Beregnungsverband Westliche Altmark im zweiten Anlauf gegründet

„2013 müssen wir bauen“

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Bis die Landwirte am Drömling ihre Felder künstlich beregnen können, ist es ein steiniger Weg. Gestern wurde – zum zweiten Mal – ein Beregnungsverband gegründet. Ob die Wasserentnahme ausgeglichen werden kann, soll bis Oktober ein Gutachten klären.

Kunrau. Sie wollen das, was für jeden Gärtner selbstverständlich ist. 38 Landwirte und Flächeneigentümer haben gestern im Kunrauer Schloss einen Beregnungsverband gegründet.

Gemeinsam wollen sie die Voraussetzungen schaffen, um 1365 Hektar Land in den Gemarkungen Köckte, Kunrau, Kusey und Wendischbrome künstlich zu bewässern.

Für die Landwirte ist es ein hindernisreicher Weg. Am 8. März war der Beregnungsverband Westliche Altmark schon einmal gegründet worden. Weil der Altmarkkreis als wasserrechtliche Genehmigungsbehörde nachträglich Formfehler feststellte – unter anderem hätten Unterlagen auch im Bördekreis ausgelegt werden müssen – wurde die Verbandsgründung nicht rechtskräftig (AZ berichtete).

Dabei sind die unvorhergesehenen juristischen Stolpersteine noch die geringste Hürde. Denn ob der Altmarkkreis Salzwedel die Wasserentnahme für die Wasserkanonen genehmigt, hängt vor allem davon ab, wie sie sich auf den Naturhaushalt des Drömlings auswirkt. Die Kulturlandschaft, ihre Pflanzen und Tiere sind ohne die Gräben und den hohen Wasserstand im Naturpark gar nicht denkbar.

„Grundsätzlich kann der Drömling eine Wasserentnahme nicht verkraften, ohne eine Kompensation zu schaffen“, erklärt Fred Brauer. Der Leiter der Naturparkverwaltung in Oebisfelde hat deshalb ein Gutachten in Auftrag gegeben. Es soll im Detail klären, wie sich die Wasserentnahme auf das Biosphärenreservat in spe auswirkt und wie der Wasserstand wieder aufgefüllt werden kann. Dafür kommt vor allem der Mittellandkanal in Frage, der aus Elbe und Weser gespeist wird. Weniger realistisch, so Braumann, sei die Idee, das Ohre-Winterhochwasser speichern zu können. Das Gutachten der Berliner Gesellschaft für Wasserwirtschaft und Systemforschung (WaSy) erwartet Braumann im Oktober.

Schon in den Neunzigerjahren hatten sich mehrere Landwirte um Beregnungswasser aus dem Drömling bemüht. Doch alle Anfragen wurden von der damaligen Bezirksregierung Magdeburg abgelehnt.

Tilmann Schwartzkopff, einer der drei Initiatoren des Beregnungsverbands, hofft nun, dass es keine weiteren Verzögerungen gibt. „Uns sitzt die Zeit im Nacken, weil uns Fördermittel zugesagt wurden. 2013 müssen wir bauen“, erklärte er der Altmark-Zeitung am Rande der nichtöffentlichen Verbandsgründung. Zuerst werde man die Brunnen und Leitungen anlegen, gegen die es keine Einwendungen von Seiten des Naturschutzes gebe.

Eine wichtige Hürde wurde gestern schon einmal genommen. Nach Veröffentlichung im Amtsblatt am 24. Oktober können die Beteiligten einen Vorstand wählen. Das geschieht auf der ersten Verbandsversammlung am 12. November. Es wäre der erste Beregnungsverband in Sachsen-Anhalt.

Von Gerhard Sternitzke

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