„Alle haben sich bewegt“

Als Sprecher des Gesamtelternkuratoriums der Kindertagesstätte in der Einheitsgemeinde Klötze erhielt Thorsten Abrokat am Mittwochabend im Hauptausschuss gleich zweimal Rederecht – auch als Zugeständnis des Bürgermeisters, weil sich die Eltern die Mühe gemacht hatten, einen eigenen Vorschlag zu erarbeiten und kompromissbereit waren.

Klötze - Von Monika Schmidt. „Kein Schaden ist so groß, dass er nicht noch einen Nutzen hat“, stellte der Klötzer Bürgermeister Matthias Mann am Dienstagabend fest.

Weil die Wasserverbandsversammlung nicht beschlussfähig war, konnte er doch an der Zusammenkunft teilnehmen, zu der er die Elternvertreter aus den Kindertagesstätten und die Kita-Leiterinnen eingeladen hatten. Und was er dort erlebte, hatte den Bürgermeister mehr als angenehm überrascht. Denn die Eltern der Einrichtungen hatten sich am Montag ohne Wissen der Verwaltung getroffen und einen eigenen Vorschlag für die neuen Kita-Gebühren und Öffnungszeiten der Einrichtungen ausgearbeitet. Dieser Vorschlag wurde von der Verwaltung geprüft und mit schneller Nadel zusammen mit den Verwaltungsvorstellungen zu einem Kompromissvorschlag ausgearbeitet, der dem Hauptausschuss am Mittwochabend zur Diskussion vorlag.

„Alle haben sich aufeinander zu bewegt. Meinen recht herzlichen Dank an die Elternvertreter“, lobte Matthias Mann. Respekt zollte er vor allem den Eltern aus der Lockstedter Kita, für die die Erhöhung der Beiträge den größten Sprung bedeutet. „Ich bin angenehm beeindruckt“, lobte der Bürgermeister weiter und betonte, dass diese Diskussions- und Kompromissbereitschaft Sinn und Zweck einer guten Zusammenarbeit zwischen Verwaltung, Stadtrat und Elternvertretung sei.

Einzig einem Anliegen der Eltern, nämlich die in Klötze gewohnten Öffnungszeiten von 10,5 Stunden beizubehalten, mochte der Bürgermeister nicht zu folgen. Die Erhöhung der Betreuungszeit über den gesetzlichen Rechtsanspruch von zehn Stunden hinaus verursacht zusätzliche Personalkosten. Zwei Vollzeitstellen mit Kosten von etwa 70 000 Euro müssten dann geschaffen werden, erläuterte Matthias Mann dem Hauptausschuss. Deshalb sollte es nur eine Regelbetreuungszeit von zehn Stunden in der Zeit von 6.30 bis 16.30 Uhr in allen Einrichtungen geben. Berufstätige Eltern, die es nicht schaffen, ihre Kinder in dieser Zeit zu bringen oder abzuholen, können Stunden zukaufen, denn alle Kindereinrichtungen der Stadt bieten eine Betreuung von 6 bis 20 Uhr an. Beim Zukauf von Betreuungsstunden folgte die Verwaltung im Kompromiss dem Elternvorschlag, nicht pro angefangene Stunde 15 Euro, sondern pro halber Stunde 7,50 Euro als monatlichen Zusatzbeitrag zu nehmen.

Akzeptiert wurde auch der Elternvorschlag, eine zusätzliche Betreuungszeit von acht Stunden einzuführen. Diese kann aber nicht von den Eltern gebucht werden, die nur einen Rechtsanspruch auf eine Fünf-Stunden-Betreuung haben. Ausnahme: Bei Elternzeit wird die Acht-Stunden-Betreuung ermöglicht, damit die Eltern mehr Zeit für ihr Neugeborenes haben.

Es sollen feste Betreuungszeiten beschlossen werden, um das Konzept Bildung elementar in allen Einrichtungen umsetzen zu können. Diese liegen bei 7.30 bis 12.30 Uhr für fünf Stunden, bei 7.30 bis 15.30 Uhr bei acht Stunden und bei 6.30 bis 16.30 Uhr bei zehn Stunden, so der Elternwunsch.

Ob die neue Acht-Stunden-Regelung angenommen wird, soll im Verlauf des kommenden Jahres getestet werden. Die Verwaltung machte vorsorglich auf die schwierige Kontrolle der Einhaltung der Zeiten aufmerksam. Aber einen Versuch sei es wert, befand der Klötzer Bürgermeister. Vor allem die Kita-Leiterinnen sind gefordert, die neuen Betreuungszeiten umzusetzen und die Dienstpläne so zu gestalten, dass auf Wunsch die Betreuung bis 20 Uhr gewährleistet ist. „Dann muss eben eine Erzieherin zwischendurch mal ein paar Stunden nach Hause gehen und dann zur Spätschicht wiederkommen“, erläuterte Matthias Mann das angestrebte Verfahren. Keine Kita-Leiterin sei dagegen gewesen, informierte der Bürgermeister aus Nachfrage von Carsten Behrend. Ganz im Gegenteil: Vor allem die festen Öffnungszeiten wurden begrüßt. „Vom Inhaltlichen her waren die Kita-Leiterin über den einheitlichen Beginn der Betreuungszeiten heilfroh“, hatte der Bürgermeister erfragt. So könne Bildung elementar besser umgesetzt werden, als wenn die Kinder nach und nach in der Einrichtung eintrudeln.

Wegen der ungewissen Finanzlage in der Zukunft wollte sich Matthias Mann nicht darauf einlassen, Zeiten und Beiträge für die nächsten zwei Jahre festzuschreiben. Ende 2011 soll Bilanz gezogen werden, wie die neue Regelung angenommen und umgesetzt wurde.

„Ich werde heute Nacht sicher ruhig schlafen können“, meinte Stefan Thodte. Mit dem Kompromiss könne er sehr gut leben. Einer Erhöhung des Krippenbeitrages auf 170 Euro für die Zehn-Stunden-Betreuung, wie es zunächst vorgeschlagen war, hätte er dagegen nicht zugestimmt.

Eine Empfehlung an den Stadtrat gab der Hauptausschuss am Mittwochabend nicht, dafür waren die Zahlen zu frisch. Die Entscheidung liegt beim Stadtrat.

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