„Wir knipsen alle den Lichtschalter an“

Anhand einer Übersichtskarte konnte sich der Ortschaftsrat am Donnerstag darüber informieren, in welchem Gebiet möglicherweise neue Windanlagen entstehen werden.

Kakerbeck - Von Gesine Biermann. Wie viele es werden, ist noch nicht klar. Die Betreibergesellschaft des Windparks nahe Kakerbeck möchte diesen allerdings gern aufstocken. Größere und effizientere Windräder sollen hier aufgestellt werden. Am Donnerstagabend stimmte der Ortschaftsrat trotz Bedenken der Maßnahme zu.

27 Windkraftanlagen drehen sich seit einigen Jahren östlich der Ortslage Kakerbeck. Rund 92 Hektar groß ist das Areal, einschließlich der so genannten Pufferzone. Und nun sollen es wohl bald noch einige mehr werden. Das zumindest plant der Betreiber des Windparks.

Und dazu hatte der Ortschaftsrat des Kalbenser Ortsteiles nun eine Stellungnahme abzugeben. Dass ihre Entscheidung keinen großen Einfluss hat, dessen waren sich die Ortschaftsräte indes bewusst: „Selbst wenn wir nein sagen, werden die doch nicht anders entscheiden“, so Ortschef Ulf Kamith.

Windkraft sei „politischer Wille“, wusste auch Ratsherr Steffen Lötge. „Schön finde ich die Dinger auch nicht“, aber „Widerstand dagegen wäre wohl noch mehr ein Kampf gegen Windmühlen als der gegen die B 71“, sei er sicher. Seit Jahren kämpft eine Kakerbecker Bürgerinitiatve gegen die Lärm- und Abgasbelastung, die von der viel befahrenen Bundesstraße ausgehen.

„Der Krach der Straße“, bestätigte auch Ratsfrau Christel Gille, „stört ja nun wirklich mehr als der der Windanlagen“. Sie wollte allerdings wissen, ob an den – in der Vergangenheit viel zitierten – gesundheitlichen Auswirkungen „etwas dran“ sei.

Der Fachmann im Ort, Allgemeinmediziner Dr. Hans-Peter John, konnte dies nicht bestätigen. Es gebe zwar solche Aussagen, „mir ist darüber aber nichts bekannt“, versicherte John, der auch in Kakerbeck praktiziert.

Kamith führte ein weiteres Argument pro Windanlagen an: „Es ist ja auch nicht umsonst, wenn sie die Dinger hierher stellen.“ Denn üblicherweise profitieren Kommunen über frei verhandelbare so genannte Gestattungsverträge finanziell von Windkraftanlagen.

Deutlich gegen die Aufstockung sprach sich hingegen Ortschaftsrat Mirko Steinig aus. „Ich weiß, dass wir nicht viel bewirken können, aber wir müssen in unserer Stellungnahme trotzdem klar machen, dass wir die Dinger nicht wollen!“, forderte er.

Und dementsprechend soll die Mitteilung an den Einheitsgemeinderat in Kalbe nun auch formuliert werden. Der Tenor werde sein: „Wir sind keine Freunde davon, aber wir werden uns nicht dagegen wehren“, so Ulf Kamith.

„Gibt es denn überhaupt irgendwo positive Meinungen dazu?“ wollte Ratsfrau Christel Gille wissen. „O ja. Und zwar dort, wo ein Atomkraftwerk vor der Tür steht“, versicherte Amtskollege Steffen Lötge. „Und machen wir uns nichts vor, wir knipsen alle den Lichtschalter an. Irgendwo muss die Energie ja schließlich herkommen.“

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