Voraussetzung für Förderung der Kulturstiftung des Bundes: Kalbes Stadtrat sagt Künstlerstadt finanzielle Hilfe zu

Stadt Kalbe stellt Wohnraum zur Verfügung

+
Einige Mitglieder und Freunde der Künstlerstadt Kalbe verfolgten gespannt und aufmerksam die Sitzung des Stadtrates in Kalbe – denn auf dem Spiel stand eine Förderung für den Verein.

Kalbe. Der Künstlerstadt Kalbe wurde seitens der Kulturstiftung des Bundes eine Förderung von bis zu 45 000 Euro in Aussicht gestellt. Voraussetzung ist aber, dass die Kommune sich ebenfalls finanziell beteiligt – in Form von einer Übernahme der Kosten für Wohn- bzw.

Büroraum. Der Kalbenser Stadtrat hat im Zuge der jüngsten Sitzung darüber beraten und sich mit zwei Gegenstimmen dafür entschieden, der Künstlerstadt die Wohnung der Rettungswache am Freibadgebäude zur Nutzung zu überlassen. Die Rettungswache wird zum Jahresbeginn 2016 aufgegeben. Die Fläche beträgt 51 Quadratmeter. Die jährliche Miete liegt bei 2700 Euro.

Die Förderung der Kulturstiftung soll ein Koordinationsstipendium umfassen. Die Vereinsarbeit der Künstlerstadt soll durch die Mitwirkung eines Stipendiaten im Bereich des Kulturmanagements einen professionellen Rahmen erhalten. Der Verein hat nach dem Eingang des Schreibens des Kulturbundes einen Antrag an den Stadtrat gestellt, die vom Kulturbund gestellte Forderung zur Mitwirkung der Kommune zu bewilligen. Und zwar im Rahmen einer verbindlichen Kostenübernahme der Betriebskosten eines Wohnraums für drei Jahre – denn über diesen Zeitraum erstreckt sich die Förderung der Kulturstiftung.

Eine ganz einfache Entscheidung war es für die Stadträte nicht, denn der Kalbenser Haushalt ist eng bemessen. Bei einer Absage seitens der Stadträte, so Bürgermeister Karsten Ruth zu Beginn der Beratung, laufe die Künstlerstadt Gefahr, die Förderung zu verlieren. Die andere Seite der Medaille sei allerdings, dass man im Zuge der Haushaltsplanung streng gekürzt habe. Die Kürzungen haben alle Ortschaften betroffen. So gab es zehn Prozent weniger Brauchtumsmittel, aus denen die Zuschüsse für Vereine und Feuerwehren fließen. Trotzdem, so Ruth, dürfe man nicht außer Acht lassen, wie viel die Künstlerstadt Kalbe in den vergangenen zwei Jahren für die Stadt und die Region bewegt habe. Die Veranstaltungen, ob im Zuge des Sommercampus, oder die regelmäßigen Ausstellungen in der „Galerie der 100 Brücken“ (heute findet dort ebenfalls eine Vernissage um 19 Uhr statt) und Workshops, laufen ohne finanzielle Beteiligung der Stadt. Die Vereinsarbeit habe sich in den zwei Jahren über Spenden und Preisgelder finanziert und wurde von Ehrenamtlichen übernommen. Auch habe sich der Künstlerstadtverein der Integration der Flüchtlinge angenommen, die in Kalbe leben.

Den Ausführungen des Bürgermeisters stimmten die Stadträte zu und viele der Anwesenden sprachen ihrerseits dem Verein ihren Respekt aus. So meinte Volkmar Erl, dass es wichtig sei, der Künstlerstadt jetzt zu helfen, denn „sie blüht jetzt auf“. Und, so nicht nur Erls Meinung, mit der Weiterentwicklung der Vereinsarbeit könnte die Kultur in Zukunft auch außerhalb des Stadtgebietes stattfinden und in die Ortschaften streuen. Zweifel herrschte aber darüber, wie hoch die tatsächliche Förderung der Kulturstiftung betragen würde. „Wie viel gibt es denn mindestens?“, fragte Stadtrat Günter Pusch: Nicht, dass es am Ende statt der in Aussicht gestellten 45 000, doch nur 2000 Euro kommen würden. Dem schloss sich unter anderem Doris Benecke an: „Wir haben kein Geld im Überfluss. Die Verhältnismäßigkeit muss da sein.“ Auch über eine mögliche Vermietung der Wohnung am Freibad wurde diskutiert, wobei Karsten Ruth drauf hinwies, dass eine Vermietung auf dem Markt nicht einfach sei. Bei Leerstand muss die Stadt ohnehin die Betriebskosten zahlen, zum Beispiel für die Beheizung, um Feuchtigkeit zu vermeiden. Durch eine dauerhafte Nutzung aber würden diese Kosten sogar geringer werden. Die Stadträte haben deshalb bei ihrer Entscheidung, den Wohnraum zur Verfügung zu stellen, ihrerseits Voraussetzungen festgehalten: Die Wohnung muss regelmäßig genutzt werden; die Betriebskosten müssen im Rahmen gehalten werden; die kostenfreie Nutzung ist auf drei Jahre festgesetzt und die für die Kommune entstandenen Kosten müssen in Relation zur Fördersumme der Kulturstiftung stehen.

Von Hanna Koerdt

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare