Baumartenpalette erweitern

Dietmar Schulze (l.), Revierförster im Klötzer Wald, stand den Gästen der Landesforstbetriebe Sachsen-Anhalts Rede und Antwort. In diesem Waldstück wurde Douglasie (vorne) im Kiefernwald angebaut.

Klötze - Von Peter Lieske. Die Holznachfrage ist enorm. Und sie wird laut Prognosen weiter steigen. Allein die energetische Holznutzung wird sich in den nächsten fünf Jahren verdoppeln. Zudem steigt die stoffliche Verwertung von Holz.

Diese Entwicklung kreuzt der Klima-Wandel. Der steigenden Nachfrage und der Entwicklung zu wärmeren und trockneren Sommern sowie milden und feuchten Wintern stellen sich die Forstbetriebe. So hat das Land zu einer zweitägigen Fortbildung in die Altmark eingeladen. Thema: die Erweiterung der Baumartenpalette in Verbindung mit der Globalisierung der Holzmärkte und den Klimawandels. Waren gestern Vertreter der Landesforstbetriebe in den Klötzer Forst eingeladen, so folgen heute Mitarbeiter der Forstverwaltungen bei den Landkreisen des Landes sowie des Landeszentrums Wald, der die Betreuungsämter unterstehen.

Für die stoffliche Nutzung wird Nadelholz bevorzugt. Politisch ist aber die Laubholzvermehrung gewollt, sagte gestern Professor Dr. Hermann Spellmann, Leiter der forstlichen Versuchsstation der Länder Sachsen-Anhalt, Hessen und Niedersachsen.

Aufgrund der enormen Holznachfrage werde es schwierig, mit einheimischen Holzarten den Bedarf zu decken. Zumal deren Vitalität aufgrund der Klimaveränderung nachlässt. So macht der Fichte der Borkenkäfer zu schaffen, während die Buche mit den feuchten und warmen Wintern nicht zurechtkommt, indem ihr Pilzkrankheiten das Leben schwer machen. Soll heißen: Von der Buche sind künftig nicht mehr die gewohnten Leistungen zu erwarten.

Alternativen für die einheimischen Baumarten werden daher gesucht. Und in drei Arten sind sie im Grunde schon gefunden. In den Forschungen hat sich gezeigt, dass vor allem nordamerikanische Baum-arten gut mit dem mitteleuropäischen Klima zurechtkommen. Während in Europa die Alpen eine natürliche Barriere zum südländischen Klima bilden, verlaufen die Gebirge in Nordamerika in Nord-Süd-Richtung. Baumarten aus südlichen Gefilden haben dort also die Möglichkeit, sich gen Norden auszubreiten. Und so scheint es nicht verwunderlich, dass sich gerade diese Baumarten in Europa durchsetzen. Das lässt sich dank der Versuchsstation gut nachweisen, denn seit 1882 wird die Anbaufähigkeit fremdländischer Arten überprüft. Im Mittelpunkt der Überprüfung stehen Leistung, Standort, das Erreichen des Normmaßes und die Verwendung der Holzarten.

Drei Arten haben sich bei den Überprüfungen durchgesetzt: Douglasie, Küstentanne und Roteiche. Diese drei Baumarten stehen im Mittelpunkt der Fortbildung im Klötzer Forst, erläuterte Prof. Spellmann weiter.

Der Leiter der forstlichen Versuchsstation verwies auf den hohen Kiefern-Reihenbestand in der Altmark. Die Kiefer sei nicht sehr ertragreich. Dennoch bietet der Kiefernbestand günstige Voraussetzungen für den Anbau der Douglasie. „Eine Möglichkeit ist der Voranbau“, so Prof. Spellmann. Da der Kiefernbestand etwas lichter ist als andere Baumbestände, er aber dennoch Schutz, vor allem vor Frost, bietet, sind die Bedingungen für die Integration der Douglasie günstig. Davon konnten sich die Forstfachleute gestern in der Nähe der Lehrlingsausbildungsstätte Zartau überzeugen. Dort zeigte ihnen Revierförster Dietmar Schulze einen Voranbau mit Douglasie. Der Vorteil im Klötzer Wald, so Prof. Spellmann: Schon vor 100 Jahren wurde die Douglasie dort angebaut. Sie kann den Forstexperten also in verschiedenen Altersstufen gezeigt werden.

Aber nicht nur die Douglasie, sondern auch die Küstentanne bringt eine sehr ertragreiche Leistung (wir berichteten). Im Alter von 30 Jahren bringt sie die sechsfache Leistung der Buche, die doppelte der Fichte und 20 Prozent der Douglasie.

Im Gegensatz zum dynamischen Klimawandel benötigt die Forstwirtschaft sehr lange Produktionsräume. Aus diesem Grund mache es keinen Sinn, auf eine bestimmte Baumart zu setzen. Im Gegenteil: Die Vielfalt macht's. Ziel sei es, die Risiken zu verteilen. Und so sollen Baumarten der Zukunft mit den alteingesessenen vermischt werden. Somit passten Beispiele vom Anbau der Douglasie im Kiefernbestand. Die Gäste konnten vergleichen zwischen einem 23-jährigen Douglasienbestand unter einer 106-jährigen Kiefer, zwischen einem 30-jährigen Douglasienbestand unter einer 94-jährigen Kiefer, einem Douglasien-Altbestand sowie einem Beispiel der Streifenpflanzung mit Douglasie im 85-jährigen Kiefernbestand. Das Praktische: Gleich im Nachbarbestand wächst eine 49-jährige Roteiche mit dem typisch nordamerikanischen Merkmal, dass trotz Gleichaltrigkeit einige Bäume kraftvoll in die Höhe wachsen, während andere verkümmert am Boden stehen. Ein Vorteil gegenüber der Kiefer, stellte Prof. Spellmann fest, denn aufgrund der vielen kleinen Bäume im Bestand bleibt kein Platz für andere nährstoffzehrende Arten.

Den Gästen aus den Landesforstbetrieben Sachsen-Anhalts fiel aber eines besonders auf: Weder der junge Douglasienunterbau noch die Roteiche wiesen Wildverbiss auf. Und so musste Prof. Spellmann bei aller Forstweisheit mit einem Schmunzeln zugestehen: „Entscheidend ist das Wild. Es kann alles so wunderbar durcheinander bringen.“

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