Natur erobert sich das ungenutzte Gelände zurück

Bahnhof Kusey im Dornröschenschlaf

Die Natur erobert sich den Kuseyer Bahnhof zurück: Überall wuchern Büsche und Bäume aus den Ritzen. Im Vordergrund der Fahrradschuppen, bei dem das Dach längst eingestürzt ist.
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Die Natur erobert sich den Kuseyer Bahnhof zurück: Überall wuchern Büsche und Bäume aus den Ritzen. Im Vordergrund der Fahrradschuppen, bei dem das Dach längst eingestürzt ist.

Kusey – Liegt der Kuseyer Bahnhof im Dornröschenschlaf oder ist er dem Verfall preisgegeben? Das fragen sich Einwohner und Vorbeifahrende, wenn sie sehen, wie das ungenutzte Gelände langsam von der Natur zurückerobert wird.

Viele Jahre, seit der Stilllegung der Bahnstrecke von Salzwedel nach Oebisfelde, steht der Kuseyer Bahnhof leer.

Schon zu DDR-Zeiten, lange vor der Wende 1989, war die im oberen Bereich des Hauptgebäudes befindliche Wohnung, in der einst der Bahnhofsvorsteher lebte, nicht mehr bewohnt. Auch das im Osten befindliche Nebengebäude diente viele Jahrzehnte als Wohnraum. Es steht ebenfalls schon seit über 30 Jahren leer.

Aus der längst nicht mehr genutzten Bahnsteigkante wächst ein Stachelbeerstrauch.

Von außen sind die Spuren von Vandalismus gut zu erkennen, die Natur tut ein Übriges. Rosensträucher wachsen von Westen her auf das Areal. Abmontierte Betonschwellen liegen auf dem Gelände, auf denen mal die Schienen befestigt waren und Züge rollten. Sie werden inzwischen von schönen roten Rosen überwuchert. Die Nebengebäude im „Westflügel“ des Bahnhofs sehen sehr marode aus, das Dach des einstigen Fahrradschuppens – dort konnten Reisende ihre Fahrräder unterstellen, bis sie wieder zurückkamen – ist schon eingestürzt.

Auch am Hauptgebäude des Bahnhofs nagt der Zahn der Zeit. Wenn man früher das Bahnhofsgebäude betrat, kam man in den Hauptraum. Von dort gab es einen Durchgang zu den Gleisen, im linken Flügel befanden sich die Toiletten und ein Kulturraum. Im vorderen rechten Bereich war der Fahrkartenschalter. Dort verkauften die Bahnangestellten die Fahrkarten, die gleich ausgedruckt oder von Hand geschrieben wurden, je nach Fahrziel. Reisende bekamen aber auch Fahrplanauskünfte für bevorstehende Bahnfahrten. Die Zeiten sind jedoch längst vorbei. 2002 fuhr der letzte Triebwagen im Linienbetrieb, 2008 wurden die Gleise abmontiert. Die Bahnschwellen aus Beton lagern seitdem aufgestapelt unter anderem am Kuseyer Bahnhof. Ein Zeichen der Hoffnung, dass die Strecke eventuell wieder in Betrieb genommen werden könnte.

Aber für den Kuseyer Bahnhof gibt es auch positive Zeichen: Er wurde vor genau einem Jahr, im August 2019, bei einer Auktion verkauft, deutlich über dem geforderten Höchstgebot. Nun hoffen die Kuseyer, dass der neue Besitzer den Kampf gegen den Verfall und den Wildwuchs aufnimmt. VON WOLFRAM WEBER UND MONIKA SCHMIDT

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