Laura Menk und Markus Sauter entwickeln auf dem „Jeetzehof“ ein außergewöhnliches ökologisches Tourismusprojekt

Tiny-House-Bau und Selbstreflexion

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Wie ein „Tiny House“ autark funktioniert, können Interessierte bei Markus Sauter und Laura Menk auf dem „Jeetzehof“, einem Ökoprojekt-Hof, in Workshops erfahren. In anderen Seminaren geht es hingegen um Kunsthandwerk oder die persönliche Entwicklung.

Jeetze. Ein gutes Leben. Irgendwann kommt jeder Mensch an den Punkt, an dem er sich fragt: „Was bedeutet das für mich? Was brauche ich dafür?“ Vielleicht wollen manche diese Gedanken gar nicht weiter vertiefen. Und andere, die wollen.

Und vielleicht führt sie dieser Gedanke dann nach Jeetze, wo sie sich damit auseinandersetzen werden. Bei Laura Menk und Markus Sauter, die das „Ökoprojekt Jeetzehof“ ins Leben gerufen haben.

Die Besucher des „Ökoprojektes Jeetzehof“ können sich in Werkstätten auch ein „Tiny House“ bauen.

Raum zu haben, das ist ein Aspekt für ein „gutes Leben“, wie es das Paar für sich interpretiert. Und Raum, davon gibt es in der Altmark eine Menge: „Es ist kein Zufall, dass wir hier gelandet sind“, sagt Markus Sauter. Was andere aus der ländlichen Region wegführt, das hat ihre Familie nach Jeetze geführt: „Die Altmark hat ihre Qualitäten“, so Markus Sauter. Nämlich die Möglichkeit, in der Natur zu leben. Durchatmen zu können. Hier ist das Leben, auch wenn man doch immer etwas zu tun haben kann, entschleunigt. Diese Entschleunigung haben Laura Menk und Markus Sauter, nachdem beide in Köln studiert haben, in besonderer Form in Schweden kennengelernt, wo sie über zwei Jahre lebten und in einer Jugendhilfe-Einrichtung arbeiteten. „Die Grundhaltung in Schweden ist eine andere. Was die Geschwindigkeit angeht, ist es alles etwas ruhiger. Das Zwischenmenschliche. Und die Natur. Die Natur hat so viel mehr Macht“, sagt Laura Menk. Trotzdem entschied sich das Paar, das zwei Kinder, die neunjährige Nele und den dreijährigen Finn hat, nach Deutschland zurückzukehren, um sich etwas Eigenes aufzubauen. Sie suchten deutschlandweit nach einem neuen Zuhause, das gleichzeitig auch Arbeitsplatz sein könnte. Einen Hof mit Platz für Werkstätten und zur Entfaltung. Fündig wurden sie in Jeetze. Sie kauften den Vierseitenhof am Dorfplatz. Auf dem Gelände der ehemaligen LPG entsteht nun ein ökologisch orientiertes, sanftes und nachhaltiges Tourismusprojekt. Der Fokus liegt hier auf dem Erleben einer naturnahen, ökologisch orientierten und reduzierten Wohn- und Lebensweise. „Sowas ist in der Stadt nicht möglich“, sagt Laura Menk. Hier könne man das finden, was viele suchen: Ruhe. Und man lernt alternative ökologische Konzepte kennen, die die Ressourcen schonen.

Auf dem großen Areal des Vierseitenhofes am Dorfplatz soll in den kommenden Jahren noch viel passieren.

Schon im Juni sollen Seminare und Workshops stattfinden. Zum Beispiel ein „Tiny House Workshop“. Die „winziges Haus“-Bewegung hat sich in den vergangenen Jahren besonders in den USA entwickelt. Im Workshop vermittelt Markus Sauter, wie man die mobilen Häuschen selbst planen und bauen kann, statt sich eines für sehr viel Geld zu kaufen. Im „Upcycling“-Workshop wird aus „Müll“ Neues und Schönes gemacht und Möbel restauriert. Kreativ wird es beim Einsteigerseminar für Holzbildhauerei. Im „Forum: Gut Leben“, der „persönlichen Zukunftswerkstatt“, oder beim individuell vereinbartem „Aus-Zeit-Coaching“ geht es unter anderem um die eigenen Lebenswelten und Alternativen dazu, um die persönliche Reflexion, Neuorientierung und um Auszeiten. Laura Menk, die Diplom-Pädagogin und Theater-Spielleiterin ist, lädt auch zum Workshop „Improvisationstheater“ und Kreativkursen für Eltern und Kinder ein.

Die Besucher und Gäste des Jeetzehofes müssen aber nicht zwingend an den Workshops teilnehmen. So kann man auch einfach die Tipis oder das Tiny-House mieten, seinen Urlaub hier verbringen, mit den Kindern, die sich an der Natur und den Hoftieren erfreuen können. Oder künstlerisch arbeiten, in der Holzwerkstatt oder den Atelierräumen.

Im Sommer 2016 kam Markus Sauter erst allein auf den Jeetzehof: „Ich habe mir vier Quadratmeter von Bauschutt und Müll frei geräumt. Da lag meine Matratze und es stand ein Wasserkocher da.“ Nach und nach wurde das Hauptgebäude renoviert und das Areal entrümpelt. „Wir haben 500 Autoreifen entsorgt, sieben Container Restmüll, bestimmt zwei Tonnen Altmetall“, so der 42-jährige Heilpädagoge, der nach dem Studium noch die Ausbildung zum Systemischen Coach und Supervisor gemacht hat. Auf dem Jeetzehof und dem großflächigen Gelände soll in den kommenden Jahren noch viel passieren. Wenn die behördlichen Wege erfolgreich gegangen wurden, sollen beispielsweise ein Erdhügelhaus, ein Recyclinghaus, ein Baumhaus oder auch Stroh-Lehm-Haus entstehen. Das Gelände des Jeetzehofes wird naturnah gestaltet, mit verschiedenen Biotopen und einem Gemüsegarten. Außerdem soll es einen Naturspielplatz geben, eine Außenküche und ökologische Sanitäranlagen und vielleicht auch irgendwann einen Hofladen mit Café. „Jetzt sind wir noch in der Startphase, wir müssen erstmal ausprobieren“, sagt Markus Sauter.

Mehr zum Ökoprojekt gibt es unter www.jeetzehof.de.

Von Hanna Koerdt

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