„Es war eine Erlaubnis da“

Aufruhr in Böckwitz: Unmut gegen Fällmaßnahmen an der Theider Neiße

+
Den Schnittmaßnahmen an der Theider Neiße und der Beseitigung von Windbruch hatten die Behörden zugestimmt. Weil eine Robinie zu viel gefällt wurde, müssen drei Bäume nachgepflanzt werden.

Böckwitz – Wer Baumschnittarbeiten an seiner Grundstücksgrenze plant, sollte im Vorfeld besser die Nachbarn informieren.

„Eine allgemeine und einvernehmliche Abstimmung mit betroffenen Nachbarn sollte in jedem Falle stattfinden“, empfiehlt die Pressesprecherin des Altmarkkreises, Amanda Hasenfusz. Somit kann Aufruhr, wie sie dieser Tage in Böckwitz stattgefunden hat, vermieden werden.

Dort wurden an einem Graben an der Zufahrt zum Museum Baumschnitt- und -fällarbeiten, die von den Behörden genehmigt waren, ausgeführt. Das brachte eine ganze Reihe von Böckwitzern dermaßen in Rage, dass sie die Polizei riefen. Auch das Umweltamt des Kreises und die Stadt Klötze wurden in die Spur geschickt.

Bei der Böckwitzer Ortschaftsratssitzung am Montagabend hatten sich die Gemüter noch nicht beruhigt. Aber auch Ortsbürgermeister Randy Schmidt versicherte, dass alles mit rechten Dingen zugegangen ist. „Es gab im Vorfeld eine Begehung, es war eine Erlaubnis da und ich finde das, was gemacht wurde, auch nicht so schlimm“, antwortete der Ortsbürgermeister auf die Anfragen der Böckwitzer zu diesem Thema.

Als bei einem Sturm im Sommer 2017 kommunale Bäume vom „Theider Neiße“ genannten Graben auf das private Grundstück gefallen sind, habe sich auch keiner aufgeregt und die Familie mit der Schadensregulierung allein gelassen, erinnerte Randy Schmidt die Einwohner aus Böckwitz.

„Durch den Windwurf waren mehrere Bäume auf die Forstzäunung und in die Nadelholzkultur gebrochen und hatten entsprechende Schäden verursacht“, informiert auch Amanda Hasenfusz vom Kreis auf AZ-Anfrage zum Sachverhalt. Naturparkverwaltung, Unterhaltungsverband, Stadt und die Untere Naturschutzbehörde des Kreises einigten sich, dass die betroffene Familie die Beräumung der Bäume zwischen Oktober und Februar beauftragen kann. Es wurde auch Schnittmaßnahmen entlang der südlichen Seite der Theider Neiße zugestimmt.

„Nach Beginn dieser Holzungsmaßnahmen Anfang Februar gab es Widerstand im Ort, teilweise gegen die konkrete Ausführung“, informiert die Kreissprecherin weiter. Daraufhin gab es am 8. Februar einen erneuten Vororttermin zur Klärung der Angelegenheit. Dabei wurde festgestellt, dass „im unmittelbaren Einfahrtsbereich zum Grundstück mindestens eine junge Robinie zu viel entnommen wurde“, teilt Amanda Hasenfusz mit. „Dies entspricht so nicht der genehmigungsfreien Standraumregulierung.“ Festgelegt wurde, dass die Grundstückseigentümerin als Ersatz drei neue einheimische Laubbäume bis zum 31. März 2020 in der Gemarkung Böckwitz pflanzen muss.

Um solchen Ärger zu vermeiden, sollten sich die Grundstückseigentümer immer vorher bei den Behörden vergewissern, rät die Kreissprecherin. „Wenn Grundstückseigentümer Bäume auf ihrem Grundstück zu fällen beabsichtigten, ist in jedem Fall die Haltung der dafür zuständigen Behörden einzuholen“, teilt Amanda Hasenfusz mit. Zuständig ist im Innenbereich die Kommune, im Außenbereich die Untere Naturschutzbehörde des Kreises.

Dabei wird geklärt, ob es sich um eine genehmigungsfreie oder -pflichtige Fällmaßnahme handelt. Bei Genehmigungspflicht ist eine entsprechende Fällgenehmigung zu beantragen. „Fällungen ohne erforderliche Genehmigung stellen einen Verstoß unter anderem gegen die Gehölzschutzverordnung dar und können mit erheblichen Bußgeldern geahndet werden“, warnt die Kreissprecherin weiter.

„Das waren gesunde Bäume, da verstehe ich nicht, warum die gefällt werden durften“, wunderte sich Silke Lembke am Montag im Ortschaftsrat. „Das wurde erlaubt, damit der Graben überhaupt erhalten bleibt. Solche Bäume dürften da gar nicht mehr stehen“, begründete Randy Schmidt.

VON MONIKA SCHMIDT

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare