Mitarbeiter einer Quedlinburger Firma mähen mit einem Spezialboot Wasserpflanzen

Bootspartie auf der Ohre

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Mit seinem Spezialboot mäht André Hirschfeld, Mitarbeiter einer Quedlinburger Firma, die Wasserpflanzen in der Ohre. Ohne den Einsatz würde das kanalisierte Gewässer verschlammen. Der Abfluss wäre gefährdet.

Drömling. Auf ein ungewöhnliches Wasserfahrzeug stieß jetzt AZ-Fotograf Wolfram Weber. Mitarbeiter einer Quedlinburger Firma säubern zurzeit das Flussbett der Ohre auf einem 32 Kilometer langen Abschnitt zwischen Buchhorst und Satuelle kurz vor Haldensleben.

Mit dem Mähbalken des fünf Meter langen gelben Bootes werden die Wasserpflanzen dicht über der Gewässersohle abgetrennt. Anschließend wird das Mähgut mit einem Balken aufgefangen und mit dem Bagger aus dem Wasser gefischt. Reicht die Strömung nicht aus, wird zum Spülen ein Wehr gezogen.

„Was wir mit dem Wasser nicht wegkriegen, schieben wir mit dem Boot weg“, erzählt Bernd Töppe. Wenn gar nichts hilft, liegt auch noch eine Forke bereit. Der Harzer und seine beiden Kollegen sind bereits seit zwei Wochen im Drömlingseinsatz. Mit einer Art Joystick kann er das Mähwerk steuern, das auch senkrecht Böschungen mähen kann. Sechs bis sieben Kilometer kann man mit dem 50 PS starken Gefährt pro Tag schaffen, das Problem: Die Messer des Mähwerks sind empfindlich, für die Spezialanfertigung gibt es kaum Ersatzteile.

Einmal im Jahr müssen die künstlich angelegten Gewässer im Drömling gemäht werden. „Das Kraut staut das Wasser enorm auf, bis zu 60 Zentimeter, und behindert den Abfluss“, erklärt Hagen Müller, Geschäftsführer des Wasserunterhaltungsverbands Obere Ohre in Oebisfelde. Und durch die niedrige, mit dem Auge gar nicht wahrnehmbare Fließgeschwindigkeit – zwischen Buchhorst und Satuelle sind es nicht ganz drei Meter Höhenunterschied – sowie Nährstoffeinträge haben gelbe Teichrose und Pfeilkraut optimale Wachstumsbedingungen. Ließe man sie stehen, würden die Wasserläufe schnell verschlammen.

„Ein künstliches Gewässer braucht immer eine Unterhaltung“, sagt Hagen Müller. Zu DDR-Zeiten wurde sogar dreimal im Jahr gemäht. Die Ohre ist eigentlich Landesgewässer, wird vom Unterhaltungsverband betreut. Insgesamt werden innerhalb von vier Monaten 1050 Kilometer entkrautet. Bei den kleineren Gräben kommt ein Bagger mit Mähwerk und Fangkorb zum Einsatz, die Ohre ist dafür zu breit

Zurzeit führt die Ohre Niedrigwasser, etwa zehn Prozent der Wassermenge. Für das gelbe Boot reicht es nur knapp, es hat 50 Zentimeter Tiefgang.

Von Gerhard Sternitzke

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