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Cool: Lesenacht für Erwachsene

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Geschlafen wurde im hinteren Raum der Kinderbibliothek. Dort hatten die Frauen ihre Isomatten ausgerollt und Liegen aufgestellt. Fotos (3): Heinze
Geschlafen wurde im hinteren Raum der Kinderbibliothek. Dort hatten die Frauen ihre Isomatten ausgerollt und Liegen aufgestellt. © Heinze

Oebisfelde. Was für Kinder bekanntlich gut ist, kann ja dann wohl für Erwachsene nicht schlecht sein. Das sagte sich Anne Schumann, Leiterin der Oebisfelder Bibliothek, und veranstaltete eine erste Lesenacht für Frauen.

Dass Schüler gemeinsam mit ihren Lehrern in der Oebisfelder Burg eine Lesenacht verbringen, das passiert im Schuljahr mindestens einmal. Dass aber junge Mädchen und junggebliebene Frauen in Schlafsäcken, auf Isomatten oder Liegen inmitten von Regalen voller Bücher schlafen – so etwas haben die Burggeister bisher noch nicht gesehen. Somit erlebte die altehrwürdige Bibliothek eine Premiere.

Anne Schumann las aus dem Buch „Wer Wind sät“ von Nele Neuhaus vor. Unterstützt wurde sei dabei von drei weiteren Frauen.
Anne Schumann las aus dem Buch „Wer Wind sät“ von Nele Neuhaus vor. Unterstützt wurde sei dabei von drei weiteren Frauen. © Heinze

Bibliothekarin Anne Schumann betritt mit dieser Veranstaltung kulturell-literarisches Neuland: „Ich wollte mal etwas Neues ausprobieren. In der Vergangenheit konnte ich immer wieder beobachten, wie viel Spaß die Kinder an der Lesenacht hatten. Warum sollte so eine Veranstaltung nicht auch mit Erwachsenen klappen?“ Gesagt, getan. Anne Schumann erzählt in ihrem Bekanntenkreis von der Idee und findet zehn gleichgesinnte Frauen, die sich auf das Experiment Lesenacht einlassen wollen. Als Lektüre hat sich Schumann den Krimi „Wer Wind sät“ von Nele Neuhaus ausgesucht.

Um 18 Uhr heißt es: Betten bauen. Es wird erzählt, gelacht und geneckt. Eines ist zu diesem Zeitpunkt schon klar: Das wird ein sehr lustiger, unterhaltsamer und spannender Abend.

Doch bevor es sich die Frauen mit Kissen und Decken auf dem Boden der Bibliothek gemütlich machen, lassen sie sich erst einmal die bestellten Leckereien vom Pizzaboten schmecken.

Dann wird es ernst. Ein Nachtwächter stürzt zu Tode. Ein Grundstück im Taunus, das plötzlich zwei Millionen Euro wert ist, kostet einen alten Mann das Leben. Zwei Kommissare ermitteln im Kreise von verdächtigen Personen, die alle vorgeben, sich für eine gute Sache einzusetzen. Doch jeder von ihnen hat ein eigenes Motiv. Nichts ist, wie es scheint. Bis das Lügengebäude einstürzt, Rachsucht und Gier sich offenbaren, Liebe in Hass umschlägt und Menschen büßen müssen. Anne und Laura Schumann, sowie Marie und Petra Petzold wechseln sich beim Vorlesen ab.

Bevor es sich die Frauen mit Kissen und Decken auf dem Boden gemütlich machte, stärkten sie sich mit Leckereien vom Pizzaboten.
Bevor es sich die Frauen mit Kissen und Decken auf dem Boden gemütlich machte, stärkten sie sich mit Leckereien vom Pizzaboten. © Heinze

Geschafft wird das Buch mit seinen 480 Seiten an diesem Abend aber nicht ganz. Denn, wie das bei Frauen nun mal so ist, wird auch über Gott und die Welt geredet. Bei einem oder auch zwei Gläschen Wein natürlich. Gegen 1 Uhr beginnen dann die Ersten, in ihre Schlafsäcke zu krabbeln. Als Gute-Nacht-Geschichte wird eine Hörgeschichte angestellt. Nicht alle erleben das Ende. „Ich bin bald eingeschlafen, einige wenige haben länger durchgehalten. Die Fenster haben wir aus Angst vor den Burggeistern geschlossen gehalten“, berichtet Sabine Wieter schmunzelnd. Dementsprechend dünn war dann am anderen Morgen in dem kleinen Raum auch die Luft. „Geschlafen haben wir alle aber trotzdem erstaunlich gut. Eine gründliche Morgenwäsche fiel bis auf das Zähneputzen aus“, so Wieter.

Nachdem die Wäscheberge sortiert und verstaut sind und die Bibliothek wieder in einen ordnungsgemäßen Zustand gebracht ist, findet die erste Lesenacht mit einem gemeinsamen Frühstück im Burgcafé ihren Abschluss.

„Ich fand die Lesenacht toll. Zuerst war ich ja ein wenig überrascht von dem Vorschlag, aber dann wollte ich es doch mal ausprobieren. Eine gute Idee. Da konnte man mal so richtig abschalten“, sagt Yvonne Leiding. „In der Bibliothek übernachten und vorher einen Krimi vorgelesen zu bekommen, das hat was. Außerdem wird es mit unseren Muttis nie langweilig“, erzählt Marie Petzold (21). Ihre Freundin Laura (23) nimmt zwar auch mal ein Buch zur Hand, ist aber mehr für Hörbücher: „Wir waren eine lustige Runde. Es hat viel Spaß gemacht. Mal was anderes.“

Am Ende sind sich alle einig: Es war eine gelungene Premiere, eine Veranstaltung mit Wiederholungscharakter.

Von Renate Heinze

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