„Wir haben hier eine absolute Notsituation“

Wo sonst schwere Landwirtschafts- und Forstgeräte passieren können, gibt´s kein Durchkommen mehr: FBG-Chef Hans-Joachim Lüdecke auf dem Weg von Altmersleben nach Vietzen.

Kalbe - Von Conny Kaiser. Die Situation ist dramatisch. Hans-Joachim Lüdecke, Vorsitzender der Forstbetriebsgemeinschaft (FBG) Kalbe, schätzt die Waldschäden, die durch die jüngsten Wetterkapriolen entstanden sind, „mindestens ebenso hoch“ ein wie die, die der Orkan „Kyrill“ im Januar 2007 verursacht hat. Und es sind dringend einige Sofortmaßnahmen notwendig, zu denen der FBG-Chef aufruft.

„Der Jahresplan sieht vor, dass wir 15 000 Festmeter Holz vermarkten. Aber uns ist da jetzt ein gehöriger Strich durch die Rechnung gemacht worden“, sagt FBG-Chef Hans-Joachim Lüdecke und blickt mit sorgenvoller Miene auf die riesigen Waldschäden, die der Eisregen und der Schnee der vergangenen Tage verursacht haben. „So gut wie jede zehnte Baumkrone ist abgebrochen.“ Der Schaden werde besonders deutlich, wenn man tiefer in den Wald blicke, so Lüdecke.

Nun gehe es darum, Sofortmaßnahmen zu ergreifen. Er habe deshalb auch schon ein Gespräch mit dem Kreis in persona von Dezernatsleiter Hans Thiele geführt. Er sei für den Bereich der öffentlichen Ordnung und Sicherheit zuständig und habe ihm zugesichert zu prüfen, welche Möglichkeiten es gebe, jetzt flink zu reagieren. „Denn wir haben hier eine absolute Notsituation“, so Lüdecke gestern gegenüber der AZ.

Damit auch die Waldbesitzer entsprechend eingreifen könnten, müssten erst einmal die Wege beräumt werden. Vielleicht könne dies ja mithilfe von Arbeitskräften erfolgen, die in so genannten Sanierungsgesellschaften tätig seien und deren Einsatz über die Agentur für Arbeit gefördert werde. Er erhoffe da auf jeden Fall Unterstützung durch den Kreis, so Lüdecke weiter. Denn so wie es jetzt sei, könne es nicht bleiben.

Zudem fordert der FBG-Chef die Waldbesitzer auf, sich unbedingt einen Überblick über die entstandenen Schäden auf ihren Flächen zu machen und sich dann mit den Revierförstern beziehungsweise mit der FBG in Verbindung zu setzen, um nach Möglichkeiten einer Beräumung zu suchen. Dabei sei die Frage zu klären, ob der jeweilige Waldbesitzer – insgesamt sind mehr als 800 in der FBG organisiert – das angefallene Holz selbst verwerten wolle oder ob er es für den Markt zur Verfügung stelle. Denn die FBG habe ja dafür einen entsprechenden Vertrag, so ihr Vorsitzender.

Er will am heutigen Montag auch mit dem zuständigen Forstamt sowie mit den betreffenden Revierförstern über die weitere Verfahrensweise sprechen. Denn Fakt sei, dass umgehend etwas geschehen müsse. Natürlich in erster Linie, damit die Wege wieder passierbar würden, aber auch damit die Schadbäume nicht für einen verstärkten Schädlingsbefall in der bevorstehenden Saison sorgen würden. Genau das sei nämlich zu erwarten, wenn keine Beräumung stattfinde.

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