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Bürger sollen von Anlage profitieren

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Von: Monika Schmidt

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Menschen sitzen an einem Tisch, einer steht
Jörg Dahlke stellte in Trippigleben das Modell der Bürgerenergiegenossenschaft vor. © Monika Schmidt

Als Bürgerenergiegenossenschaft könnte in Trippigleben eine Freiflächen-PV-Anlage errichtet werden. Welche Vorteile das Modell hat, ließ sich der Ortschaftsrat erklären.

Trippigleben – Sehr lang waren die Ausführungen im Trippiglebener Ortschaftsrat zur Möglichkeit, als Bürgerenergiegenossenschaft Photovoltaikanlagen zu betreiben. Dazu war Jörg Dahlke, Vorstand der Helionat Bürgerenergiegenossenschaft aus Magdeburg, zur Sitzung gekommen. Ausführlich erklärte er den Ortschaftsräten und Einwohnern, dass im Genossenschaftsmodell die Bürger vor Ort einen finanziellen Nutzen von den Anlagen haben können. Eher kurz fiel dagegen die Vorstellung des konkreten Vorhabens, das in Trippigleben geplant ist, aus. Vor einem Dreivierteljahr etwa, so berichtete Dahlke, sei der Antrag für Trippigleben an die Stadt Klötze gestellt worden. Inzwischen ist der Leitfaden beschlossen und von der Stadt gibt es grünes Licht, in die Bauleitplanung einzusteigen, informierte er. Das Problem: „Es ist gar nicht so einfach, eine geeignete Fläche zu finden“, erläuterte Jörg Dahlke. Denn die Stadt hat strenge Vorgaben gemacht. So dürfen nicht mehr als fünf Prozent der Gemarkung mit PV-Anlagen bebaut werden, der Abstand zum Dorf muss mehr als 200 Meter sein und die Bodenpunkte müssen unter 30 liegen. Beantragt wurde die Freiflächen-PV-Anlage für eine Fläche von 13,52 Hektar nordwestlich von Trippigleben in Richtung Wenze. Einen Pluspunkt konnte Jörg Dahlke den Einwohnern schon nennen: Vom Biosphärenreservat gebe es eine positive Einstellung zu dem Vorhaben, es befürworte vor allem die Idee der Bürgergenossenschaft. Eventuell soll die Fläche noch in Richtung Quarnebecker Straße erweitert werden, dazu müssten aber noch Gespräche mit den Landeigentümern geführt werden. „Wir würden eine Extra-Genossenschaft gründen“, kündigte Martina Herzog-Witten vom örtlichen Biobetrieb den Einwohnern an. Die Anlage soll auf Flächen, die der Hof bewirtschaftet, errichtet werden. Im ersten Abschnitt soll es eine Beweidung mit Schafen geben. Auf dem hinteren Abschnitt, mit besseren Bodenpunkten und drömlingstypischen Gräben, kann sich Martina Herzog-Witten auch eine höherständige PV-Anlage vorstellen, unter der dann Beeren zum Selbstpflücken wachsen. „Die Doppelnutzung der Fläche für Energie und Lebensmittelproduktion sorgt für wirtschaftliche Sicherheit“, begründete sie das Vorhaben. So wisse der Betrieb: „Es kommt auch etwas rein, wenn es mal nicht regnet.“ Mit vielen weiteren Ideen ist das Bürgerenergieprojekt in Trippigleben verbunden: Denkbar wäre zum Beispiel die Schaffung einer E-Ladestation oder auch die Nutzung eines Fahrzeugs zum Ausleihen. Zwei Probleme gibt es dennoch: Die Bodenpunkte liegen auf der Fläche teilweise deutlich höher als 30. Deshalb wäre die Erweiterung Richtung Osten, wo die Flächen schlechtere Bodenpunkte haben, wichtig. Und zum anderen wird der geforderte Mindestabstand zur Bebauung von 200 Metern nicht ganz eingehalten. Das letzte Wohnhaus des Ortes liegt näher dran. Es habe aber schon Gespräche mit dem Eigentümer gegeben, der grundsätzlich nichts gegen die PV-Anlage einzuwenden hatte. Betroffen wäre eine Fläche von 1,32 Hektar. Genaueres müsse ein Gutachten im Rahmen der Bauleitplanung klären. Ebenso wie die Frage, ob von der Anlage eine Blendwirkung für die Grundstücke ausgeht, die südlich der Landesstraße stehen. Diskutiert wurde im Ortschaftsrat nach der Vorstellung nicht. Das behalten sich die Ortschaftsräte für die Beteiligung im Rahmen des Bauleitverfahrens vor. Auch zu potenziellen Bürgerbeteiligung an der Anlage gab es keine Fragen.

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