1 : 0 im Minirock

Gunnar Leue (l.) brachte einen Ball von Fortuna Düsseldorf mit. Dieser erzählt eine eigene Sponsorgeschichte. Frank Ulrich präsentierte das Buch seines Freundes.

Immekath - Von Peter Lieske. Auf eine den ersten Anschein nach ungewöhnliche Verknüpfung ist Gunnar Leue gestoßen. Der gebürtige Altmärker erforschte das Zusammenspiel von Fußball und Musik.

„Nirgendwo wird die Brüderschaft so gefeiert wie im Rock and Ball“, schreibt der 47-jährige Berliner, dessen Wurzeln in Seehausen zu finden sind, in seinem Buch „Football‘s Coming home“. Das Buch über „Die großen Momente der Fußballpopgeschichte“, wie es im Untertitel heißt, stellte der Journalist am Freitagabend in Immekath vor. Die Kulisse in der Gaststätte „Zu den Linden“ war bescheiden, wie Gastgeber Frank Ulrich enttäuscht feststellen musste. Der Immekather ist die Schlüsselfigur zum Auftritt des Autors in der Altmark-Gemeinde, wo Gunnar Leue schon beim Scheunenfest gefetet hat, denn der Berliner und der Immekather kennen sich sehr gut. Gemeinsam haben sie die Armeezeit verbracht, wie der Gast aus der Bundeshauptstadt den aufmerksamen Zuhörern verriet.

90 Minuten pure Unterhaltung lagen vor den Gästen, denen der Autor am Ende zwei kleine Zugaben und sogar ein Quiz gönnte.

Fußball und Musik? – Im ersten Augenblick kommen die Auftritte der Fußballnationalmannschaften vor Weltmeisterschaften in Erinnerung. Doch diese mitunter fragwürdigen Gesangsbeiträge sind bei Weitem nicht alles, was die Musikszene im Fußball zu bieten hat, wie bei dem abendlichen Streifzug durch die Fußball-Pop-Geschichte deutlich wurde.

Dem Zuhörer wurde schnell klar: Er kannte viel mehr Zusammenhänge, als ihm bewusst war – ob Theo Lingens Theodor im Fußballtor oder die Erkenntnis von Frank Schöbel im Weltmeisterschafts-Song 1974, dass der Fußball rund wie die Welt ist. Es wäre bei einer Aufzählung der Titel mit den Fußball-Interpreten geblieben, wenn nicht eigene Recherchen und Interviews des Journalisten dem Buch den Unterhaltungswert verliehen hätten. Die Gäste schmunzelten in Immekath, als Gunnar Leue von den feschen Mädchen im Minirock erzählte, die den DDR-Star Frank Schöbel beim Fußball-WM-Auftritt in der Bundesrepublik begleiteten, während die bundesdeutsche Fußballnationalmannschaft von einer Moselschen Volkstrachtengruppe begleitet wurde. Dass die DDR somit schon vor dem Sparwasser-Tor das Prestigeduell gegen die Bundesrepublik gewonnen hatte, brauchte der Autor den Gästen nicht zu erzählen.

Der Berliner Journalist erzählt in dem Buch die Geschichte vom Fußball-Hit „We‘ll never walk alone“, über einen stets fröhlichen Franz Beckenbauer, der sich maßlos über die „Toten Hosen“ ärgerte, und über Herbert Grönemeyer, der dem VfL Bochum mit seinem Auftritt im Stadion vor dem Anpfiff des Spiels mit seiner Hymne „Bochum“ zum Sieg verhelfen wollte. Doch die Bochumer, die sich ansonsten mit diesem Titel zu Höchstleistungen animieren lassen, verloren das Spiel gegen Werder Bremen mit 0 : 6.

Unzählige Anekdoten, wie die von einer 1988 herausgebrachten deutsch-deutschen Single mit den Hymnen von Hertha BSC und dem 1. FC Union Berlin, sowie den rauschenden Meisterfeiern des Mielke-Lieblingsklubs BFC Dynamo mit Weststar-Besetzung geben dem Buch einen hohen Unterhaltungswert.

Nicht minder unterhaltsam war der Abend, denn nur wenig las Gunnar Leue aus dem Buch tatsächlich vor. Vielmehr erzählte er Geschichten, untermalte diese mit Bildern und spielte Radio-Beiträge ein, die aus dem Buch stammen.

Dank der unprofessionellen Unterstützung seines Freundes Frank Ulrich am Dia-Bildwerfer kam ein stimmungsvoller Abend mit einer besonders persönlichen Note zustande. Und dem Gast aus Berlin waren seine Wurzeln deutlich anzumerken. So war sein Wunsch, mit seinem Buch häufiger zu Lesungen in die Altmark zu kommen, nur zu gut nachzuvollziehen.

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