100 Teilnehmer bei AfD-Demo in Klötze / Gegendemonstranten fegten „Dreck“ aus der Punitzstadt

Alternative zum Fremdenhass

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Mit Bannern und Schildern versammelten sich die Demonstranten der AFD auf dem Parkplatz vor dem Jobcenter und zogen gemeinsam in Richtung Bahnhof.

Klötze. „Für Volksentscheid – gegen Asylchaos“ lautete das Motto der Demonstration, zu der die Alternative für Deutschland (AfD) am Sonnabend in Klötze aufgerufen hatte.

Rund 110 Leute nahmen nach Polizeiangaben daran teil und marschierten vom Parkplatz des Jobcenters an der Straße der Jugend aus über die Schützenstraße, den Schulplatz, die Bahnhofstraße zum Vorplatz des Klötzer Bahnhofs und riefen lautstark „Wir sind das Volk. “ André Poggenburg, Landesvorsitzender der AfD in Sachsen-Anhalt, sagte während der Kundgebung am Bahnhof, dass es sich bei der momentanen Flüchtlingssituation um eine unkontrollierte Masseneinwanderung handeln würde. Er warf Bundeskanzlerin Angela Merkel vor, mit ihrer Flüchtlingspolitik keinen Schaden von Deutschland abzuwenden, sondern hinzuführen. Sie würde damit ihren Eid brechen, so Poggenburg. Er kündigte an, dass weitere Demonstrationen vor Landtagen und dem Bundestag folgen würden.

Mit Straßenbesen kamen die rund 125 Asylbefürworter auf den Schulplatz, um den „Dreck“ aus der Stadt zu fegen.

Von AfD-Funktionär René Augusti, gegen den Die Grünen in der vergangenen Woche Anzeige wegen Volksverhetzung erstatteten (wir berichteten), distanzierte sich die AfD. Sie schloss ihn aus der Partei aus. Auf dem Schulplatz versammelten sich derweil etwa 125 Gegendemonstranten. Der Kuseyer Gemeindepädagoge Martin Zander hatte zu der Aktion aufgerufen. Mit eingeklinkt hatte sich Christian Franke (Die Grünen). Er hatte via Facebook und Twitter die Informationen zur Gegendemo verbreitet. „Die Veranstaltung soll aber nicht unter einem Parteilogo laufen“, betonte Franke. Er erklärte, dass AfD und Pegida mit der Angst der Menschen spielen würden und warnte vor verbaler Brandstiftung. „Es ist unsere Pflicht, den fliehenden Menschen zu helfen“, sagte er.

Mit Bannern und Schildern versammelten sich die Demonstranten der AFD auf dem Parkplatz vor dem Jobcenter und zogen gemeinsam in Richtung Bahnhof.

Vertreter von Kirche, Politik, der Jungen Gemeinde und der Stadt beteiligten sich an der Gegendemonstration und an den Kundgebungen. Sie kamen mit Straßenbesen, „um den braunen Dreck aus der Stadt zu fegen“, wie Martin Zander erklärte. Peter Fernitz warnte davor, den Menschen zuzuhören, die nur Hass verbreiten. „Vor 70 Jahren sind die Menschen aus den Ostgebieten genauso geflohen. Sie haben hier in der Altmark eine neue Heimat gefunden und wurden auch aufgenommen“, erzählte der CDU-Kreisvorsitzende.

„Wir brauchen eine Alternative für Deutschland. Wir sind diese Alternative und gegen Fremdenhass“, erklärte Pfarrer Bernd Schulz. „Fangt an zu denken!“, forderte er. Er gestand, selbst Angst vor der Situation zu haben, aber man dürfe vor dieser Angst nicht weglaufen, sondern sollte sie als konstruktive Kraft nutzen. Bernd Schulz mahnte auch, dass auf dem Rücken der schwierigen Flüchtlingssituation keine Parteipolitik betrieben werden sollte.

Pfarrer Bernd Schulz mahnte: „Fangt an zu denken!“

Auch zahlreiche Vertreter anderer Parteien und Einwohner der Klötzer Einheitsgemeinde äußerten sich auf der Kundgebung der Gegendemonstration und riefen zu Verständnis gegenüber den Asylsuchenden auf. Auffällig bei der AfD-Demonstration sowie bei der Gegendemo war, dass sich wenige Klötzer beteiligten. Eher Menschen aus den umliegenden Orten und von weiter her zog es zu den Kundgebungen. Von nun an soll es jeden Donnerstag um 18 Uhr ein Friedensgebet in der Köbbelitzer Kirche in Kusey geben, informierte Martin Zander zum Ende der Veranstaltung.

Obwohl beide Demonstrationsgruppen am Schulplatz und auf dem Bahnhofsvorplatz aufeinandertrafen, blieb die Situation ruhig. Lediglich zwei Böllerknaller registrierte die Polizei auf den Veranstaltungen am Bahnhof. Die jeweiligen Versammlungsleiter wurden von den Beamten entsprechend der Lage auf ihre Rechte und Pflichten hingewiesen.

Im Zeitraum des Umzuges durch die Stadt Klötze kam es zu zeitweisen, aber nicht bedeutenden Behinderungen im Straßenverkehr.

Von Katharina Schulz

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