Klötzer Sekundarschüler haben erste berufliche Hürde im Blick / Tim (16) will in die Landwirtschaft

„Auf die Noten wird zuerst geguckt“

+
Ronald Haase, Pflanzenbau-Chef der Milcherzeugergenossenschaf Klötze, konnte vor dem fiktiven Bewerbungsgespräch Tim Haertel beruhigen: „Ich war damals auch nervös.“

Klötze. Ranklotzen, wenn sich andere die Sommersonne auf den Bauch scheinen lassen, aufstehen, wenn andere sich noch im Bett umdrehen, und das nicht nur wochentags, sondern auch an den Wochenenden.

In der Landwirtschaft tätig zu sein, heißt zuweilen auch, die eigenen Interessen hinten anzustellen. Denn wann die meiste Arbeit ansteht, bestimmt nicht der Chef, sondern in der Regel das Wetter. Deshalb und aufgrund rückläufiger Schülerzahlen hat es die Branche seit Jahren immer schwerer, genügend Berufsnachwuchs zu finden.

Tim Haertel (16).

Einer, der in der Landwirtschaft beruflich Fuß fassen möchte, ist der 16-Jährige Klötzer Sekundarschüler Tim Haertel aus Gardelegen. Er habe, wie er gestern gegenüber Ronald Haase und Sandra Schmerse von der Klötzer Milcherzeugergenossenschaft (MEG) erklärte, familiär in Sachen Landwirtschaft zwar „nichts am Hut“, doch an Traktoren schon immer großes Interesse. Die endgültige Entscheidung für das „zukunftssichere Berufsfeld“ fiel schließlich nach zwei Praktika bei einem Klötzer Lohnunternehmer. „Maschinenwartung, Heuwenden, Ballen pressen, Ausmisten“, zählte der 16-Jährige als Tätigkeiten auf, die er dabei kennenlernte. Und den Traktorführerschein, so berichtet der Schüler stolz, habe er auch schon in der Tasche.

Haase, Pflanzenbau-Chef bei der MEG, hörte das sehr gerne. Denn auch der Klötzer Betrieb hat zunehmend Probleme, jedes Jahr jeweils einen Lehrling für die drei Ausbildungsziele Landwirt, Tierwirt sowie Fachkraft für Agrarservice – für letztere Ausbildung interessiert sich auch Tim – zu finden. Zuletzt musste eine Lehrstelle sogar unbesetzt bleiben. Tatsächlich zurückgreifen kann der Klötzer Betrieb auf Tim vorerst jedoch nicht. Denn dieser besucht noch die neunte Klasse der Klötzer Allende-Schule und nutzt wie knapp 30 seiner Mitschüler den Bewerbertag am gestrigen Dienstag für das erste Hineinschnuppern in die erste berufliche Hürde, dem Vorstellungsgespräch.

Dass sich Tim auf dieses gewissenhaft vorbereitet hatte, erkannten die beiden MEG-Mitarbeiter auf darin, dass der Schüler einiges über die Milcherzeugergenossenschaft zu berichten wusste. Am Ende waren sie durchaus zufrieden. „Ein sehr nettes Gespräch“, hieß das erste Fazit von Haase, der jedoch wie seine Kollegin zu bedenken gab, dass die Agrarservice-Ausbildung von allen drei Möglichkeiten die anspruchsvollste sei. Viel Theorie und Mathematik komme auf die Lehrlinge zu. Ein Praktikum bei der MEG, so die Empfehlung, könne Klarheit darüber bringen, ob es sich um die richtige Ausbildungsrichtung handele.

Empfehlungen hatten gestern auch die anderen Vertreter von Betrieben und Institutionen aus der Region, darunter die Heizungs- und Sanitärfirma Kempa, die Barmer, die Autohäuser Neuling und Meyer, die Sparkasse Altmark West, das Hagebaucentrum, das SozialCentrum Altmark, die Tischlerei Drenkmann sowie Bundeswehr und Polizei. Einem Hinweis von Barmer-Vertreter Dirk Dankert schlossen sich alle an: „Sie haben sich auf die Bewerbungsgespräche gut vorbereitet – vergessen Sie aber nicht die Noten, auf die wird immer zuerst geguckt.“

Von Matthias Mittank

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare