Naturpark-Mitarbeiter Joachim Weber klärt Drömlingsbesucher auf

„Der Wolf ist keine Bestie“

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Rund um den Klötzer Forst haben sich zweifelsohne Wölfe angesiedelt – das belegen unter anderem Fotofallenbilder vom 17. Mai. Die vermuteten Welpen konnten dagegen noch nicht abgelichtet werden.

Buchhorst. Über eine Tierart, „die derzeit wie keine andere polarisiert und Ängste weckt“, informierte Naturpark-Mitarbeiter Joachim Weber während eines Abstechers des Fremdenverkehrsvereins Jeetze-Ohre-Drömling zur Informationsstelle am Schöpfwerk in Buchhorst (AZ berichtete).

Der Ranger nutzte die Gelegenheit, um „mit der Mär vom bösen Wolf aufzuräumen“, an der mehr oder weniger die Gebrüder Grimm Schuld hätten. Aber auch kriegerische Auseinandersetzungen im Mittelalter.

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„In dieser Zeit gab es viele Todesopfer, die in der Regel nicht vergraben und schließlich von den Wölfen gefressen wurden. Da der Wolf ein Opportunist ist, also die Beute bevorzugt, die am leichtesten zu erreichen ist, folgte er den kämpfenden Truppen“, erläuterte Weber wie der Ruf von der „menschenfressenden Bestie“ entstanden sei. Tatsächlich sei in den 15 Jahren, in denen es mittlerweile wieder Wölfe in Deutschland gibt, kein Fall bekannt, in dem Menschen zu Schaden kamen.

35 Rudel und Paare sowie weitere Einzeltiere – zusammen etwa 300 Stück – soll es aktuell bundesweit geben, acht Rudel sind es derzeit in Sachsen-Anhalt (siehe Artikel unten). Doch auch über die Größe eines solchen Rudels gebe es nicht selten völlig falsche Vorstellungen, so der Naturpark-Mitarbeiter. „Das sind nicht wie bei Jack London 30 Wölfe auf einmal, sondern ein Paar sowie die Jungtiere aus diesem Jahr und dem Vorjahr“, erklärte Weber. Im Laufe des zweiten Lebensjahres werden die Jungen schließlich „weggebissen“. Sie suchen sich neue Territorien.

Dass sie dabei hungern müssen, sei nicht zu befürchten. „Es gibt so viel Wild wie noch nie in Deutschland“, so der Ranger. Das Rehwild stelle dabei zweifelsohne die Hauptbeute dar. Aber auch sogenannte Neozoen, also gebietsfremde Arten wie Marderhund, Waschbär und Mink, greife sich der Wolf, der zudem die Fuchspopulation in Grenzen halten könne. „Der Wolf ist auch ein Gesundheitspolizist. Mit ihm wäre die Europäische Schweinepest nie zu einem Problem geworden“, ist Weber überzeugt.

Angst vor einer Begegnung mit dem Wolf müsse man keine haben. „Er würde sich in aller Regel aus dem Staub machen. Wenn nicht, sollte man sich durch Mimik und Gestik bemerkbar machen“, empfahl der Ranger, der darauf hinwies, dass der „Mensch nicht zum Beutespektrum“ gehöre. Gefahr könne dagegen für freilaufende Hunde bestehen, warnte Weber. Auch durch das Anfüttern von Wölfen, so geschehen auf der Baustelle der Bundeswehr-Übungsstadt „Schnöggersburg“, könne es zu Problemen kommen.

Auf die Nachfrage, ob Wölfe irgendwann in Deutschland geschossen werden dürfen, wollte der Naturpark-Mitarbeiter keine eindeutige Antwort geben. Das hänge auch davon ab, wie sich die Population entwickelt – „und das kann niemand einschätzen“.

Dass bei der weiteren Ausbreitung des Wolfes auch der Drömling besiedelt wird, glaubt Weber indes nicht. „Jungwölfe siedeln sich in ähnlichen Gebieten an, in denen sie aufgewachsen sind, und das sind Wald- und Heideflächen“, so der Ranger.

„Kann ich also gefahrlos Pilze sammeln gehen?“, wollte eine Frau zum Ende des Vortrages wissen. „Ja natürlich – setzen Sie dabei aber kein rotes Käppchen auf“, antwortete Joachim Weber mit einem Augenzwinkern.

Von Matthias Mittank

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