Kalbenser Gewerbestammtisch und Karsten Ruth sprechen über Kalbes Zukunft, Gegenwart und gemeinsame Projekte

Von WLAN, Wohnraum und Wetten

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Kalbes Bürgermeister Karsten Ruth informierte den Stammtisch über kommunale Themen und beantwortete allerhand Fragen. 

Kalbe. Im frisch renovierten Café Friedenseck trafen sich am Mittwochabend die Mitstreiter des Kalbenser Gewerbestammtisches. Zu Gast war diesmal Kalbes Bürgermeister Karsten Ruth.

Die Runde nutzte die Gelegenheit, um sich über die aktuelle kommunalpolitische Situation informieren zu lassen und einige andere Themen wie zum Beispiel den Erhalt der Kalbenser Altstadt, W-LAN-Hotspots oder auch die Situation der Tourist-Info anzusprechen. Und um den Bürgermeister zu einer Wette zu bewegen.

Die Mitstreiter des Kalbenser Gewerbestammtisches trafen sich am Mittwochabend im frisch renovierten Café Friedenseck und sprachen Themen wie die Altstadt, Förderungen und noch vieles mehr an.

Seine zentrale Vision für die kommenden Jahre seiner Amtszeit und darüber hinaus sei es, den Bestand der Einheitsgemeinde zu sichern: „Wir müssen alles tun, um Kalbe so solide aufzustellen, dass sich das Land denkt ‘Da läuft es rund. Wenn wir daran etwas ändern, ist der Schaden größer, als der Nutzen’“, erklärte Karsten Ruth am Mittwochabend beim Gewerbestammtisch. Auf dieses Ziel wurde auch bisher hingearbeitet, zum Beispiel durch Schuldenabbau oder auch wichtige Investitionen in die Infrastruktur, Kitas und Schulen: „Heute sind wir eine Kommune, die nicht auf dem letzten Loch pfeift“, so Ruth.

Neubaugebiet und Erhalt der Altstadt

Was allerdings Sorge bereite, seien die rückläufigen Einwohnerzahlen. Allerdings mache sich der Trend bemerkbar, dass es junge Menschen wieder in ihre Heimat zurückzieht: „Junge Familien verlangt es nach Bauplätzen“, erklärte der Bürgermeister und erzählte, dass die Stadt vorhabe, den Bereich zwischen KfL-Gelände und Eugenie-Schildt-Straße als Eigenheimbaugebiet auszuweisen. Zehn bis zwölf Parzellen sollen dort geschaffen werden, dies beseitige nicht nur einige „Schandflecke“, sondern „schließt auch eine Baulücke“, so Ruth.

Eigentlich sei aber genügend Wohnraum da, den „junge Leute übernehmen könnten“, so Ralf Falk, der damit die Altstadt in Kalbe ansprach. Die Altstadt ist ein denkmalgeschütztes Ensemble, es gibt aber auch sehr viele Einzeldenkmäler. Die Auflagen, die der Denkmalschutz von potenziellen Käufern fordert, sind oft abschreckend. „Das kostet“, so Dirk Dornblüth. Die meisten Häuser der Altstadt sind in privatem Eigentum, die Kommune habe kein Recht dazu, einen Eigentümer, der ein Haus verfallen lässt, dazu zu zwingen, sich um sein Eigentum zu kümmern, erklärte Ruth – Anschreiben der Stadt würden häufig einfach ignoriert. Dass etwas getan werden müsse, um die Altstadt zu erhalten, darüber waren sich alle einig. Corinna Köbele schlug die Variante einer Arbeitsgruppe (AG) vor – nach dem Vorbild einer AG in der Stadt Werben –, die sich mit den Eigentümern in Verbindung setzt, die Häuser vor dem weiteren Verfall sichert, teilweise auch Haus-Patenschaften übernimmt und die Häuser weitervermittelt. Zum Beispiel an Menschen, die in Ballungsgebieten leben, ihre Wochenenden aber auf dem Land verbringen möchten. Dies sei generell zwar eine gute Sache, es erhalte für einige Zeit auch die Häuser, aber „kommunalpolitisch nützen uns Wochenendgäste nicht viel“, erwiderte der Bürgermeister.

