Mit Unterstützung aus Klötze: Magdeburger Studenten entwickeln ersten Prototypen

Algenfarm für die Fensterbank

+
Spirulina wird unter anderem als Nahrungsergänzungsmittel verwendet. In einem von Jörg Ullmann (l.) unterstützten Hilfsprojekt in Kolumbien (Foto) wird die Mikroalge zur Bekämpfung von Mangelernährung bei Kindern eingesetzt. Bald soll jeder die Möglichkeit haben, Spirulina anzubauen. 

Klötze / Magdeburg. Was am Klötzer Stadtrand in den zusammen 500 Kilometer langen Glasröhren der Roquette-Algenfarm funktioniert, müsste auch in einem viel kleineren Maßstab für jedermann möglich sein.

Davon war Algenfarm-Geschäftsführer Jörg Ullmann schon lange überzeugt. „Wir bauen zu Hause Kresse und Basilikum an, warum nicht auch Mikroalgen“, so der Biologe. Gemeinsam mit Studenten der Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg ist die Idee von der Algenfarm auf der Fensterbank, mit der Spirulina-Algen (siehe Infokasten) für den Eigenbedarf produziert werden können, nun Wirklichkeit geworden. Das Konzept wird in dieser Woche auf der Hannover-Messe vorgestellt, der weltweit in dieser Form einzigartige Prototyp allerdings noch nicht. „Das hat patenrechtliche Gründe“, so Ullmann.

Initiiert wurde das Projekt von der Agrarmarketinggesellschaft Sachsen-Anhalt (AMG). Diese hatte im Rahmen eines Pilotprojektes herausfinden wollen, wie der Kontakt zwischen kleinen bis mittelständischen Unternehmen und Forschungsstellen im Land gefördert werden kann. Knapp 20 Studenten und Betreuer aus den unterschiedlichsten Fachrichtungen – von Betriebswirten über Designern bis hin zu Biotechnologen – machten sich gemeinsam mit Jörg Ullmann, der sich als Privatunternehmer und Ideengeber einbrachte, im Wintersemester 2017/18 ans Werk. Später stieg zudem das Magdeburger Max-Planck-Institut ein.

An sich, so weiß der Experte, sei der Anbau von Mikroalgen kein großes Problem. „Dafür würde auch eine umgedrehte Cola-Flasche und eine Aquarienbelüftung reichen“, erklärt Ullmann im AZ-Gespräch. Doch anders als bei Kresse oder Basilikum sehe man Mikroalgen nicht unbedingt an, ob sie genießbar sind. „Es könnten sich Bakterien oder giftige Blaualgen anhaften“, weiß der Algenfarmer. Aus diesem Grund ging es in dem Projekt nicht nur darum, eine an die Größe eines Kaffeevollautomaten heranreichende Algenfarm im Miniformat zu schaffen, die für optimale Licht- und Temperatur-Verhältnisse sorgt. Daneben wurde auch ein Gerät entwickelt, dass dem Nutzer anzeigt, ob das Produkt essbar oder ungenießbar ist. Die Steuerung laufe über eine speziell dafür programmierte Handy-App. Weitere Details, so Ullmann, können zum aktuellen Zeitpunkt jedoch nicht bekanntgegeben werden. Schließlich soll die Weltneuheit noch patentrechtlich geschützt werden.

Wie in dieser eingefärbten Kokosmilch ist Spirulina als natürlicher Farbstoff weit verbreitet. 

Neben der Möglichkeit, frische Spirulina-Algen für den Eigenbedarf zu produzieren – verwendbar unter anderem in Smoothies, auf Salaten und in Backwaren – hat Ullmann noch eine weitere Verwendung der in Magdeburg entwickelten Gerätschaften im Blick. So könnte gerade das neuartige Algen-Testgerät in einem von ihm unterstützten Hilfsprojekt in Kolumbien eine wertvolle Hilfe darstellen. Um Mangelernährung bei Kindern zu bekämpfen, fördert eine im Norden des südamerikanischen Landes ansässige Hilfsorganisation seit ein paar Jahren den Anbau von Spirulina-Algen in offenen Becken (AZ berichtete). Ein Problem vor Ort stelle bislang jedoch die fehlende Möglichkeit dar, die gewonnenen Mikroalgen schnell labortechnisch zu untersuchen.

Völlig neu ist die Verwendung von Spirulina-Algen als Lebensmittel übrigens nicht. Ganz im Gegenteil: „Schon die Azteken haben Spirulina genutzt und rund um den Tschadsee wird die Alge seit eh und je geerntet“, weiß Ullmann.

Von Matthias Mittank

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare