Ortschaftsrat Kakerbeck: Unabhängig von den Untersuchungsergebnissen soll die Bohrschlammgrube verschwinden

Silbersee-Resolution: Das Gift muss weg

Im Kakerbecker Ortschaftsrat wurde am Mittwoch die Kalbenser „Silbersee“-Runde vom 31. August ausgewertet. Die Ortsräte haben auch eine Resolution formuliert.
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Im Kakerbecker Ortschaftsrat wurde am Mittwoch die Kalbenser „Silbersee“-Runde vom 31. August ausgewertet. Die Ortsräte haben auch eine Resolution formuliert. 

Kakerbeck. Die Dichtigkeit der Grube „eindeutig nachweisen“, das werde von den Untersuchungen im Sonderbetriebsplan gefordert.

„Was man hier deutlich erkennen kann, ist der Versuch, den Deponiekörper gesund zu reden“, meinte Steffen Lötge am Mittwochabend im Kakerbecker Dorfgemeinschaftshaus. Dort traf sich der Ortschaftsrat und auch viele Bürger aus Kakerbeck und Brüchau waren anwesend. Denn die zweite Kalbenser Runde, die Ende August im Rathaus stattfand und im Zuge derer der aktuelle Stand zum „Silbersee“ besprochen wurde, wurde in Kakerbeck ausgewertet.

Bevor eine endgültige Entscheidung darüber gefällt werden kann, auf welche Weise die Grube, in der seit den 70er Jahren giftige Stoffe aus der Erdgasförderung sowie noch weitere toxische Abfälle aus anderen Industriezweigen eingelagert wurden, geschlossen wird, sind noch viele Fragen zu klären. Dass festgestellt werden muss, welche Stoffe nun genau darin lagern, daran gibt es keinen Zweifel. Dem stimmen alle Akteure, ob nun die Stadt, der Kreis, Umweltbehörden oder auch das Landesamt für Geologie und Bergbau (LAGB) sowie die Bürgerinitiative „Saubere Umwelt und Energie Altmark“ zu. Hier endet aber auch die Einigkeit vor allem des LAGBs und der BI wie den Bürgern. Sie haben, das wird immer wieder deutlich, das Vertrauen in diese Behörde und besonders in die Betreiberfirma Engie verloren. Der milliardenschwere Energiekonzern tanze dem LAGB „auf der Nase herum“, so Lötge wütend, nachdem am Donnerstag abermals einige der vielen Ungereimtheiten durchgegangen wurden, die es in der nun schon Jahre andauernden Diskussion um die Deponie gibt. Ob nun unvollständige Inventarangaben oder die völlige Ignoranz der nachgewiesenen Schadstoffe im Grundwasser, auf die mehrere Umweltbehörden über viele Jahre hinweg hinwiesen. Wieso diese nie berücksichigt wurden, will jetzt auch die Untere Bodenschutzbehörde geklärt wissen, wie sie in ihrer Stellungnahme zum Sonderbetriebsplan anführte.

Das Misstrauen ist groß, es wurde auch diskutiert, ob und inwiefern man juristisch gegen Engie vorgehen kann. Ob nun wegen Verschleierung, Umweltverschmutzung oder Schadensersatz. Was die allgemeinen Anschauungen betreffe, so könne die BI nicht weiter entfernt von der AfD sein, allerdings habe die Landtagsfraktion im Juni Strafanzeige bei der Staatsanwaltschaft Stendal gestellt, und zwar wegen des „Verdachts wegen der möglichen Begehung von Straftaten durch den Betreiber der Bohrschlammdeponie Brüchau“. Bis heute habe die AfD-Fraktion auf keine ihrer Nachfragen bei der Staatsanwaltschaft, ob in dieser Sache schon etwas in die Wege geleitet wurde, Antwort erhalten. Mittlerweile hat die AfD eine Dienstaufsichtsbeschwerde bei der Generalstaatsanwaltschaft eingereicht.

Weil Engie keine Einschätzung des Sickerwasserpotenzials sowie der Schadstoffe erbringen konnte, wurde der Betrieb auf dem Gelände 2012 eingestellt. In einer zweiten Kleinen Anfrage, die Grünen-Landtagsabgeordnete Dorothea Frederking vor kurzem ans Land gestellt hatte, hieß es bezüglich der Schließung auch: „Die (...) beteiligten Behörden und Gemeinden hatten in ihren Stellungnahmen vielfältige Einwände gegen den Weiterbetrieb der Deponie erhoben. Bei der gemeinsamen Erörterung der Stellungnahmen mit allen Beteiligten am 12. April 2012 konnte der Unternehmer die Bedenken und Einwände nicht vollständig ausräumen, sodass nach entsprechender Abwägung auch aus diesem Grund einem Weiterbetrieb nicht zugestimmt werden konnte.“ Dass überhaupt so lange betrieben wurde, sei nicht nachvollziehbar: „Ab 1976 wurde die Undichtigkeit nachgewiesen“, so Wasseringenieur Bernd Ebeling. Seit Jahrzehnten werde die Umwelt verschmutzt und das aus dem einfachen Grund, weil „die Grube hier die billigste war“.

Der Landtag Sachsen-Anhalt hat im Mai dieses Jahres beschlossen: „Ziel des öffentlichen Beteiligungsprozesses muss sein, dass an dessen Ende unter Offenlegung und Beantwortung aller ungeklärten Aspekte eine nachvollziehbare und belastbare technische Variante präsentiert wird, die für jetzt und für die Zukunft die einschlägigen Sorgen der Einwohnerschaft des Ortsteils Brüchau und der Umgebung, die im Kontext mit der Deponie stehen, ausräumt.“

Die Resolution, die der Kakerbecker Ortschaftsrat formuliert hat, macht deutlich, dass nur eine einzige Variante, nämlich die vollständige Beseitigung des „Silbersees“ die Sorgen der Menschen vor Ort beseitigen wird. Denn dort ist formuliert, dass der Ortschaftsrat die Dekontanimation fordert, unabhängig von den Ergebnissen der Immissionspumpversuche.

Und was ebenfalls angeregt wurde: Es solle jemand beauftragt werden, der von Haus zu Haus geht und die Krebsfälle der Umgebung dokumentiert.

Von Hanna Koerdt

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