Auch problematisch sei es, sich wieder ausschließlich auf das Ehrenamt zu verlassen. Dies sei in Kalbe außerordentlich groß, so der Bürgermeister, wofür er mehr als dankbar sei. Doch seien es oft dieselben Akteure, die sich für verschiedene Sachen engagieren, man dürfe dies nicht überstrapazieren.

„Das nutzen, was da ist“

Denn ein weiterer Vorschlag in der Runde am Mittwochabend waren zentrale Ansprechpartner oder Beiräte, die wissen, welche Auflagen bestehen, an wen man sich – auch in den Dörfern – wenden muss, wenn man Interesse an einem Grundstück hat oder welche Fördermöglichkeiten es gibt. So schilderte Franziska Klotz, die mit ihrem Mann im vergangenen Jahr einen Vier-Seiten-Hof in Engersen und dazu mehrere Hektar Land, welches über 20 Jahre brach lag, gekauft hat, dass sie große Probleme hatte, in Erfahrung zu bringen, wie sie für besagtes Land eine Flächenprämie erhält. Auskunft dazu konnte ihr am Mittwoch Kalbes Ortsbürgermeister Heiko Gabriel geben, der in diesem Zuge betonte, dass die Bürger das nutzen sollten was bereits da ist, nämlich die Einwohnerfragestunden im Zuge der Ortschaftsratssitzungen oder anderer Gremien wie dem Stadtrat, statt wieder neue Gremien zu gründen. Dem stimmte Ines Garz zu: „Wir nutzen das viel zu wenig.“

„Wenn ich nicht mehr weiterweiß, gründe ich einen Arbeitskreis“, schmunzelte Frank Tepper und sprach damit das Thema WLAN-Hotspots in Kalbe an. Der erste offene Zugang zum Internet wurde im vergangenen Jahr schon im Kalbenser Freibad freigeschaltet. Nun solle sich ein Arbeitskreis mit der weiteren Organisation des Freifunks beschäftigen, unter anderem in Erfahrung bringen, welche Soft- und Hardware nötig sei, wo Zugänge geschaffen werden, und „alles sauber abklären“, so Tepper. Dass dies zwingend erforderlich sei, darauf machte auch der Bürgermeister aufmerksam. Denn noch immer sei gesetzlich nicht vollständig klar, wie man sich als Betreiber eines offenen WLAN-Hotspots von der Haftung bei Betrugsfällen – wenn ein Nutzer den Zugang zum Beispiel für illegale Downloads nutzt – vollständig befreit. Der Stadtrat habe sich dazu bereits positioniert und werde nicht aktiv, solange diese wichtigen Fragen nicht ausgeräumt sind.

Kinderleichte Wette

Zum Ende des Abends äußerte Frank Tepper im Namen des Gewerbestammtisches noch einen besonderen Wunsch: „Wir wünschen uns, dass der Bürgermeister den Kindern eine Wette anbietet“. Vorbild sei die Kinderstadtwette, die der Uelzener Bürgermeister Jürgen Markwardt, wie auch sein Vorgänger Otto Lukat, jedes Jahr mit den Kindern eingehen. Zum Beispiel 800 Kilo Äpfel zu sammeln, aus denen dann Saft gemacht wird. Die Wetten haben einen guten Zweck, „sie sind immer eine Riesengaudi und eine Bereicherung für das gesellschaftliche Leben. Deiner Fantasie sind keine Grenzen gesetzt und wir unterstützen“, forderte Tepper Karsten Ruth heraus. Ob und wie diese Wette aussehen wird, darüber macht sich der Bürgermeister nun Gedanken. Vielleicht heißt es dann bald: „Top, die Wette gilt!“

Von Hanna Koerdt

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