Hackschnitzelanlage der Produktivgenossenschaft in Neuferchau einsatzbereit / Besuchstag

66 Anschlüsse am Turbomat

Geschäftsführer Henry Hartmann von der Produktivgenossenschaft Altmark Neuferchau vor dem Herzstück der neuen Hackschnitzelanlage. Der Turbomat 400 sorgt für rund 350 Kilowatt an thermischer Energie. Fotos (2): Köhler

Neuferchau. Derzeit herrscht noch viel Trubel auf dem Hof der Produktivgenossenschaft Altmark Neuferchau.

Der Besen wird von den Mitarbeitern noch häufiger als üblich zur Hand genommen – kein Wunder, ist doch am kommenden Sonntag die öffentliche Vorstellung der neuesten Errungeschaft. „Eine Holzhackschnitz-elanlage mit 350 Kilowatt thermischer Leistung“, erzählt Geschäftsführer Henry Hartmann stolz. Hinter dieser nüchternen Zahl verbirgt sich das ehrgeizige Ziel der rührigen Produktivgenossenschaft, mittels geschlossener Kreisläufe wettbewerbsfähig zu bleiben und noch Gutes für die Umwelt zu tun. Die Genossenschaft will sich möglichst selbst mit dem nötigen Brennstoff versorgen, dieser wird dann in der Holzhackschnitzelanlage verarbeitet. Die Produktigenossenschaft Altmark Neuferchau besitzt 560 Hektar Ackerfläche. Dazu kommen 550 Rinder und Färsen, 300 Sauen, Ferkel und Mastschweine. Da das Unternehmen im Drömling 180 Hektar Fläche besitzt, ist für Henry Hartmann klar: „Das Hackschnitzel kommt nicht aus dem Wald, sondern aus den Drömlingsgräben. “ Die Wärme wird im Betrieb benötigt – und auch darüber hinaus.

Konkret: Die Produktivgenossenschaft nutzt die Wärme der Anlage für die Beheizung der Sauenanlage und der übrigen Räumlichkeiten. Doch es bleibt noch genügend Restwärme übrig. Anstatt diese sprichwörtlich in die Luft zu blasen, wird sie per Rohrleitungen in Wohnungen in Neuferchau geliefert. 66 Anschlüsse sind gelegt und werden dann von der Produktivgenossenschaft mit Wärme versorgt. Auch der Neuferchauer Saal und die Räume der Feuerwehr werden dadurch beheizt. Die Gesamtsumme, welche rund 1,3 Millionen Euro umfasst, ist eine Investition in die Zukunft, ist Henry Hartmann überzeugt.

Die Hackschnitzelanlage ist dabei nicht das erste Projekt, welches die Genossenschaft realisiert hat. „Eigentlich könnte man die neue Anlage als Erweiterung und Ergänzung sehen“, schmunzelt Hartmann. Denn bereits 2007 investierte die Produktivgenossenschaft in eine Biogasanlage. Diese liefert exakt 454 Kilowatt an thermischer Leistung, hat der Geschäftsführer errechnet. Das reichte zwar für die Sauenanlage, war jedoch bald zu klein. Die Überlegungen führten daraufhin zu der Hackschnitzelanlage. „Ein landwirtschaftlicher Betrieb kann in der Fläche nur schwer wachsen. Mehr Tiere sind auch nicht unbedingt wirtschaftlich“, erinnert sich Henry Hartmann an die grundsätzlichen Fragen, vor denen er damals stand. Dazu gab es immer mal wieder Anfragen aus dem Ort, ob die Abwärme nicht auch für Privathäuser genutzt werden könne. Am Sonntag, 16. September, können sich alle Interessenten von 10 bis 17 Uhr auf dem Hof in Neuferchau informieren. Dazu gibt es Musik vom Gesangverein Neuferchau und Schwein am Spieß. Natürlich gibt es fachkundige Erläuterungen zur Anlage.

Übrigens: Auf Bedenken angesprochen, dass in der Altmark zu viel Mais aufgrund der Biogasanlagen angebaut würde, reagiert Henry Hartmann gelassen. „Sobald der Mais geerntet wurde, sieht man, dass dahinter auch noch Roggen und Gerste stehen“, beruhigt er. Die Landwirtschaft würde erst wieder die Größenordnungen von 1990 im Anbau von Mais erreichen, schätzt der Geschäftsführer ein.

Von Andreas Köhler

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