Kuseyer beschweren sich über andauernde Geruchsbelästigung / Betreiber erfüllt Anordnungen

„Bei Ostwind ist es besser“

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Die Geruchsbelästigungen in Kusey entstehen nicht durch die Bioraffinerie, sondern durch in den Silos gelagerte Abfälle, hat das Landesverwaltungsamt ermittelt. Damit ist der Altmarkkreis für Beschwerden zuständig.

Kusey. Obwohl den ganzen Sommer über Sonnenschein war und die heißen Temperaturen ins Freie lockten, blieben die Kuseyer häufig drin. Fenster öffnen und Wäsche draußen trocknen ließen die meisten auch lieber sein.

Denn häufig lag – und liegt – über dem Ort ein unangenehmer Geruch. Manchmal eher süßlich, manchmal stark nach Verwesung und Vergorenem riechend. Auch bei der jüngsten Ortschaftsratssitzung wurde der Geruch bemerkt. Gewöhnen können sich die Einwohner nicht daran. Sie machen die Bioraffinerie dafür verantwortlich. Und suchten Stellen, bei denen sie sich beschweren können.

Erster Anlaufpunkt war für viele das Umweltamt des Altmarkkreises. Dort waren sie aber an der falschen Adresse, teilte die Behörde mit, und verwies die Beschwerdeführer an das Landesverwaltungsamt in Halle. „Die Biogas- und Bioethanolanlage der Bioraffinerie Kusey befindet sich in der immissionsschutzrechtlichen Zuständigkeit des Landesverwaltungsamtes in Halle“, informiert Amanda Hasenfusz von der Pressestelle des Altmarkkreises, auf AZ-Nachfrage. Geruchsbeschwerden müssten also dort eingereicht werden.

In Halle wurden die Beschwerden zwar geprüft, aber nach Rücksprache mit dem Anlagenbetreiber fühlte sich das Landesverwaltungsamt nicht zuständig. Die geschilderten Geruchsbelästigungen gingen nicht vom eigentlichen Anlagenbetrieb der Bioraffinerie aus, teilte die Behörde den Kuseyern mit. Deshalb könne das Landesverwaltungsamt als zuständige immissionsschutzrechtliche Behörde keine verwaltungsrechtlichen Schritte einleiten. Die Gerüche entstünden durch die Zwischenlagerung des Abfalls in einem Silo. Und dafür wiederum sei als untere Immissionsschutzbehörde der Altmarkkreis zuständig.

Wie Amanda Hasenfusz weiter informierte, seien aktuelle Überwachungsvorgänge des Landesverwaltungsamtes und mögliche Auflagen zur Verringerung der Gerüche durch diese Anlagen dem Altmarkkreis als untere Immissionsschutzbehörde nicht bekannt.

Der Kreis sei jedoch, wie auch schon das Verwaltungsamt informierte, für „geruchsverursachende Anlagen außerhalb der Bioraffinerie Kusey zuständig.“ Und im Rahmen dieser Zuständigkeit „sind wir in diesem Jahr Beschwerden nachgegangen und haben mündliche und schriftliche Anordnungen zur Herstellung rechtskonformer Zustände erlassen“, teilt die Kreissprecherin weiter mit.

Die Anordnungen seien, so der Kenntnisstand der Behörde, vom Betreiber der Anlagen befolgt worden. „Der Altmarkkreis Salzwedel wird sich aber vorbehalten, weitere Kontrollen durchzuführen“, zeigt Amanda Hasenfusz auf, dass das Thema für die Salzwedeler Behörde noch nicht beendet ist.

Für die Einwohner von Kusey heißt es deshalb weiter an Tagen, in denen der Wind aus West und Süd weht, besser die Wäsche nicht im Freien zu trocknen. „Besser ist es bei Ostwind. Dann ist es in Kusey geruchslos, dafür stinkt es dann in Neuferchau“, bringt es einer der Beschwerdeführer aus Kusey im AZ-Gespräch auf den Punkt.

Von Monika Schmidt

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