheit, dass wir gemeinsam für einen ÖPNV in der Kombination Bus und Bahn kämpfen.“

Von Nadja Lüttich wurde dann die Frage gestellt, ob es dann ausreicht, was gemacht wird? Für Steffen Kühne ist es das nicht: „Man muss als Gesellschaft umsteuern. Wir rasen in einem krassen Tempo auf Bedingungen zu, in den niemand leben will“, erklärte er.

Wir sind gut aufgestellt

Von Ronald Lehnecke wurde angemerkt, dass der ÖPNV im Jahr 15 Millionen Tonnen Kohlenstoffdioxid spart. „Wir haben auch eins geschafft, wir haben die Schulanfangszeiten mit den Bildungseinrichtungen abgestimmt. Mit einem Bus bedienen wir mehrere Schulen. Wir sind auf unserem Fleckchen Erde gut aufgestellt“, erzählte der Geschäftsführer der PVGS.

Aber auch die anwesenden Bürger konnten sich zu Wort melden. Einer davon war Klaus Peter Schuckies: „Ich persönlich habe die Verbesserung schon am eigenen Leibe gespürt – in positiver Hinsicht. Mehrfach habe ich die Buslinie 300 genutzt, um in die weite Welt zu reisen. Ich kann von morgens um 5 Uhr bis abends um 23 Uhr die Buslinien benutzen und es mit der Bahn verbinden. Und gerade im ländlichen Bereich zu sagen, wie die Grünen es gemacht haben, dass die Spritpreise erhöht werden müssen, damit verärgert man die Leute nur noch mehr.“

Auf etwas anderes wies Detlef Raasch hin: „Wir sprechen die ganze Zeit vom Individualverkehr, wenn die Leute zur Arbeit fahren. Oder sie nutzen den ÖPVN, der wirklich gut funktioniert. Der Individualverkehr ist durch den Wegfall der Geschäfte nicht mehr wegzudenken.“

Thorsten Hensel stellte dabei noch einmal klar, dass es eine Bewusstseinsänderung bei den Menschen geben muss. „Hier ist man gewöhnt, immer mit dem Auto zu fahren. Auch wenn es ein gutes Angebot gibt“, verdeutlichte er.


Zum Abschluss wurde von Nadja Lüttich die Frage „Wie soll der ÖPNV zukünftig aussehen?“, in die Runde geworfen.

„Das Angebote sollte so sein, dass die Menschen von sich aus auf das Auto verzichten. Über die Regelmäßigkeit und die Zuverlässigkeit könnte der ÖPNV punkten, und die Leute würden immer weniger das Auto nutzen“, sagte Klaus Peter Schuckies.

Auch Thorsten Hensel äußerte seine Zukunftsvision, dass die Autos von mehreren Leuten geteilt werden und das Auto nur dann genutzt wird, wenn es dem ÖPNV gar nicht geht. „Wir sollten auch mehr regional vor Ort einkaufen und unsere Standards ein bisschen runterschrauben. Wir sollten mit weniger zufrieden sein“, äußerte sich Silke Wolf.

Das letzte Wort hatte dann noch einmal Steffen Kühne: „Was die Leute wollen, ist Mobilität. Sie wollen alles erreiche. Gesellschaftliche Teilhabe muss über Mobilität gewährleistet werden. Es gibt viele Leute mit vielen Ideen. Deswegen wird Zukunft spannend.“

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