Besser, aber immer noch schlecht

Bauernverband Altmarkkreis Salzwedel zieht erste Erntebilanz

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Mitglieder des Bauernverbands Altmarkkreis Salzwedel begutachten gemeinsam mit Raimund Punke (2. v. r.) seine Braugerste auf einem Feld bei Klötze-Nord.

Klötze – Neben erschwerter Futtermittelproduktion leiden auch die Tiere selbst unter der Hitze. Das wurde beim Pressegespräch des Kreisbauernverbandes zur Erntebilanz in Klötze deutlich. Bei Temperaturen jenseits der 35 Grad Celsius sank die Milchproduktion.

Zusammen mit erhöhten Anforderungen an Tierhalter sei so auch die Gewinnmarge geringer.

Ställe werden bereits mit zusätzlichen Lüftern ausgestattet, damit es den Tieren in ihnen besser geht. Ob es Kühen bei der Hitze auf der Weide besser ginge, bezweifelt Christian Schmidt, Landwirt aus Siedenlangenbeck, jedoch. „Wir werden von den schlechten Milchpreisen zur Effizienz gezwungen“, bewertet er die aktuelle Lage.

Dies sei eigentlich nichts Schlechtes und sogar gut für die Umwelt, wenn man es nicht übertreibt, wie Schmidt im Rahmen des Pressegesprächs betont. Wer mit 700 Kühen dieselbe Milchproduktion erzeuge wie ein anderer mit 1400 Kühen, brauche nur den halben Platz und deutlich weniger Futter. „Jede Kuh muss erstmal ihren Grundumsatz haben, bevor sie anfangen kann, Milch zu geben“, erklärt er.

Ähnlich sei es auch bei Feldfrüchten. Wer seinen Ertrag aufgrund reduzierter Düngemittel um 30 Prozent senke, müsse auch einen Preisaufschlag von diesem Wert erwarten dürfen, da es sonst ein Minusgeschäft wäre. Um mit den schwierigeren Ausgangsbedingungen besser umgehen zu können, probieren die Landwirte in der Region zurzeit auch andere Feldfrüchte aus.

Während Friedrich Wilhelm Giggel, Gesellschafter der Landwirts GbR Jerchel und Vorstandsmitglied des Bauernverbands, im laufenden Jahr wenig Erfolg mit Hafer hatte, freut sich Raimund Punke, Geschäftsführer und Vorstandsvorsitzender der Milcherzeugergenossenschaft Klötze sowie Vorsitzender des Bauernverbands, seit sechs Jahren über seine Erfolge mit Braugerste. Dank der Beregnungsanlage sei deren Ertrag sogar im Supersommer 2018 gut ausgefallen.

Bedrohte Art: Landwirt

„Die Rahmenbedingungen widersprechen dem Fachwissen“, urteilt Philipp Fölsch, Vorstandsvorsitzender und Geschäftsführer der Agrarprodukte Dambeck sowie ebenfalls Vorstandsmitglied des Bauernverbands. Häufig würden Entscheidungen nicht nach wissenschaftlichen Maßstäben, sondern nach populären Forderungen gefällt werden – zu Lasten der Landwirte. Diese fallen dann auch – manchmal auf unerwartete Weise – auf die Bevölkerung zurück. Wer mehr Tiere auf der Weide wolle, müsse auch damit rechnen, dass Kuh-Ampeln geschaltet werden müssen und dann zum Teil für 15 Minuten Straßen gesperrt werden, damit die Tiere von einer Weide zur anderen wechseln können.

Nicht nur auf dem Feld werde so die Arbeit aufwendiger, auch der Büroalltag nehme immer weiter zu, erklärten die Landwirte übereinstimmend. Dokumentationspflichten, neue Verordnungen und Bürokratie nehme einen immer größeren Anteil der Arbeit ein. Auch der Nachwuchs in den Betrieb bereitet den Landwirten Sorgen. Zwar bilden sie jedes Jahr neue Lehrlinge aus und bieten ihnen so, nach eigenen Angaben, lokale Arbeitsplätze in der Region, jedoch fehle dort ein gesundes Mittelfeld.

Es gebe eine Großzahl an Arbeitskräften, die gut Hilfsarbeiten leisten könnten. Die wirklich guten Lehrlinge streben jedoch häufig im Anschluss an die Ausbildung ein Studium und eine Position in der Betriebsführung an. „Was uns fehlt, ist der gute Facharbeiter“, stellt Christian Schmidt klar.

VON STEFAN HARTMANN

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