Internationaler Installationskünstler Markus Heinsdorff will Ideen für Leader-Projekt entwickeln

Algenwelt: Knowhow aus München

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Im seit Jahren ungenutzten Achteck auf dem Klötzer Algenfarm-Gelände soll die weltweit erste Algenerlebniswelt entstehen.

Klötze. Algen mit allen Sinnen erlebbar machen – das ist das Ziel der ersten Algenerlebniswelt, die auf dem Gelände der Algenfarm Roquette Klötze entstehen soll.

Ein passendes Objekt ist mit einem seit Jahren leer stehenden Bürogebäude, dem sogenannten Achteck, vorhanden und auch von der Lokalen Aktionsgruppe (LAG) „Rund um den Drömling“ gab es mittlerweile grünes Licht für eine Leader-Förderung.

Markus Heinsdorff

„Das wird richtig schick“, ist Roquette-Geschäftsführer Jörg Ullmann überzeugt. Denn mit Markus Heinsdorff bekommen die Algenfarmer nun auch noch gestalterische Unterstützung von einem international tätigen Künstler. Der 63-jährige Münchner, der vor allem Natur und Raum zu seinen zentralen Themen gemacht hat, war schon an vielen Orten der Welt aktiv.

Textile Bauten – mobile Räume (2012/2013): Entwicklung von 16 Pavillon-Objektbauten (sieben Konstruktionstypen) für die Präsentation Deutschlands in Indien (Deutschlandjahr). Die Pavillons werden temporär in den fünf indischen Städten Mumbai, Bangalore, Chennai, New Delhi und Pune aufgebaut.

So entstanden in Auseinandersetzung mit anderen Kulturen Projekte, Installationen und Ausstellungen in Indien, Thailand, Indonesien, Vietnam, China, Taiwan, Ecuador, Brasilien, USA, Südafrika, Sansibar (Tansania) sowie zahlreichen europäischen Ländern – unter anderem im Rahmen des Aschberg-Programms der UNESCO, mit den Goethe-Instituten und dem Auswärtigen Amt. Bei seinen Projekten orientiert sich Heinsdorff an den lokalen Gegebenheiten des jeweiligen Landes und greift nicht selten auf Materialien aus der Umgebung zurück.

Red Lights (2012): Lichtinstallation im Millennium-Park in New Delhi (Indien). 
Deutsch-Chinesisches Haus (2010): Zweigeschossiger Bambus- undMembran-Bau als deutscher Pavillon für die Expo in Shanghai.

Die intensive Auseinandersetzung des Installationskünstlers mit dem Baustoff Bambus gipfelte unter anderem in dem für die Weltausstellung Expo 2010 in Shanghai konstruierten Deutsch-Chinesischen Haus, einem zweigeschossigen Pavillon mit 330 Quadratmeter Ausstellungsfläche. Dass Kunst zugleich auch praktische Dinge hervorbringen kann, beweist der Installationskünstler immer wieder, zuletzt unter anderem mit einer 2016 geschaffenen Wassertankstelle in Sansibar.

Wind-Wasserturm (2016): Wassertankstelle, kombiniert mit Windfangturm als zentrales Dorfobjekt in Michamvi (Sansibar).
Ocean Dome (2015): Permanente Installation aus 50 Drahtkörben und an Stränden von Kapstadt gefundenem Plastikmüll.

In Vorbereitung einer 2019 geplanten Ausstellung in München mit dem Arbeitstitel „Arten und Elemente“ stieß Heinsdorff nun auf das Thema Algen. „Ich sehe in ihnen ein unglaubliches Potenzial. Vor allem mit Blick auf die Ernährung der Weltbevölkerung“, erklärt der 63-Jährige, der auf seinen Reisen durch China und Afrika schon viele Slams gesehen hat, seine Beweggründe im AZ-Gespräch. Um sich mit einem Fachmann für Algen austauschen zu können, wandte sich der Münchner kürzlich an Jörg Ullmann, dem die Kontaktaufnahme sehr gelegen kam. Denn während Heinsdorff Ideen für das Achteck entwickelt, berät Ullmann den Künstler in Sachen Algen. Diese sollen auch im Rahmen der 2019er Ausstellung in München erlebbar gemacht werden. „Ich stelle mir ein nachgebautes Labor vor, außerdem werden wir in der Ausstellung mit Algen kochen“, umreißt der Münchner ein paar Ansatzpunkte.

Observatorium (2016): Achteckiges 8,5 Meter hohes Turmobjekt aus Vierkanthölzern in Csórompuszta (Ungarn).
Space Ship (2016): Temporäres Leichtbauobjekt vor der Pinakothek der Moderne in München zum Thema „low-cost Bauten“.

Der erste Vor-Ort-Termin für einen intensiveren Austausch ging vor ein paar Tagen in Klötze über die Bühne. Bei seiner Stippvisite blieb für den Naturfreund Heinsdorff auch Zeit für Abstecher in die nähere Umgebung, bei denen er sich vor allem von den rastenden Kranichen begeistert zeigte. „Schöne Vögel“, so der Münchner, der die Altmark auf jeden Fall wieder besuchen möchte. „Spätestens, wenn die Kraniche wieder ziehen.“

Von Matthias Mittank

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