1. az-online.de
  2. Altmark
  3. Kalbe

„Wir können hier als Großfamilie leben“

Erstellt: Aktualisiert:

Kommentare

null
Justin Bastian, Franzi, Florian, Dominic, Simon und Dominik zeigten am Sonnabend mit Handpuppen und Liedern ein tolles Programm. Die Kinder fühlen sich in der Arche Noah wohl. © Baumann

mao Altmersleben. „Ich wollte meinen Kopf durchsetzen und zurück zu meiner Familie. Jetzt weiß ich, dass ich es hier besser gehabt hätte. “ Sandra Engler ist mittlerweile 25 Jahre alt. Mit 14 Jahren kam sie von Dessau nach Altmersleben und lebte dort für zwei Jahre.

„Ich habe hier nur positives erlebt. “ Gute Erfahrungen, Rückhalt und etwas Lernen für die Zukunft – das ist es, was Sandra im Kinderheim Arche Noah in Altmersleben erfahren hat. Am Sonnabend kam sie wieder in die Einrichtung. Denn das Kinderheim gibt es seit 15 Jahren. Das haben die neun Kinder, die Erzieher, ehemaligen Bewohner und Mitarbeiter sowie Familien der Kinder und einige Gäste mit einem kleinen Grillfest gefeiert.

Auch für den 18-jährigen Silvio ist am Sonnabend ein Blick zurück auch ein Blick in eine gute Zeit. Mit drei Jahren ist er mit seinen drei älteren Brüdern Gregor, Daniel und Marcel 1997 nach Altmersleben gekommen. In dem ehemaligen Pfarrhaus sind die vier Jungs von Manfred und Christin Viehmann aufgenommen wurden. Nach zwei Jahren hat Axel Kleinau aus Möckern die Leitung des Heimes übernommen. Weitere drei Kinder sind in das Heim eingezogen. Dabei sei der Start des Kleinstheimes nicht einfach gewesen, erzählt Bernd Pawelski am Sonnabend. Er ist damals Bürgermeister in Altmersleben gewesen. „Ich erinnere mich an Bürgerproteste. Alle waren gegen das Entstehen des Heimes“, erzählt er. Doch es habe sich hier „alles toll entwickelt“. Zum fünfjährigen Jubiläum hätten sich damals über 200 Dorfbewohner das Heim angeschaut. „Die Leute waren begeistert und haben applaudiert für das, was dort für Kinder geschaffen wurde“, so der ehemalige Bürgermeister. Auch für Silvio hat sich mit den Jahren viel verändert. Seine drei großen Brüder haben das Heim verlassen. Nur er ist geblieben und ist für viele andere Kinder, die dort leben oder gelebt haben, selbst zu einem großen Bruder geworden. Er hat seinen Schulabschluss gemacht. Seit zwei Jahren absolviert Silvio in Jahrstedt eine Ausbildung zum Fleischer. In wenigen Wochen wird er in eine eigene Wohnung ziehen und auf eigenen Beinen stehen. „Ich bin meinen Erziehern sehr dankbar für das, was sie für mich getan haben. Ich habe hier sehr viel gelernt“, so der 18-Jährige.

Es habe Höhen und Tiefen für das Heim gegeben, erzählt Manuela Klein, die 2009 die Leitung übernommen hat und in diesem Jahr ihr 10-jähriges Betriebsjubiläum feiert. „Wir hatten auch schon Probleme mit den Dorfbewohnern, weil sich einige unserer Kinder sich nicht richtig verhalten haben, aber sie haben es immer wieder ausgebügelt“, so die Leiterin. „Wir haben es geschafft, das Heim hier in Altmersleben gut zu integrieren. Ab heute sind wir in der pubertären Phase. Mal schauen, was uns jetzt noch erwartet“, resümiert und blickt Britta Fischer, Geschäftsführerin des AWO-Sozialdienstes Altmark, in die Zukunft.

Auch Sandra hat ihr Leben in die eigenen Hände genommen. Mittlerweile ist sie selbst Mama. Ihr Sohnemann Fabrice ist drei Jahre alt. Die junge Frau hat ihren Schulabschluss gemacht und absolviert derzeit eine Ausbildung zur Verkäuferin.

Damit ist sie ein gutes Vorbild für die anderen sieben Jungen und ein Mädchen, die in der Arche Noah leben. Am Sonnabend haben die Kinder gezeigt, dass sie in der Einrichtung einiges lernen. Neben alltäglichen Erledigungen im Haushalt oder einfachen erzieherischen Maßnahmen, vermitteln die Erzieher auch, dass die Kinder selbst Dinge erlernen können. Und das haben die Sprösslinge getan. Tolle Lieder von Lazy Town haben sie einstudiert. Dabei haben sie von Teamwork, die man immer gemeinsam macht, gesungen. Teamwork untereinander scheint in Altmersleben zu funktionieren. Nicht nur unter den Kindern, sondern auch zwischen den Sprösslingen und Erziehern. „Dass das Team hier so zusammenhält, ist toll. So können wir hier wirklich als Großfamilie zusammen leben“, sagt Fischer abschließend und überreicht den Mitarbeitern zum Jubiläum ein Geschenk.

Auch interessant

Kommentare