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VSR-Gewässerschutz: Ergebnisse der Brunnenwasseruntersuchung in Kalbe liegen vor

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Von: Lea Weisbach

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Ein Mann und eine Frau stehen an einem Stand, wo ein Mann sie berät. Ein anderer Mann untersucht Wasserproben.
Matthias Ahlbrecht (Mitte), Bundesfreiwilliger, beriet die Brunnenbesitzer am Informationsstand des VSR-Gewässerschutzes. Harald Gülzow (hinten) untersuchte die Proben. © Anja Roth/VSR-Gewässerschutz e.V.

Im Juni reichten viele Bürger aus dem Kalbenser und Klötzer Raum ihre Brunnenwasserproben am Informationsstand des VSR-Gewässerschutzes ein. Nun liegen die Ergebnisse vor.

„Bereits ab 25 Milligramm Nitrat pro Liter im Teichwasser kommt es zu ökologischen Problemen im heimischen Biotop“, erklärt die Vorsitzende des VSR-Gewässerschutz, Susanne Bareiß-Gülzow. Im Juli hatte die gemeinnützige Umweltschutzorganisation einen Informationsstand in Kalbe aufgestellt, an dem Anwohner ihr Brunnenwasser untersuchen lassen konnten. Dieses Angebot wurde von vielen Bürgern wahrgenommen.

Diplom-Physiker Harald Gülzow und Bundesfreiwilliger Matthias Ahlbrecht untersuchten das Wasser von insgesamt 24 privat genutzten Brunnen aus dem Raum Kalbe und Klötze und mussten Erschreckendes feststellen: In jedem vierten Brunnen überschritt der Nitratgehalt des Brunnenwassers den Grenzwert der EU-Richtlinie von 50 Milligramm Nitrat pro Liter. Somit sei das Wasser nicht für den Gartenteich geeignet. Aufgrund des hohen Nitratgehalts würden sich Algen stark vermehren, was das Leben im und am Wasser gefährden würde, teilt Pressesprecher Harald Gülzow mit.

Höchster Nitratgehalt in Brunauer Brunnen

Den höchsten Nitratgehalt stellten die Umweltschützer in einem privaten Brunnen in Brunau fest: 172 Milligramm Nitrat pro Liter (mg/l). Weitere hohe Werte wurden in Kalbe (138 mg/l), Plathe (116 mg/l) und in Zethlingen (111 mg/l) gemessen. „Dieses stark belastete Grundwasser sickert auch den Bächen und den Flüssen zu. Hier kommt es durch die Belastung zu einer Verringerung der Artenvielfalt“, informiert Susanne Bareiß-Gülzow.

Anhand der Auswertung landwirtschaftlicher regionaler Daten konnte die Umweltschutzorganisation Rückschlüsse auf die Ursachen der hohen Nitratbelastung ziehen – die landwirtschaftliche Nutzung betreffend. Die Experten stellten fest, dass in den Bereichen, in denen viel Mais angebaut wird, auch die Nitratwerte höher sind. Im Altmarkkreis Salzwedel, so teilt es der Pressesprecher mit, werde auf 29 Prozent der Ackerfläche Mais angebaut, welcher erst spät geerntet wird und somit eine Bepflanzung mit Zwischenfrüchten, die das Nitrat aufnehmen können, erschwert wird, sodass Felder zumeist leer bleiben.

Wildpflanzen anstatt Mais

Viele Landwirte nutzen Mais als Energiepflanze bei Biogasanlagen. Jedoch könne dies laut den Umweltschützern auch mittels Wildblumenanpflanzung ersetzt werden. Der Anbau sei für den Natur- und Gewässerschutz zum Vorteil. Jedoch sei der Ertrag geringer, weshalb die Wildpflanzen für Landwirte weniger attraktiv erscheinen. Deshalb fordert der VSR-Gewässerschutz, so der Pressesprecher, dass der Anbau von Wildpflanzenkulturen im Rahmen der EU-Agrarsubventionen gefördert werden müsse, sodass der Anbau für Landwirte gewinnbringend und rentabel wird.

Auch den Mais als Futterpflanze sieht der VSR-Gewässerschutz kritisch, da er innerhalb weniger Jahrzehnte traditionelle Futterpflanzen wie Klee, Kleegras und andere Gräserarten verdrängt habe. Bei Grünland käme es außerdem zu einer geringeren Nitratauswaschung. Dies sei für den Boden, die Gewässer und den Klimaschutz positiv und wichtig für die Erhaltung der Artenvielfalt.

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