Antje Weber ruft dazu auf, Bauaktivitäten als Signal zu deuten

Der Biber ist die Schlüsselart an Gewässern

Ein Biber sitzt am Ufer
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Der Biber ist aus Sicht des NABU-Arbeitskreises Biberschutz für ein angepasstes Wassermanagement dringend erforderlich.
  • Birgit Stephani
    vonBirgit Stephani
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Oebisfelde – „Biber gehören nach wie vor laut Europäischer Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie und dem Bundesnaturschutzgesetz zu den streng geschützten Arten.“ Mit diesen Worten nimmt Antje Weber, Vorstandsmitglied des Arbeitskreises Biberschutz im NABU Sachsen-Anhalt, Stellung zum Bericht über die Mitgliederversammlung des Unterhaltungsverbandes „Obere Ohre“ (AZ berichtete).

„Seit 2014 liegt dem heutigen Biosphärenreservat Drömling ein Masterplan zur Konfliktvermeidung vor. Im Freiland sieht man allerdings kaum Anpassungen oder gar verbesserte Strategien im Umgang mit dem Biber. Im Gegenteil. Es wird behauptet, dass der Biber sich sehr vermehrt hätte. Vermutlich ist dem Entwässerungsverband entgangen, dass die letzten drei Sommer von ausgeprägter Trockenheit, teilweise totalem, lang anhaltendem Wasserverlust in den Gräben und völlig entleerten Wasserreservoirs in den Böden geprägt waren. Dieser massive Wassermangel, auf den auch die Landwirte der Region regelmäßig öffentlich hinwiesen, ist noch immer nicht ausgeglichen. Auch für die Biber waren das extrem schwere Zeiten, die sich negativ auf das Populationsgefüge auswirkten“, hebt Antje Weber hervor.

„Reviere wurden zu weiten Teilen verlassen, oftmals wurden Reviergrenzen deutlich spürbar ausgedehnt oder verlagert. Die Biberdämme, die die letzten Restwassermengen gehalten haben, waren oft genug die allerletzten schwachen Rückzugsräume für Fische, Gewässerorganismen und Amphibien und verhinderten so das völlige Aussterben. Diese drei heißen und trockenen Jahre konnten durch erwachsene Biber vielleicht noch einigermaßen ausgesessen werden, in vielen Revieren gab es aber wohl kaum Reproduktion beziehungsweise keine erfolgreiche Jungenaufzucht“, sagt Antje Weber. „Die vom Entwässerungsverband festgestellte Zunahme der Dammbauaktivitäten hätte Signal genug sein müssen, um endlich die Strategie zum Wasserhaushalt so anzupassen, dass es über so weite Zeiträume wie möglich so viel Wasser wie möglich im Drömling gibt. Stattdessen wird hier über Kosten referiert, die nicht hätten entstehen müssen, wenn die Dämme einfach erhalten worden wären. Biber richten in der Natur keine Schäden an. Auch nicht an Bäumen, denn Bäume sowie Sträucher bilden ihre winterliche Nahrungsgrundlage. Anderswo wird mit hohem finanziellen und technischen Aufwand der Gehölzaufwuchs an Ufern ausgemerzt. Viel schlimmer ist, dass der Entwässerungsverband es offenbar noch immer nicht verstanden hat, zusammen mit dem Biber zu arbeiten, statt ständig gegen ihn“, beklagt Antje Weber.

„Und die Zeit drängt, da die Klimaprognosen nicht besser werden, wie Umweltministerin Claudia Dalbert bei der Vorstellung des Klimawandel-Monitoringberichtes der Landesregierung signalisierte. Deshalb erscheint es umso wichtiger, gefährdete Lebensräume und Arten zwingend zu erhalten. Der Biber ist die Schlüsselart an Gewässern und in Feuchtlebensräumen, denn ein solcher ist der Drömling gemäß aller Schutzgebietsdeklarationen. Ein angepasstes Wassermanagement mit Biber ist deshalb schlichtweg zwingend erforderlich“, mahnt Antje Weber.

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