Ortschaftsrat Packebusch will örtlichen Jugendclub erhalten / Beschluss über Schließung heute bei Stadtratssitzung

„Stadträte sind falsch informiert“

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Der Jugendclub in Packebusch wird kaum genutzt, kostet die Stadt aber viel. Der Stadtrat entscheidet heute Abend über die Schließung, sehr zum Unmut des Packebuscher Ortschaftsrates.

Packebusch. Dem Kalbenser Stadtrat liegt heute bei seiner Sitzung ein Beschluss über die Schließung des Packebuscher Jugendclubs vor. Der Ortschaftsrat in Packebusch, der sich am Dienstagabend getroffen hatte, sieht sich vor vollendete Tatsachen gestellt.

Die Beschlussfassung der Stadt sieht vor, den Betrieb des Jugendclubs in Packebusch mit Wirkung zum 1. Mai einzustellen. Begründung der Stadt: Der Jugendclub ist der einzige seiner Art im gesamten Gebiet der Einheitsgemeinde. Die Annahme durch die örtliche Jugend hat eine deutlich zurückgehende Tendenz. Die Unterhaltungskosten liegen jährlich zwischen 5000 und 6000 Euro.

„Wie setzen sich diese Zahlen denn zusammen“, wollte Ortschaftsrätin Birgit Mertens wissen. „Die 5000 Euro Kosten habe ich erfragt, sie sind aus den Ausgaben 2013“, erklärte Packebuschs Ortsbürgermeister Otto Wienecke und fügte an, dass diese Zahlen aktuell nicht mehr stimmen könnten, da der Jugendclub seit vorigem Jahr nur noch einmal in der Woche geöffnet sei. „Wenn das so dem Stadtrat vorliegt, die sehen nur 5000 Euro, halten die Hand hoch und dann wirds geschlossen. So läuft das“, kritisierte Ortsrätin Sigrid Gühne. „Mit dem was hier drauf steht, bin ich der Meinung, sind sämtliche Stadträte falsch informiert. Die haben die Zahl von 5000 Euro im Kopf. Das stimmt definitiv nicht“, so Wienecke. Die Stadt gebe außerdem überall Geld aus, wovon man in Parkbesuch aber nichts habe.

Der Jugendclub werde nicht nur an den Freitagen von Kindern besucht, sondern auch für andere Ereignisse genutzt, wie das Kindersingen zu Weihnachten, Maibaumaufstellen oder die Seniorenweihnachtsfeier. „Bei Investitionen schneiden sie uns weg, jetzt schneiden sie uns bei der Kultur- und Jugendarbeit weg“, ärgerte sich Gühne: „Müssen wir uns das gefallen lassen?“

Ortsbürgermeister Otto Wienecke verkündete, dass er versuchen werde, den Tagesordnungspunkt zur Schließung von der Tagesordnung des Stadtrates entfernen zu lassen – wegen Falschinformation.

Schließlich würden dem Ortschaftsrat auch die genauen und vor allem aktuellen Zahlen fehlen, um sich zu diesem Thema eine fundierte Meinung bilden zu können und darüber zu beraten.

Zur einer ausführlichen Beratung ist allerdings lange Zeit gewesen. Im Januar 2014 fand das erste Gespräch zwischen Marina Krüger von der Kalbenser Stadtverwaltung mit der Gemeindearbeiterin Edith Borchert statt, die den Packebuscher Jugendclub während ihrer Arbeitsstunden anteilmäßig betreut. Wegen der immer geringer werdenden Auslastung hatte man sich darauf geeinigt, den Jugendclub nur noch donnerstags und freitags zwischen 13.30 Uhr und 16.30 Uhr zu öffnen und nicht wie bisher an jedem Tag in der Woche. Bei weiteren Ortsterminen hatte sich dann nochmals gezeigt, dass auch die Donnerstage nicht gut besucht waren. „In Absprache mit Frau Borchert und dem Ortsbürgermeister wurde festgelegt, dass ab Mai 2014 nur noch freitags geöffnet wird“, erklärt Marina Krüger gegenüber der AZ. Den Packebuscher Ortschaftsrat informierte Wienecke bei einer Sitzung im Juli des vergangenen Jahres über die geänderten Öffnungszeiten.

„In der Auswertung der Sitzung hatte ich schriftlich um eine Einladung für mich und Frau Borchert zu einer Ortschaftsratssitzung gebeten, um nochmal darüber zu sprechen, um was es eigentlich geht“, so Krüger. Denn die Anwesenheitslisten, die die Jugendclubbetreuerin führte, ergaben, dass auch nicht jeder Freitag die durchschnittlich vier oder fünf Kinder vor Ort sind. Diese sind außerdem auch im Brunauer Hort angemeldet. „Dadurch war eine Schließung anzudenken“, so Krüger.

Eine Einladung war aber nicht erfolgt, obwohl seitens der Stadtverwaltung wiederholt darum gebeten wurde. „Wenn sich da in einem halben Jahr nichts tut“, so Kalbes Bürgermeister Karsten Ruth, müsse man seitens der Stadt irgendwann reagieren. Das ist nun passiert.

Von Hanna Koerdt

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