Kleine Stolperfallen können für Behinderte unüberwindbar sein

Bündnis überprüft Barrierefreiheit in Klötze

Arvid Schwerin hat sich für den Test in einen mitgebrachten Rollstuhl gesetzt und erlebt den Besuch im Autohaus wie es auch behinderte Menschen tun.
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Arvid Schwerin hat sich für den Test in einen mitgebrachten Rollstuhl gesetzt und erlebt den Besuch im Autohaus wie es auch behinderte Menschen tun.

Klötze – Wie behindertengerecht ist die Altmark? Dieser Frage ging die Aktion Altmark Inklusiv nach und besuchte in den vergangenen Tagen unter anderem auch in Klötze verschiedene Geschäfte, um im Selbstversuch zu erleben, ob und wie gut Behinderte ein selbstbestimmtes Leben meistern können.

Altmark Inklusiv ist ein Bündnis von der Deutschen Multiple Sklerose Gesellschaft (DMSG), dem Kreisbehindertenbeauftragten Norbert Block, der SPD-Arbeitsgruppe Selbstaktiv und den Jusos.

Ziel des Bündnisses ist es, Unternehmen auszuzeichnen, die Barrierefreiheit in ihren Geschäften vorbildlich umsetzen. Auf den Prüfstand kamen in Klötze das Renault Autohaus, das Intershop-Café und die Stadt-Apotheke – mit unterschiedlichen Ergebnissen.

Mehr als Rampen und breite Türen

Ist von Barrierefreiheit die Rede, denken die meisten Menschen an Rampen statt Treppen, breite Türen und absenkbare Busse. Doch bauliche Veränderungen und speziell ausgerüstete Fahrzeuge reichen nicht aus, um den Alltag barrierefrei zu gestalten. Diese Erfahrung machten auch die Teilnehmer des Rundganges der Aktion Altmark Inklusiv. Arvid Schwerin von den Jusos setzte sich sogar extra in einen mitgebrachten Rollstuhl, um hautnah zu erleben, wie schon kleine Dinge das Leben von Behinderten erschweren oder manche Unternehmungen sogar unmöglich machen können.

Unüberwindbare Hindernisse

Was für nicht behinderte Menschen beispielsweise einfach nur schön anzusehen ist, kann für Behinderte ein fast unüberwindbares Hindernis darstellen. Ein hübsch aufgestellter Blumenkübel sieht zwar nett aus, mit dem Rollstuhl ist der Engpass aber vielfach nicht zu überwinden. Doch wie sieht es aus, wenn ein behinderter Mensch beispielsweise in einem Autohaus nach einem passenden Auto für sich sucht? Im Klötzer Autohaus ist das kein Problem. Ebenerdig können auch Rollstuhlfahrer das Gebäude erkunden. Auch Sehbehinderte haben durch die lichtdurchflutete Bauweise keine allzu großen Probleme. Insgesamt kann das Autohaus als behindertenfreundlich eingestuft werden.

Das ist aus Sicht der Aktion Altmark Inklusiv schon deswegen bemerkenswert, weil das Autohaus zu einem Zeitpunkt entstand, als noch nicht so viel über Barrierefreiheit nachgedacht wurde. Das habe sich heute geändert, weiß auch Arvid Schwerin. Und doch ist gerade bei Geschäften und Wirtschaftsunternehmen noch viel zu tun.

Bestes Unternehmen wird ausgezeichnet

Die Rundreise führte die Teilnehmer an diesem Tag auch zum Gut Zichtau, Grünland Salzwedel und NatuKoLa Salzwedel. Jetzt werden die gewonnenen Erkenntnisse ausgewertet. Im Anschluss will die Aktion Altmark Inklusiv dann die Unternehmen auszeichnen, die besonders punkten konnten.

VON BIRGIT STEPHANI

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