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„40 Cent wären angemessen“

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1200 Milchkühe stehen in den Ställen und auf den Weiden der von Raimund Punke geführten Milcherzeugergenossenschaft Klötze. Durchschnittlich 9 300 Liter Milch gibt jede Kuh im Jahr. Um auf die Leistung zu kommen, muss Kraftfutter hinzugekauft werden. Doch dieses wird immer teurer – während der Milchpreis sinkt. Fotos (2): Mittank

Klötze. „Mehr als unbefriedigend. “ So schätzt der Klötzer Landwirt Raimund Punke die „angespannte Situation“ am Milchmarkt ein.

Während der Verkauf und der Export von Milch und Milchprodukten in Deutschland weiterhin gut laufe, komme von den Erlösen bei den landwirtschaftlichen Betrieben immer weniger an.

Aus seinen Unterlagen kann der Geschäftsführer der Milcherzeugergenossenschaft Klötze den Verfall der Milchpreise genau nachvollziehen. „Von Januar bis April haben wir für einen Liter Milch 31 bis 32 Cent bekommen, im Mai waren es 30, im Juni nur noch 29 Cent“, zählt Raimund Punke auf. Die Abrechnung für den Monat Juli, die dem Landwirt gerade ins Haus geflattert ist, weist einen neuen Jahrestiefststand auf: 28 Cent. Ganze sechs Cent mehr je Liter hatte es noch vor einem Jahr gegeben. Damals hatten die Auszahlungspreise im ersten Halbjahr noch zwischen 32 und 34 Cent geschwankt.

Für Raimund Punke ist damit die Schmerzgrenze überschritten. Auch wenn die aktuell 28 Cent je Liter Milch noch ein ganzes Ende vom Krisenjahr 2008 – damals hatte es durchschnittlich nur 22 Cent je Liter gegeben – entfernt sind.

„Das Problem liegt in den deutlich gestiegenen Kosten für Energie und Futtermittel“, erläutert der Milchbauer. Ob beim Füttern, beim Melken oder einfach nur für das Licht im Stall – überall werde Strom benötigt, für den der Betrieb immer mehr hinblättern muss. Das Gleiche gilt für Diesel-Kraftstoff, der sich in den vergangenen zwei Jahren extrem verteuert habe. Hinzu kommt, dass sich die Preise für das für Hochleistungsrinder so wichtige Kraftfutter ebenfalls auf Rekordniveau befinden. So hat sich durch die extreme Dürre in den USA der Preis für Soja um 50 Prozent auf aktuell etwa 500 Euro je Tonne erhöht. Beim ebenfalls knapper werdenden Rapsschrot, auf das auch die Klötzer Milcherzeugergenossenschaft setzt, sind es etwa 330 Euro je Tonne. Vor einem Jahr seien es noch 180 Euro gewesen.

„Um rentabel produzieren zu können, wären derzeit 40 Cent je Liter Milch angemessen“, rechnet der Klötzer vor. Bleibt es dagegen bei der Talfahrt des Milchpreises und den hohen Energie- und Futterkosten, dann werden sich weitere Bauern von der Milchproduktion verabschieden – da ist sich Raimund Punke sicher.

Auch für die Milcherzeugergenossenschaft Klötze hieße es, den Gürtel noch enger zu schnallen. An Investitionen, wie die derzeitige Installation zweier neuer Milchtanks für 150 000 Euro, wäre nicht mehr zu denken. „Hätte ich vorher gewusst, dass sich die Milchpreise so entwickeln, hätte ich diese Ausgabe verschoben“, erklärt der Landwirt. Die Technik sei die eine Seite, die Entlohnung der 40 Mitarbeiter die andere. „Ich wäre froh, wenn wir unseren Leuten etwas mehr auszahlen könnten“, so der Landwirt.

Auch für Annegret Jacobs, Geschäftsführerin des Bauernverbandes Altmarkkreis Salzwedel, ist die Schieflage am Milchmarkt nicht nachvollziehbar. „Der Absatz von Milch und Butter läuft gut, Käse wird im Angebot sogar knapp und der Export entwickelt sich positiv – die Marktprognosen zeigen nach oben, die Milchpreise allerdings nach unten“, erklärt die Geschäftsführerin.

Die Hoffnungen der altmärkischen Milchbauern ruhen nun auf den Herbst-Verhandlungen zwischen den Molkereien mit den großen Einzelhandelsketten.

Von Matthias Mittank

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