Bibliothekarin Heidrun Kühnel geht 2019 in Rente – Stadtrat muss dann über Zukunft der Bibliothek entscheiden

Was wird aus Kalbes Bibliothek?

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Es gibt wieder 22 mehr registrierte Leser in der Kalbenser Bibliothek. Doch wie lange können sie sie noch besuchen, denn Heidrun Kühnel geht 2019 in Rente. Und dann wird Kalbes Stadtrat entscheiden müssen, ob die Bibliothek überhaupt erhalten werden soll. 

Kalbe. In diesem Jahr feiert Kalbes Bibliothekarin Heidrun Kühnel ihr 40. Dienstjubiläum. Im kommenden Jahr geht sie dann aber auch in Rente.

Und dann wird die Stadt darüber entscheiden müssen, ob eine neue Bibliothekarin eingestellt oder die Bibliothek als Institution der Mildestadt aufgegeben wird.

Heidrun Kühnel ist selbst überrascht, dass die Leserzahl im vergangenen Jahr wieder leicht angestiegen ist. Denn – und sie blickt schließlich auf langjährige Erfahrungen zurück – die Leserzahlen gehen nicht nur in der Kalbenser Bibliothek eigentlich seit vielen Jahren zwar schleichend, aber doch zurück. Vielleicht durch die heutige Schnelllebigkeit, durch das Internet und die riesige Menge an Informationen, die sich viele nur noch dort holen, durch Smartphones, die manchen ja fast schon an ihren Händen angewachsen sind. 226 Benutzer hat die Kalbenser Stadtbibliothek. Diejenigen, die in einem Jahr nichts ausgeliehen haben, werden nicht mitgezählt, so Heidrun Kühnel. Es sind 22 Leser mehr als im Vorjahr 2016. Es gab 34 Neuanmeldungen zu verzeichnen. Die meisten Leser der Bibliothek, die sich in den Räumlichkeiten des Kulturhauses befindet, sind Kinder mit einer Zahl von 112 registrierten Bücherwürmern und mit einer Zahl von 42 auch Rentner ab 60 Jahren.

Aus 15.980 Medien können die Leser das Richtige für sich wählen. Ob nun den Agatha-Christie-Krimiklassiker oder die neueste Ausgabe der Lucinda Riley-Romanreihe „Die sieben Schwestern“, „Die Perlenschwester“, die seit November in der Bibliothek verfügbar ist. Die Familiensaga ist zur Zeit besonders beliebt, weiß Heidrun Kühnel. In der Bibliothek gibt es neben Büchern auch DVDs, CDs und PC-Spiele. Wobei Heidrun Kühnel 2017 viele CDs und Computerspiele aussortiert hat, weil „sie nicht laufen“. PC Spiele gibt es oft als Download und mit einem Diskman laufen nur noch Nostalgiker durch die Straßen. Auch wenn Musik-CDs bei vielen heutzutage Auslaufmodelle sind, verhält es sich mit Hörbüchern wieder ganz anders. Sie werden zahlreich entliehen, so Kühnel, besonders die von Wladimir Kaminer, „vielleicht weil er so angenehm spricht“, überlegt die Bibliothekarin mit einem Schmunzeln.

Ab Juni 2019 wird Heidrun Kühnel wohl nur noch als Leserin in die Bibliothek kommen. Wenn es sie denn noch geben wird, denn die Zukunft der Institution ist nicht sicher. „Es gibt darüber schon lange extrem kontroverse Ansichten im Stadtrat“, sagt Kalbes Bürgermeister Karsten Ruth auf Nachfrage der Altmark-Zeitung. „Wir müssen dann eine Zäsur machen und entscheiden.“ So muss betrachtet werden, dass die beiden Schulen in der Stadt eigene kleine Bibliotheken eingerichtet haben. Und inzwischen stellen elektronische Medien eine starke Konkurrenz zum gedruckten Buch dar. Und letztlich ist es so, dass die Bibliothek ein freiwilliges Angebot der Stadt ist und „sich nicht kostendeckend darstellen lässt“, so Karsten Ruth.

„Meine persönliche Auffassung ist, dass man darum kämpfen sollte, die Bibliothek zu erhalten. Vor allem, um Kinder an Literatur in gedruckter Form heranzuführen. Es gehört für mich zur kulturellen Aufgabe einer Stadt, dies anzubieten.“ Darüber hinaus sei eine Bibliothek ein Pluspunkt für Kalbe als Grundzentrum der Einheitsgemeinde und ein wichtiger Faktor im Kulturhaus. Mit finanziellen Fördermitteln wurde einst die Bibliothek im Kulturhaus eingerichtet, so wie auch die Begegnungsstätte und ein Kinderspielplatz gebaut, damit dort etwas für Jung, Alt und generationsübergreifend angeboten wird. „Und dieser Gedanke lebt fort“, so Ruth. Er habe auch Sorge vor einem optischen Verfall des Kulturhauses und weiteren Folgen: „Wir haben ohnehin Schwierigkeiten mit dem Kulturhaus und dann noch mehr Leerstand?“

Von Hanna Koerdt

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