Besser als in mancher Großstadt

Micha Kost, Buchautor und Kabarettist bei den Kiebitzensteinern, sorgte am Abend für gute Unterhaltung, unter anderem in seiner Rolle als Klofrau Erna.

Klötze - Von Monika Schmidt. Seit 70 Jahren gibt es in Klötze eine Bibliothek. War diese zunächst in den Räumen einer Gaststätte untergebracht, erfolgte 1985 der Umzug ins Adolf-Frank-Haus an der Breiten Straße. Das zentral gelegene Gebäude soll künftig eine Anlaufstelle für Kultur, Tourismus und Heimatpflege in der Stadt Klötze sein, wünschte sich Bürgermeister Matthias Mann am Donnerstagabend bei der feierlichen Wiedereröffnung. Deshalb wird künftig Irina Bitter von der Stadtverwaltung stundenweise die Tourismusarbeit in der Bibliothek erledigen. „Das ist ein idealer Anlaufpunkt für die Bürge“, schätzte der Bürgermeister ein. Außerdem werden ab Mai die Öffnungszeiten der Einrichtung verlängert.

520 Bücherkisten wurden beim Umbau von den Bibliotheksmitarbeiterinnen hin- und hergeschleppt. Dass sich die Mühe gelohnt, sahen auch die Vertreterinnen der Nachbarbibliotheken, Brigitte Wiswede aus Beetzendorf und Ursula Isenberg aus Gardelegen. Angelehnt an die Einrichtung in der Hansestadt hatte Iris Wienecke noch einen Wunsch für die Zukunft. „Web-o-pac“, ein Ausleihsystem übers Internet. Das sei kostengünstig einzurichten und die Nutzer könnten sich schon zu Hause informieren, ob ein Buch der Bibliothek gerade in der Ausleihe ist und wann es zurück in den Bestand kommt. „Es wäre schön, wenn das noch in diesem Jahr gelänge“, wünschte sich Iris Wienecke.

Für etwa 160 000 Euro war die Bibliothek mit Mitteln aus dem Konjunkturpaket II umfangreich saniert worden. Von den Veränderungen konnten sich nach der Feierstunde für die am Bau beteiligten Handwerker auch die Nutzer der Einrichtung überzeugen. Von allen Seiten gab es viel Lob für die farblich aufgehellten und moderner gestalteten Räume im Erdgeschoss. „Die Bibliothek ist wirklich schön geworden“, schwärmte beispielsweise Bärbel Schulz aus Kusey. Und sie lobte das gut ausgewählte Angebot, das Iris Wienecke mit ihren Mitarbeiterinnen für die Leser bereithält. „Da kann so manche Bibliothek in einer Großstadt nicht mithalten“, war Bärbel Schulz ganz begeistert.

Diese Begeisterung teilten die übrigen gut 40 Besucher der Eröffnungsveranstaltung. So voll war es bei Veranstaltungen in der Bibliothek schon lange nicht mehr. Nachdem sie sich kurz umgesehen hatten, wurden die neuen Regale beiseite geschoben und die Stühle für die anschließende Lesung gestellt. Wobei Lesung eigentlich nicht das richtige Wort ist. Zwar trug Micha Kost auch Auszüge aus einem Buch vor, den Großteil des Abends gestaltete er jedoch mit verschiedenen Kabarettfiguren aus dem Programm der Kiebitzensteiner, dessen Leiter er ist. So berichtete er als Klofrau Erna aus „seinem Erlebnisbereich“. 500 Duftmarken könne er in seiner Nase speichern und sei damit quasi eine Neuauflage der Stasi. „Wenn bei mir ein Kleinkrimineller auf der Brille sitzt, ist das gleich ein Topp-Terrorist“, sächselte er.

Winterreifen für Mülltonnen forderte Micha Kost als Müllmann-Ede. Einen entsprechenden Tonnen-TÜV hatte er auch entwickelt. Immer wieder bezog der Kiebitzensteiner das Publikum mit in sein Programm ein, nicht immer hatte er sich dafür jedoch die richtigen Personen ausgesucht. „Was seid ihr: Klötzer? Heißt das wirklich so ?“, wollte er wissen. „Na, wenn es euch nicht stört“, bemühte er sich, die Zuhörer als Klötzer zu bezeichnen. Lebenshilfe gab es bei Micha Kost im Programm dazu: So mokierte er sich als Rentner darüber, warum die Wartezeiten beim Arzt so lang seien. Weil: „Die Zeit heilt alle Wunden“ – ein Spruch, der den Klötzern auch aus hiesigen Wartezimmern bekannt war.

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