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Finanz- und Sozialausschuss in Kalbe: Mehr Jugendarbeit in den Dörfern?

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Von: Ina Tschakyrow

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Jugendliche am Jugendclub Kroko in Kalbe
Viele Jugendliche aus den Dörfern der Einheitsgemeinde nutzen die Angebote des „Kroko“ in Kalbe. Die mobile Jugendarbeit kann in den Dörfern ausgeweitet werden. © Hanna Koerdt

Die Jugendarbeit in der Einheitsgemeinde Kalbe war zum vierten Mal Thema im Finanz- und Sozialausschuss. Nun wurde konnte abschließend beraten werden. Dabei ging es vor allem um die mobile Jugendarbeit.

Kalbe – „Mobile Jugendarbeit muss sein“, sagte Solveig Kroth am Dienstagabend im Finanz- und Sozialausschuss nach den Ausführungen von Andrea Schmieder, der Geschäftsführerin der Arbeiterwohlfahrt (AWO) Sozialdienst Altmark GmbH, die zur Sitzung eingeladen war. Bereits zum vierten Mal – seit dem Frühjahr 2021 – stand das Thema Jugendarbeit in der Einheitsgemeinde Kalbe auf der Tagesordnung des Finanz- und Sozialausschusses. Das Thema wurde zuvor vertagt, weil die Träger der Jugendarbeit eingeladen werden sollten, was aber nicht umgesetzt wurde. Bei der Sitzung vor drei Wochen war Corinna Köbele vom Künstlerstadtverein, der freier Träger der Jugendhilfe ist, anwesend. Nicht eingeladen war die AWO, Träger des Jugendclubs „Kroko“ und der mobilen Jugendarbeit sowie anerkannter Träger der Kinder- und Jugendhilfe.

Mit Jugendarbeit in größeren Ortschaften begonnen

Andrea Schmieder berichtete am Dienstagabend über die Jugendarbeit, die es schon seit vielen Jahren in der Einheitsgemeinde gibt. Mobile Jugendarbeit fand zunächst vor allem in größeren Ortschaften wie Kakerbeck, Brunau und Engersen statt. „Wir haben dann aber gemerkt“, so Andrea Schmieder, dass „auch viele Jugendliche aus kleineren Dörfern teilnahmen“. Es wurde sich also am Bedarf orientiert und entsprechend die mobile Jugendarbeit angeboten. Viele Jugendliche aus den Dörfern kamen schon damals nach Kalbe, um die Angebote im „Kroko“ zu nutzen. Bei einem Projekt im vergangenen Jahr im Erlebnishaus Altmark in Zethlingen nahmen zwölf Kinder teil, davon kamen acht aus Ortschaften und vier aus der Stadt. An der Fakir-Woche in diesem Jahr nahmen Kinder und Jugendliche unter anderem aus Altmersleben, Badel, Bühne und Dolchau teil, zählte Andrea Schmieder auf.

Bedarf abfragen

Ausschussmitglied Solveig Kroth wollte nach den Ausführungen von ihr wissen, was in den Ortschaften benötigt wird, damit dort wieder mobile Jugendarbeit möglich ist. Elvira Chevalier, die seit Mai für die mobile Jugendarbeit der AWO zuständig ist und neben Volkmar Erl, dem Leiter des „Kroko“, anwesend war, informierte, dass „die Kontakte zu den Ortsbürgermeistern reaktiviert werden sollen“. Es sei wichtig abzufragen, wie der Bedarf vor Ort ist. Geklärt werden muss, wie die Rahmenbedingungen in den Orten sind, fuhr Elvira Chevalier fort.

Dazu erzählte Andrea Schmieder, dass es eine Zusammenarbeit mit den Ortsbürgermeistern gab. „In Kakerbeck lief das sehr gut, dort konnten wir stundenweise das Dorfgemeinschaftshaus nutzen“. Geplant ist, ergänzte Elvira Chevalier, dass „abgefragt wird, wo was gemacht werden darf“.

Jugendliche aus Dörfern nutzen Angebote in Kalbe

Der Ausschussvorsitzende Bernd Pawelski fragte Andrea Schmieder, „ob die Möglichkeit besteht, dass Sie auch bestehende Jugendclubs mit anleiten?“ und begründete das damit, dass es bereits Jugendräume unter anderem in Zethlingen gibt. Andrea Schmieder verdeutlichte, dass „die mobile Jugendarbeit die Räume aufsuchen kann, Angebote machen kann, aber nicht betreuen oder funktional betreiben“. Volkmar Erl erklärte, dass es mittlerweile „viel mehr Projekte sowie Kooperationen gibt“, es aber nicht möglich und auch nicht nötig sei, jeden Tag alle Dörfer abzufahren, „da die Jugendlichen aus den Dörfern auch nach Kalbe kommen“.

Jugendräume sind meist keine Orte der Jugendarbeit

Wie es in Altmersleben laufe, wo Bernd Pawelski auch Ortsbürgermeister ist, wollte er dann von Jasmin Pawelski wissen. Sie berichtete, dass dort die Jugendlichen selbst Renovierungsarbeiten durchführen, Ausflüge machen, unter anderem Fußbälle und eine Dartscheibe angeschafft sowie eine Sitzecke gebaut haben – „Wir versuchen, das alleine zu schaffen“. Sie würde sich wünschen, dass diese Gemeinschaft und damit auch der Jugendraum bleibt, da es schon öfter Kritik wegen der Lautstärke gab. Dennoch unterscheide sich das „von einer fachkräftegebundenen Jugendarbeit“, verdeutlichte Elvira Chevalier. „Jugendräume sind meist Treffpunkte, aber eher nicht Orte der Jugendarbeit“, sagte Mirko Wolff. Auch Volkmar Erl erkannte „hier Defizite“, denn es seien beispielsweise finanzielle Mittel für die Renovierung über die Jugendarbeit vorhanden.

Wenig Geld zur Verfügung

Wenig Geld stehe für die Jugendarbeit aber zur Verfügung, so Mirko Wolff. Andrea Schmieder sagte dazu, dass es vom Ortsbudget der Ortschaft Kalbe in diesem Jahr 4780 Euro gab, für die mobile Jugendarbeit von der Stadt Kalbe 2700 Euro. Das „Kroko“ befindet sich in einem städtischen Gebäude, sodass Miete in Höhe von 3890,16 Cent an die Stadt gezahlt werde, hinzu kommen noch Nebenkosten, die auf 3500 Euro geschätzt werden. Volkmar Erl fragte deswegen, ob nicht auch andere Ortschaften aus ihren Budgets Geld für die Jugendarbeit zur Verfügung stellen könnten. Bernd Pawelski gab an, dass aus dem Ortsbudget von Altmersleben die Energiekosten für den Jugendtreff übernommen werden.

Auch für die Personalstelle, für die Geld in Höhe von 28.500 Euro vom Altmarkkreis von dafür zur Verfügung gestelltem Geld aus den Kommunen finanziert wird, sei das nicht ausreichend, so Andrea Schmieder.

„Gibt es noch Fragen? Ist alles geklärt“ zum Thema Jugendarbeit?, fragte Bernd Pawelski abschließend. Es gab keine Fragen mehr, nach fast eineinhalb Jahren konnte das Thema abschließend beraten werden. Über die in der Sitzung besprochenen Pläne für die mobile Jugendarbeit sollen die Ortsbürgermeister informiert werden.

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