Der Wille der Kameraden

Auch Stadtrat empfiehlt Schließung der Everinger Feuerwehr

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Auf Wunsch ihrer Mitglieder steht die Freiwillige Feuerwehr Everingen kurz vor der Auflösung. Die Entscheidung fällt letztendlich das Ministerium für Inneres des Landes Sachsen-Anhalt.

Oebisfelde-Weferlingen – Der Stadtrat Oebisfelde-Weferlingen behandelte in seiner Sitzung die mögliche Schließung der Ortsfeuerwehr Everingen.

„Ich finde das traurig. Man muss die Leute motivieren mitzumachen. Zu ist zu“, sagte Stadtratsmitglied Klaus Gerike zu Beginn des Tagesordnungspunkts.

Die anwesenden Mitglieder der Feuerwehr Weferlingen dankten es ihm mit Beifall. Auch Kerstin Dörfel, Ortsbürgermeisterin von Siestedt, äußerte sich kritisch über den Tagesordnungspunkt. Sie hätte sich vor der Entscheidung eine Stellungnahme des Ministeriums für Inneres des Landes Sachsen-Anhalt gewünscht, das letztendlich auch darüber entscheidet, ob die Feuerwehr Everingen geschlossen wird. „Das ist der einzige Weg“, erklärte hingegen Ordnungsamtsleiter Detlef Meyer. Ohne einen Antrag der Stadt gäbe es keine Grundlage, um eine solche Bewertung oder Stellungnahme vorzunehmen.

„Wir haben uns die Entscheidung wirklich nicht leicht gemacht“, berichtete Bogumila Jacksch, als Vorsitzende des Ordnungs- und Wirtschaftsausschusses, der das Thema in seiner vergangenen Sitzung behandelt hatte (wir berichteten). Hans Meuser, der bis zuletzt der Everinger Wehrleiter war, argumentierte für die Schließung der Feuerwehr Everingen. „Die Kameraden wollen die Auflösung“, sagte er. Nachdem er im April seinen Rücktritt erklärt hatte, fand sich bei der Mitgliederversammlung im Mai kein Nachfolger für ihn.

Die Feuerwehr aufzulösen sei nicht der Wunsch der Stadt, sondern der Kameraden selbst. „Herr Meuser hat versucht zu retten, was wohl nicht mehr zu retten war“, lobte Sven Groneberg dessen Bemühungen. Dafür sei ihm Dank auszusprechen. Jürgen Böttcher sah die Auflösung ebenfalls skeptisch. Wäre die Feuerwehr einmal weg, käme sie auch nicht zurück. An die Verwaltung gerichtet wollte er wissen, welche Möglichkeiten jetzt für die Mitglieder bestünden, die weiterhin am Feuerwehrdienst teilnehmen möchten.

Nach Angaben von Detlef Meyer könnten jene Feuerwehrleute jederzeit den Wehren in den Nachbarorten beitreten. Klaus Gerike war damit nicht zufrieden. „Das Dorf stirbt langsam. Die Feuerwehr muss wieder aufgebaut werden“, sagte er. Frank Hintersdorf wollte dieses Argument nicht gelten lassen. „Andere Vereine können beim Dorffest auch eine Bratwurst braten“, antwortete er überspitzt. Der Wunsch der Feuerwehr Everingen sollte berücksichtigt werden. Maria Bade sorgte sich um die Wirkung, die eine Auflösung der Wehr bei den Bürgern haben könnte. „Das Signal der Schließung an die Bevölkerung ist verheerend. Es müsste dafür gesorgt werden, dass es den Feuerwehren besser geht“, bewertete sie die Situation.

Bei zwei Gegenstimmen und zwei Enthaltungen sprachen sich die Mitglieder des Stadtrat für die Auflösung der Ortsfeuerwehr Everingen aus.

VON STEFAN HARTMANN

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