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Vereinbarung zwischen Landkreisen, BUND und Unterhaltungsverband Milde/Biese für Vogelschutzgebiet

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Von: Ina Tschakyrow

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Männer unterzeichnen Vereinbarung in Kalbe
Die Vereinbarung unterzeichneten Landrat Patrick Puhlmann (von links), Ralf Meyer, Landesvorsitzenderdes BUND Sachsen-Anhalt, Landrat Michael Ziche und Ulf Wißler vom Unterhaltungsverband Milde/Biese. © Ina Tschakyrow

Die Landräte der beiden altmärkischen Landkreise unterzeichneten eine Vereinbarung „Secantsgraben“, um mit dem Unterhaltungsverband Milde/Biese und BUND die Sicherung und den Erhalt der Lebensbedingungen im Vogelschutzgebiet Mildeniederung umzusetzen.

Kalbe – Am Donnerstag unterzeichneten Michael Ziche, der Landrat des Altmarkkreises Salzwedel, Patrick Puhlmann, der Landrat des Landkreises Stendal, Ralf Meyer, Landesvorsitzender des BUND Sachsen-Anhalt, und Ulf Wißler vom Unterhaltungsverband Milde/Biese eine Vereinbarung zum Secantsgraben in Kalbe.

Mit dieser Vereinbarung wird die Zusammenarbeit zur Sicherung und Verbesserung der Lebensbedingungen der charakteristischen Arten sowie des Wasserhaushaltes im Vogelschutzgebiet Mildeniederung beschlossen. Das Teilgebiet Secantsgrabenniederung ist in seinem Gebietswasserhaushalt wegen der maroden Wehranlagen Wartenberg, Berkau, Algenstedt und Kremkau und die dadurch erheblich geminderte Wasserhaltung in der Niederung enorm beeinträchtigt und stark gefährdet. Deswegen sollen die maroden Wehranlagen erneuert werden. Die Anlagen, die teilweise „seit Jahren nicht bedient wurden“, wie Stefan Feder, der Leiter des Umweltamtes des Landkreises Stendal, erklärte, sollen wieder nutzbar gemacht werden. Die Wehranlage Berkau soll voraussichtlich zuerst saniert werden. Weiterhin soll das Wasserdargebot betrachtet werden, um die Niederung mit den Grünländern, der Feucht- und Nasswiesen zu erhalten und zu entwickeln.

Denn „die Wasserknappheit nimmt immer mehr zu“, sagte Michael Ziche. „Die Grundwasserstände sinken“, fuhr er fort. Patrick Puhlmann ergänzte, dass 2017 das letzte feuchte Jahr für die Region war. Seit 2008 werde bereits an einer solchen Vereinbarung gearbeitet, um im Gebiet des Secantsgrabens den Wasserrückhalt zu regulieren.

Darüber, dass der BUND bei diesem Projekt mit einbezogen wird, sodass dieser auch mitgestalten kann, freute sich Ralf Meyer. Es sei wichtig, fuhr er fort, dass das „Wasser in der Landschaft gehalten wird“.

Der Unterhaltungsverband Milde/Biese, erläuterte Ulf Wißler, werde seinen Beitrag zu Abfluss, Pflege und Entwicklung der Gewässer sowie bei der Planung und Umsetzung der Gräben leisten.

Michael Ziche informierte, dass es bereits verschiedene Projekte gibt, die beide altmärkischen Landkreise gemeinsam durchführen. „Das Niederungsgebiet befindet sich auf dem Territorium beider Landkreise, was eine Zusammenarbeit sehr sinnvoll und erforderlich macht“.

In diesem Jahr sollen weitere Projekte initiiert werden, die einen Mehrwert für die Region Altmark und für jeden der beiden Landkreise bedeuten.

Infos zum Schutzgebiet

Das Europäische Vogelschutzgebiet „Milde-Niederung/Altmark“ hat eine Gesamtgröße von 2207 Hektar und besteht aus zwei Teilbereichen. Der nördliche Teil wird von der Milde, der südliche Teil vom Secantsgraben durchflossen. Charakteristisch für das Gebiet sind Feuchtwiesen und Niedermoorstandorte, die bei entsprechender Wasserversorgung eine hohe Biodiversität aufweisen. Bedeutend sind die Flächen für Wiesenbrutvogelgemeinschaften. Zahlreiche Zugvögel nutzen das Gebiet zur Rast. Der Große Brachvogel weist mit 22 Brutpaaren in der Mildeniederung den größten zusammenhängenden Bestand in Sachsen-Anhalt auf.
Es gibt ein eng verzweigtes Grabensystem, welches die Niederung noch intensiver entwässert. Durch die bereits seit dem 18. Jahrhundert durchgeführten Meliorationsmaßnahmen unterliegt das Gebiet einer lang anhaltenden Regulierung/Absenkung des Grundwasserstandes. Dadurch ist häufig ein großer Grundwasserflurabstand vorhanden. Die ehemals bis weit in den Frühling hinein vorhandenen flach überstauten Flächen sind nur noch sehr schwach ausgebildet.
Der Secantsgraben ist zur Regulierung der Wasserstände mit sechs Wehranlagen ausgestattet. Die sechste Anlage, das Wollenhagener Wehr, wurde 2012 zurückgebaut. Das erste Wehr, Neuendorf am Damm, wurde 2017 saniert. Zwischen diesen Anlagen liegen das Kremkauer, Algenstedter, Berkauer und Wartenberger Wehr. Die Milde wird mit zwei Wehranlagen, dem Habichtshorster und dem Mehriner Wehr, angestaut.

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