Minister Thomas Webel besucht Brunauer Grundschule / Schulverbünde könnten Dorfschulen für die Zukunft sichern

Schulstandort sichern – aber wie?

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Nach einer Gesprächsrunde wurden Schule, Hort und Turnhalle in Brunau von Landrat Michael Ziche (von links), Ortsbürgermeisterin Ortrun Cyris, Marina Krüger (Stadtverwaltung), dem Minister für Landesentwicklung und Verkehr in Sachsen-Anhalt Thomas Webel, dem CDU-Landtagsabgeordneten Uwe Harms, Schulleiterin Wilma Schulz sowie Bürgermeister Karsten Ruth besichtigt.

Kalbe. 64 Schüler besuchen derzeit die Brunauer Grundschule „Wilhelm Busch“. Damit ist der Schulstandort vorerst bis 2019 abgesichert – 52 Schüler müssen mindestens unterrichtet werden, damit die Schule weiter existieren kann.

Über Lösungsansätze, wie man die Schule über 2019 hinaus erhalten könnte, diskutierten am Mittwochnachmittag unter anderem Schulleiterin Wilma Schulz, Ortsbürgermeisterin Ortrun Cyris, Kalbes Bürgermeister Karsten Ruth mit Landrat Michael Ziche, dem CDU-Landtagsabgeordneten Uwe Harms sowie Thomas Webel, dem Minister für Landesentwicklung und Verkehr in Sachsen-Anhalt.

Karsten Ruth verschaffte den Anwesenden zunächst einmal einen Überblick über die „Situation Brunaus als Ortschaft“. Brunau habe in den vergangenen Jahren massiv an Bedeutung einbüßen müssen, was sich im praktischen Leben widergespiegelt habe. So habe man den Verwaltungssitz oder auch die Polizeistation verloren. Umso mehr war man 2013 von Seiten der Kommune als auch des Landkreises bestrebt, den Verlust des Schulstandortes zu verhindern. Durch die Änderung des Schuleinzugsgebietes sei das gelungen. Allerdings, erklärte der Bürgermeister, seien längst nicht alle Kinder, die man für den Schulbesuch in Brunau einkalkuliert hatte, auch dort angekommen: Sondergenehmigungen erlauben knapp der Hälfte der Schüler, die eigentlich in die Brunauer Grunschule gehen sollten, den Besuch einer Schule außerhalb der Einheitsgemeinde: „Es wirkt paradox, wenn wir uns kommunalpolitisch den Kopf zerbrechen und unsere Hausaufgaben machen, dann aber über Umwege das alles wieder torpediert wird“, erklärte Karsten Ruth.

Die Attraktivität des Standortes ist ein weiterer wichtiger Faktor für den Erhalt der Schule. Die Brunauer Grundschule bietet viele positive Aspekte wie zum Beispiel die direkte Anbindung zum Hort, eine Sporthalle und die unproblematische und gute Essenversorgung. Trotzdem sind Investitionen nötig, zum Beispiel in die energetische Sanierung der Fassade. Um Fördermittel zu erhalten, müssten aber entsprechende Schülerzahlen präsentiert werden und der Schulstandort für mindestens 15 Jahre abgesichert sein. Beide Voraussetzungen erfüllt die Schule aber nicht.

Als eine mögliche Lösung nannte Uwe Harms Schulverbünde: „Die Schullandschaft braucht Veränderungen“, so Harms, gerade im ländlichen Raum. Durch einen Schulverbund, also die pädagogische und organisatorische Zusammenarbeit mehrerer Schulen, würden Schülerzahlen entstehen, die eine Fördermittelbeantragung ermöglichen. Doch vorerst ist dies noch Zukunftsmusik, denn rechtlich gebe es noch keine Schulverbünde, meinte dann Thomas Webel. Es stünde aber im Regierungsprogramm der CDU, „wenn es denn beschlossen wird“, so Webel. Der Antrag für Modellversuche würde noch im Bildungsausschuss liegen, weil man sich mit dem Koalitionspartner nicht einig werde.

Ein Problem, „das uns zur Zeit große Bauchschmerzen bereitet“, sprach Bürgermeister Karsten Ruth ebenfalls an: Nämlich dass einige Kinder ausschließlich von ihren Eltern vom Hort nach Hause gebracht werden könnten, da keine öffentlichen Verkehrsmittel fahren und der Heimweg nach dem Hort nicht durch die Schülerbeförderung abgedeckt wird (wir berichteten). Der Bürgermeister regte an, ob man die Problematik nicht auch als Thema aufnehmen und die entsprechende Gesetzgebung nachjustieren könnte. Landrat Michael Ziche machte allerdings deutlich, dass das Gesetz da keinen Spielraum für den Landkreis lasse. Und auch Webel meinte, dass er „da keine Lösung parat“ habe.

Von Hanna Koerdt

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