„Alter Wein in neuen Schläuchen“

Größtenteils blieben die Altmärker bei der Altmarkkonferenz stille Zuhörer der Vorträge von Vertretern der Landesregierung und verschiedenen Institutionen. So ging es auch Heinrich Schmauch aus Beetzendorf (v. l.) und dem Klötzer Bürgermeister Matthias Mann.

Klötze. Von Monika Schmidt und Peter Lieske. Dass viel geredet werden würde, darüber waren sich im Vorfeld alle Teilnehmer an der Altmarkkonferenz am Montag klar. Überraschenderweise wurde aber am Ende auch noch diskutiert.

Das war zum Beispiel für den Beetzendorfer Bürgermeister und Kreistagspräsidenten Heinrich Schmauch der entscheidende Punkt der Zusammenkunft. Und diesem hätte seiner Ansicht nach viel mehr Raum eingeräumt werden müssen. Überhaupt: „Es heißt doch Altmarkkonferenz. Da sollte auch die Altmark als Region im Mittelpunkt stehen“, hätte sich der Beetzendorfer einen regionaleren Schwerpunkt der Konferenz gewünscht.

Pluspunkte bei allen Befragten hatte Landrat Michael Ziche gesammelt. „Die Rede war sehr couragiert“, schätzte Heinrich Schmauch ein. Positiv fand er vor allem, dass der Salzwedeler Landrat in seiner Rede alle Punkte, die im Vorfeld von den Vertretern des Städtenetzes erarbeitet wurden, aufgelistet und vorgetragen hatte. Geärgert hat sich der Kreistagspräsident dagegen über Finanzminister Jens Bullerjahn, der das Anliegen der Altmärker nicht verstanden hatte. „Wir wollen nicht die Geldmenge vergrößern, sondern einen veränderten Teilungsschlüssel für die vorhandenen Finanzen“, verdeutlichte Heinrich Schmauch. Große Sorgen bereitet ihm der Bevölkerungsrückgang, der als ein Redebeitrag von Manfred Maas von der Investitionsbank angesprochen wurde. Heinrich Schmauch teilt dessen Bedenken: „Ich habe Sorge, dass wir eines Tages nicht mehr als Bevölkerung wahrgenommen werden. Dann fallen wir aus den EU-Töpfen raus und sind nicht mehr förderfähig.“

Zumindest in Sachen Infrastruktur scheint es Hoffnung zu geben. So wünscht sich Heinrich Schmauch einen baldigen Ausbau der A 14 durch die Altmark. „Wir brauchen eine schlüssige Infrastruktur für die Region. Allein mit der Touristik können wir uns nicht halten“, warnte der Beetzendorfer. Durch die vielen Beiträge von Institutionen kam die eigentliche Diskussion seiner Ansicht nach jedoch viel zu kurz. „Es gab viele Allgemeinplätze“, stellte Heinrich Schmauch fest. Viel anderes hatte er aber auch nicht erwartet. „Es war wie alter Wein in neuen Schläuchen“, fasste er seine Erfahrungen mit der Altmarkkonferenz zusammen.

Auch dem Klötzer Bürgermeister Matthias Mann hatte der Auftritt von Landrat Michael Ziche gefallen. „Er hat die Themen aus den Punkt gebracht.“ Wichtig sei, dass die Altmark nicht als Bittsteller auftrat, sondern lediglich eine bessere Verteilung der Gelder wünsche. Ebenso positiv fasste er die Ansicht von Verkehrsminister Dr. Karl-Heinz Daehre auf, der die Erreichbarkeit Wolfsburgs für die Pendler aus der Altmark ansprach, vor allem dass er sich für das Aufleben des Öffentlichen Personennahverkehrs in Richtung Wolfsburg einsetzen will.

Finanzminister Jens Bullerjahn habe ihm „ein bisschen leid getan, weil die Realität keiner hören will“. Die Altmarkkonferenz habe Impulse gegeben nachzudenken, dass „weniger an manchen Stellen mehr sein kann“.

Ihm erschien wichtig, nicht nur zu hinterfragen, wie die Altmark ihre Zukunft gestalten will, sondern auch, wie sich der Gesetzgeber einbringen kann. Um Geld zu sparen, müsse dieser „Einfluss auf Regularien nehmen“. Es stelle sich die Frage, ob Straßen unbedingt die vorgeschriebene Breite haben müssen, ob die Brandschutzausrüstung und ob die Ausrüstung der Kitas in dem geforderten Umfang tatsächlich nötig sei. „Das Land ist gefragt, die Regularien zu lockern“, um auf die finanzielle Situation zu reagieren und zu sparen. Das Land sei gefordert, Impulse zu geben „bis zu der Frage: ,Brauchen wir noch das Land?‘“

Von der Altmarkkonferenz hätte er erwartet, dass „eine Eigenerkenntnis der Landesregierung notwendig gewesen wäre“. Zwar sei die Gebietsreform an der Basis durchgesetzt worden. So gibt es nur noch sechs Gebietskörperschaften im Altmarkkreis. „Irgendwann muss auch ein Synergieeffekt im Land zu erkennen sein.“

In jedem Fall sei es wichtig gewesen, miteinander zu sprechen, fasste Matthias Mann seinen Eindruck zusammen. „Wir haben weniger Geld und müssen darüber reden.“ Und dennoch habe er „den Eindruck, vielen ist die Situation noch nicht bewusst“.

Als Vertreter der Forstwirtschaft nahm der Leiter des Klötzer Betreuungsforstamtes Westliche Altmark, Helmut Jachalke, an der Konferenz teil. Der demografische Wandel wirke sich auch auf die Waldbetreuung aus. So verlassen auch Waldbesitzer die Region, deren Wald dennoch betreut werden muss. Bislang bewirtschaften viele Waldbesitzer, insbesondere Landwirte, ihre Wälder allein. In Zukunft wird es immer häufiger der Fall sein, dass andere Personen als die Waldbesitzer vor Ort vom Forstamt betreut werden müssen. So werden Modelle erarbeitet, wie die Betreuung in Zukunft vonstatten gehen kann, beispielsweise über die Forstbetriebsgemeinschaften. Dazu kommen die angesprochenen drei Milliarden Euro, die 2013 weniger im Land zur Verfügung stehen. „Das ist eine Hausnummer, auf die wir uns einstellen müssen“, so der Forstamtsleiter.

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